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Meisten Lebenmittelmärkte bleiben in der Eifel auch sonntags zu

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronavirus : Warum es in der Eifel trotz der Corona-Krise keinen Sonntagsverkauf gibt

Rheinland-Pfalz gewährt zur Versorgungssicherung Lebensmittelgeschäften auch sonntags von 12 bis 18 Uhr zu öffnen, doch zumindest in der Eifel ziehen die Händler nicht mit.

Das Corona-Virus hat in den vergangenen Tagen das öffentliche Leben auf den Kopf gestellt. Während fast alle Veranstaltungen abgesagt oder verschoben wurden, Gastronomen nun ihre Lokale um 18 Uhr schließen und viele Fachgeschäfte gleich ganz dicht bleiben, wurde der Spielraum für den Lebensmittelhandel erheblich vergrößert und sogar der Heilige Gral des Arbeitnehmerschutzes – das Sonntags-Verkaufsverbot – bis Mitte April geopfert.

Werktags bleibt seitdem zwar alles beim alten, der Lebensmittelhandel darf bis 22 Uhr seine Kunden mit Waren versorgen, doch die neue Regelung sieht auch vor, dass die Märkte vorerst sonntags öffnen dürfen (siehe Info). Eine Regelung die sich selbst der hartgesottenste Neoliberale noch vor zwei Wochen nicht im Traum vorgestellt hätte.

Doch ziehen die Marktbetreiber so mit, wie es sich Bund und Länder vorstellen? In der Eifel zumindest sind die Händler zurückhaltend mit ihrer Begeisterung. Friedrich Jax, Einzelhändler aus Daun, hat seine Bedenken. Er habe erstmal nicht vor, sonntags zu öffnen, sagt Jax. „Natürlich kann und sollte man darüber nachdenken, wir haben bisher aber noch nichts geändert.“

Sinn ergäbe eine Sonntagsöffnung ja  vor allem erst, wenn auch jeden Tag sämtliche gefragten Waren vorrätig seien und das dann eben auch zum Ende der Woche. „Und genau hier gibt es ja – auch wegen der viel diskutierten Hamsterkäufer – schon mal die eine oder andere Schwierigkeit.“ Warenengpässe gebe es definitiv nicht, aber gerade sonntags könne nicht garantiert werden, dass jedes Produkt verfügbar sei.  „Dann vor einem leeren Regal zu stehen, wäre auch für die Kunden ärgerlich.“

Auch mit mit dem Thema „Senioren-Stunde“ habe er sich auseinandergesetzt, diesen Schritt aber ebenfalls nicht umgesetzt. „Ganz einfach weil wir merkten, dass die Senioren die Sache schon selber in die Hand genommen haben. Sie sind in aller Regel die ersten Kunden, die wir morgens begrüßen können, genau zu einer Zeit, in der es für sie optimal ist – einfach weil es dann tatsächlich selbst in heutigen Zeiten noch recht ruhig bei uns ist.“

Der Gerolsteiner Lebensmittelhändler Björn Thömmes hat sich gegen eine Öffnung seines Supermarkts an Sonntagen entschieden. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir wochentags ausreichend lange und gut für unsere Kunden zur Verfügung stehen – den Sonntag nun zu opfern, wäre falsch“, sagt er. „Ich habe auch eine Verantwortung für meine Mitarbeiter, die in diesen Tagen ja alle quasi im Akkord arbeiten und wie jeder andere auch einen Tag zum Erholen verdient haben und auch brauchen“, sagt er.

In Bitburg, Prüm und Arzfeld sind Diskussionen vor Ort über sonntägliche Öffnungen gleich von Anfang an vom Tisch. Sowohl die Leiterin eines großen Supermarkts in der Bitburger Mötscher Straße als auch Hans-Peter Fuchs, er betreibt zwei Märkte in Prüm und Arzfeld, verweisen darauf, dass man sich in Sachen Öffnungzeiten und Extra-Einkaufsstunden für Risikogruppen an den Positionen der Konzernzentrale im nordrhein-westfälischen Hürth orientiere und sie diese mittrage.  „Ich kann nur soviel sagen, dass die Öffnung an Sonntagen bei uns nicht angedacht ist“, sagt Fuchs.

Die Hürther Pressestelle begründet: „In Anbetracht der aktuellen Situation einer stabilen Warenversorgung sehen wir keine Notwendigkeit, die Öffnungszeiten zu verändern und auf den Sonntag auszudehnen.“ Die Bedeutung des Sonntags als Ruhetag sei für alle Angestellten hoch. Auch Sonderöffnungszeiten für Risikogruppen werden mit Hinweis auf den problemlosen Einkauf zu den üblichen Zeiten ausgeschlossen.
Die Betreiber der Lebensmittelmärkte räumen aber unisono ein, dass aktuell nichts in Stein gemeißelt ist.

„Wenn wir die Zeiten doch noch anpassen müssen, machen wir das auch - im Moment sehe ich aber keine Notwendigkeit“, sagt Thömmes.