Meine Kita, meine Schule, mein Block - Wie sich das neue Stadtviertel in Bitburg entwickelt

Meine Kita, meine Schule, mein Block - Wie sich das neue Stadtviertel in Bitburg entwickelt

Auf dem Bitburger Kasernengelände tut sich derzeit einiges: Zufahrten werden gebaut, Grundstücke gekauft und vermietet. Das neue Stadtviertel nimmt Gestalt an. Der TV erklärt, was geplant ist.

Diese Mauern haben viel gesehen. Hätten sie ein Gedächtnis und einen Mund - sie könnten Geschichten erzählen, die kaum ein Einwohner der Stadt noch erlebt hat. Seit fast 100 Jahren stehen die Wohnblöcke mit den 2000er Nummern an der Mötscher Straße. So einige Male wechselte die Kaserne den Besitzer, so einige Menschen gingen hier ein und aus: Soldaten und Zivilisten, Franzosen, Amerikaner, Luxemburger und Deutsche. Doch wer jetzt hier einzieht, soll bleiben.
Derzeit ist viel Bewegung auf dem Gelände. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Die Blöcke stehen einfach nur da wie immer. Doch auf der einen Seite des Geländes rollen die Bagger. Eine neue Verbindung zum Gewerbegebiet am Südring soll her (der TV berichete). Es riecht nach frischem Asphalt. Es riecht nach Veränderung. Und Richtung Mötscher Straße gibt es schon eine neue Zufahrt. Sie wurde erst kürzlich eröffnet. Gerade auf dieser Seite des Areals soll sich bald einiges tun:

Die Kita: Seit Jahren will die Stadt diese Tagesstätte. 129 Kinder stehen auf der Warteliste für einen Kita-Platz. Die Kapazitäten der Bitburger sind erschöpft. Die Idee: eine Kita in einem der Kasernenblöcke zu errichten. Versuche, das Gebäude Nummer 2001 über eine europaweite Ausschreibung an den Mann zu bringen, scheiterten (der TV berichtete). Es fand sich kein privater Investor, der den Block kaufen und an die Stadt vermieten wollte. Doch es gibt eine neue Entwicklung:
Der Stadtrat hat beschlossen, das Grundstück in der Maria Kundenreich Straße 2 für 900 000 Euro selbst zu erwerben. Ein Schritt in Richtung Kita? In der Tat: Bürgermeister Joachim Kandels lässt wissen, dass "der Stadtrat damit ein Zeichen setzt, die neue Einrichtung in diesem Gebäude umzusetzen." Was jetzt noch fehlt, ist die Zustimmung der Kommunalaufsicht des Eifelkreises. Fertig werden soll die neungruppige Kita bis Ende 2018. Die Kosten dürften bei etwa sechs Millionen Euro liegen, teilt die Stadt mit, doch das seien nur "unverbindliche Berechnungen". Die muss Bitburg aber nicht alleine stemmen. Sowohl der Eifelkreis als auch das Land werden sich an den Kosten beteiligen.
Doch das ist noch nicht alles, was auf dem Kasernengelände geplant ist. Ein weiteres leerstehendes Gebäude soll bald einen neuen Mieter bekommen.

Die Pflegeschule: Seit dem Frühjahr 2015 gibt es in Bitburg keine Pflegeschule mehr. Damals fusionierten drei Einrichtungen, darunter auch die in der Bierbrauerstadt, zu einem Campus in Wittlich-Wengerohr (der TV berichtete). In der Stadt entstand eine Versorgungslücke. Auszubildende in Pflegeberufen müssen kilometerweit zur Schule fahren. Das könnte sich bald ändern.
Denn der Saarländische Schwesternverband möchte in Bitburg eine Einrichtung eröffnen. Das bestätigte die Organisation auf TV-Anfrage. "Wir machen da gerade die allerersten Schritte", sagt Geschäftsführer Jörg Teichert. Das heißt: Man schaut sich die Räumlichkeiten an. Die wohl vielversprechendste Option: der Kasernenblock mit der Nummer 2012. In der Privatschule, so sie denn realisiert wird, sollen etwa 150 Kranken- und Altenpfleger ausgebildet werden. Frühestens gehe es aber ab dem Lehrjahr 2018/2019 los, sagt Teichert, denn noch gibt es eine Unwägbarkeit: Am 7. Juli stimmt der Bundesrat über eine Reform der Pflegeberufe ab.
Das Gesetz sieht vor, dass alle Azubis in Pflegeberufen ab 2020 die ersten beiden Jahre zusammen unterrichtet werden. Im dritten Lehrjahr können sie sich dann spezialisieren - je nachdem, ob sie sich um Kranke, Alte oder kranke Kinder kümmern wollen. Sollte das Gesetz durchkommen, wirft es die Ausbildungsorganisation und den Lehrplan durcheinander. Bevor der Schwesternverband also richtig mit der Planung beginnen könne, sagt Teichert, müsse er diese Entscheidung abwarten.

Weitere Pläne: Auch mit den Wohnungen auf dem Kasernengelände geht es voran. Das sagt jedenfalls Helmut Berscheid, Vorsitzender des Zweckverbandes Flugplatz. Die 45 Senioren-Unterkünfte im Gebäude 2005 sollen bis April 2018 bezugsfertig sein.
Noch früher würden wohl die Arbeiten an einem weiteren Block abgeschlossen sein, sagt Berscheid, wenn alles nach Plan laufe noch im September diesen Jahres.
Nach der Sanierung soll das Gebäude 2024 an die Kreisverwaltung vermietet werden. Sie will dort eine Einheit des Katastrophenschutzes einrichten.KommentarMeinung

Was will man mehr?
Die Stadt hat sich von der Pleite der Ausschreibung nicht entmutigen lassen. Die Kita kommt auch ohne privaten Investor. Man könnte jetzt meckern: Ja, vielleicht wäre man besser gleich den Weg gegangen, das Gebäude selbst zu kaufen. Aber wichtig für die Bitburger Eltern und Kinder ist jetzt erstmal, dass es weitergeht. Und mit der Pflegeschule wird in Bitburg eine weitere Versorgungslücke geschlossen, ein weiterer Leerstand beseitigt. Also, was will man mehr? Es geht voran mit der Konversion. Das neue Stadtviertel nimmt Formen an. Bleibt zu hoffen, dass die Formalitäten schnell geklärt werden. c.altmayer@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund