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Meinung: Passanten in der Bitburger Innenstadt kritisieren Regierung

Stimmungsbild : „Irgendwann reicht’s!" - Umfrage zeigt: Bitburger sind coronamüde und unzufrieden mit der Politik

Erschöpft, verwirrt und zum Teil auch einsam: So fühlen sich die Menschen in Bitburg, nachdem das Coronavirus seit über einem Jahr ihr Leben bestimmt. Eine Umfrage:

Trotz geschlossener Gastronomie und Terminshopping - in der Bitburger Innenstadt sind noch immer einige Fußgänger unterwegs. Im Gespräch mit dem TV erzählen sie, was ihnen zum Thema Corona am meisten auf der Seele brennt.

„Mittlerweile fehlt mir am meisten, dass ich meine Freunde nicht treffen kann“, sagt Melanie Tüx aus Körperich. „Sport in Gruppen findet nicht statt, runde Geburtstage konnten nicht gefeiert werden und Karneval ist ausgefallen. Obwohl wir vorhaben, so viel wie möglich nachzuholen, kriegt man einiges wohl nie zurück.“

 Melanie Tüx aus Körperich
Melanie Tüx aus Körperich Foto: Nils Straßel

Auch Anne Keiffer aus Bitburg vermisst das Sozialleben sehr: „Ich würde so gerne mal wieder ganz normal in ein Restaurant gehen. Ich hoffe auf einen guten Sommer - ähnlich wie im letzten Jahr. Vielleicht sind wir dann auch schon näher am Ende der Pandemie.“

 Anne Keiffer aus Bitburg
Anne Keiffer aus Bitburg Foto: Nils Straßel

Die Bitburgerin Renate Schmalz zweifelt daran, dass das Virus überhaupt jemals komplett verschwindet: „Vielleicht ist das die neue Welt, in der wir leben lernen müssen. Das würde psychisch von der Gesellschaft aber sehr viel abverlangen.“

Klaus Adames aus Bitburg stört am meisten, dass sich die Allgemeinheit nicht an die Regeln halte, wie es von ihnen verlangt wird: „Es wird trotzdem in Urlaub gefahren und immer weiter gefeiert. So werden die Maßnahmen nur immer weiter verschärft und wir landen an den Punkt, an dem wir gerade sind.“

Für Brigitte Löppke aus Bitburg ist mittlerweile schon alles Routine geworden: „An das meiste hat man sich einfach schon gewöhnt. Ich brauch auch nicht viel, um glücklich zu sein. Es würde mich schon sehr freuen, wenn man einfach mal wieder unbeschwert in einem Eiscafé sitzen könnte.“

„Meine Laune wird richtig mies, wenn ich an das Virus denke“, ärgert sich Marlene Schomer aus Wiersdorf: „Irgendwann reicht’s - das gilt für die Pandemie und die damit einhergehende Politik. Ich hab aber auch Verständnis. Es ist sicherlich sehr schwer, diese Krise zu bewältigen und es jedem recht machen kann man sowieso nie.“

Peter Klumb aus Bitburg hält die Maßnahmen für „Blödsinn“. Er, der im Einzelhandel arbeitet, regt sich sehr über die Ungleichheit auf, die sich quer durch den deutschen Regelkatalog ziehe, so dass er sich fragt: „Wieso orientiert sich Deutschland nicht mehr daran, was in anderen Ländern funktioniert?“

 Peter Klumb aus Bitburg
Peter Klumb aus Bitburg Foto: Nils Straßel

Zu Beginn der Pandemie war Kai-Uwe Klos aus Bitburg mit den Entscheidungen der Bundesregierung größtenteils einverstanden. Klos: „Im Moment scheint die Politik aber völlig planlos zu sein. Geschäfte auf, dann wieder zu, dann wieder auf. Da herrscht ein gefühltes Entscheidungschaos. Das geht so weit, dass mittlerweile gar keiner mehr weiß, was Sache ist.“

 Kai-Uwe Klos aus Bitburg
Kai-Uwe Klos aus Bitburg Foto: Nils Straßel

Adolf Winker aus Bitburg denkt an die vielen Schicksalsschläge, die Menschen aufgrund der Pandemie verkraften mussten: „Es tut mir leid für die Unternehmen, die  die Krise bitterlich trifft, und auch die Menschen,  die Angehörige verloren haben.

Wir sollten die Zeit für Sinnvolles nutzen, für Gemeinsinn, zur Natur finden, der Natur helfen und Missstände beseitigen. Auch um arme Mitmenschen muss man sich mehr kümmern. Da gibt es so viel zu tun. Es sind nicht die Vergnügungen, die das Leben ausmachen.“

Anders als für die meisten anderen Menschen, war Corona für die Rentnerin Kluthhilde Schilz aus Oberweiler kein großes Problem: „Die meiste Zeit verbringe ich auf dem Land in einem kleinen Dorf. Mein Familie ganz in der Nähe. Bis auf ein paar Dinge, die ich in der Stadt nicht mehr unternehmen konnte, hat die Pandemie mein Leben kaum eingeschränkt. Dennoch habe ich Mitgefühl für jeden, den es anders getroffen hat.“

Für Sofien Mahjoub ist es schlimm, dass er seine Familie in Tunesien nicht besuchen kann. „Seit 22 Jahren, wohne ich mit meiner Frau und meinen Kindern in Bitburg und normalerweise fliegen wir jedes Jahr nach Tunesien, um meine Eltern zu sehen. Meine Kleinen vermissen ihre Großeltern und ich mache mir Sorgen um sie, wegen der Gefahr durch das Virus. Immerhin sind sie auch nicht mehr die Jüngsten. Das ist schwer zu verkraften.“