Kostenpflichtiger Inhalt: Eifelkreis ist bei der Energiewende Spitzenreiter in der Region : Meister der Windmühlen

Beim Ausbau von Windrädern, Solarparks und Biogasanlagen ist der Eifelkreis Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz. Die Kommune produziert deutlich mehr grünen Strom, als sie verbraucht.

Das Bundesland Rheinland-Pfalz verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 seinen Stromverbrauch bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken. Der Eifelkreis hat diese Marke bereits 2014 geknackt. 2017 wurden bereits mehr als 749 666 Megawattstunden eingespeist, bei einem Verbrauch von 558 000 Megawattstunden. Neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor.

Doch wie hat der Gemeindeverband das Ziel so schnell erreichen können? Der TV wirft einen Blick auf die erneuerbaren Energien und fragt: „Wie grün ist der Landkreis? Wie viel Energie liefern Windräder, Photovoltaik- und Biogasanlagen?“

Windkraft: Bei Windrädern scheiden sich die Geister. Für die einen sind sie Spargel, die die Landschaft zerstören. Die anderen sehen in ihnen die Alternative zu fossilen Energieträgern. Tatsache ist: Die Windkraftanlagen im Eifelkreis produzieren mächtig Strom und versorgen etliche Haushalte. Zusammen bringen sie es laut Kreisverwaltung auf eine Leistung von 436 Megawatt.

Derzeit drehen sich im Eifelkreis nach Auskünften aus dem Landratsamt 261 Rotoren. Das sind etwa so viele wie in allen drei Nachbarkreisen zusammen. Auch rheinland-pfalz-weit ist die Gegend Vorreiter. Was den Ausbau der Anlagen begünstigen dürfte: Der Landstrich rund um Bitburg und Prüm ist dünn besiedelt und liegt recht hoch über dem Meeresspiegel. Die Mittelgebirgslage ist ideal. Denn in diesen Höhen bläst der Wind stärker.

Die meisten der Eifeler Windmühlen stehen in der Verbandsgemeinde (VG) Prüm. 104 Türme bringen es hier auf eine Nennleistung von 169 Megawatt. Darauf folgen die Verbandsgemeinden Bitburger Land mit 66, die VG Arzfeld mit 45 und die Südeifel mit 43 Anlagen. Sogar am Ortseingang zur Stadt Bitburg ragen drei Stahlriesen aus dem Feld.

Einzig in der Klein-VG Speicher schlagen bislang keine Flügel. Der Grund: Es wurde lange befürchtet, dass die Türme Flugrouten und Radarsignale der Jets von der US-Air-Base Spangdahlem stören könnten. Derzeit werden, trotz hoher Auflagen, Windräder im Wald zwischen Speicher und Orenhofen geplant. Ob und wann sie in Betrieb genommen werden, bleibt aber unklar.

Doch auch ohne die Speicherer bleibt der Eifelkreis bei der Windkraft Spitzenreiter im Bundesland. Die Kreisverwaltung rechnet damit, dass weitere Anlagen hinzukommen werden. Anfragen für 24 Windräder liegen bereits vor. Ein Sprecher schreibt auf TV-Anfrage: „Die Zahl der Windkraftanlagen wird sich in den nächsten Jahren im Kreisgebiet erhöhen, sobald die Flächennutzungspläne mit weiteren Konzentrationsflächen genehmigt sind.“

Gemeint sind damit Projekte im Bitburger Land, in der Südeifel und in Prüm, wo etwa auf dem Schneifelrücken und nahe Auw, Habscheid, Neuendorf und Pronsfeld geplant wird.

Biogasanlagen: Ebenso wie die die Windkraft boomt auch Biogas in der Eifel. Mehr als ein Drittel der landesweiten Anlagen steht rund um Bitburg und Prüm. Laut Kreisverwaltung haben die 66 Betriebe eine Leistung von 75 653 Kilowatt. Das macht Biomasse im Eifelkreis zur zweitwichtigsten Energiequelle nach der Windkraft. Durch die Anlagen wird aber nicht nur Strom produziert. Der Aufbau von Nahwärmenetzen spart auch Heizkosten.

Ob sich all diese Betriebe halten werden, ist allerdings noch unklar. Der Grund: Die meisten von ihnen sind zwischen 2009 und 2011 ans Netz gegangen, einige aber auch früher. Und für die könnte es finanziell bald schwieriger werden. Denn ab 2021 endet durch eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz die festgeschriebene Einspeisevergütung pro Kilowattstunde Strom.

Photovoltaik: Auch die Strahlkraft der Sonne wird im Eifelkreis in grüne Energie umgewandelt. Mit 26 Solaranlagen befindet sich die Eifel hier auf Augenhöhe mit den Nachbarkreisen Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich. Die derzeitige Leistung von 70 900 Kilowatt wird sich in den nächsten Jahren aber wohl noch steigern. Denn weitere Photovoltaik-Felder sind derzeit in Planung.

Die meisten Solaranlagen im Eifelkreis liegen nahe der Autobahn 60. Die Schnellstraße ist inzwischen gesäumt von blitzenden Sonnenfängern: von Fließem und Badem über Bickendorf bis nach Matzerath und zum Prümer Stadtteil Weinsfeld. Und es werden noch einige dazukommen. Denn die Gemeinden Badem, Gindorf, Gransdorf, Orsfeld und Wilsecker im Bitburger Land planen, entlang der Autobahn fünf weitere Flächen auszuweisen.

Zusammengenommen könnte dieser Solarpark somit noch größer werden als der derzeit größte in Plütscheid. 18 Hektar Spiegelfläche produzieren dort an der L 33 rund acht Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr. Zum Vergleich: Etwa 3000 Kilowattstunden verbraucht ein durchschnittlicher deutscher Haushalt in 365 Tagen.

Wasserkraft: Anders als im Kreis Bernkastel-Wittlich wird im Eifelkreis kaum Energie aus Wasserkraft gewonnen. Der Grund: Es gibt kein großes Fließgewässer, vergleichbar der Mosel, das durch die Kommune führt. An verschiedenen Flüssen stehen laut Kreisverwaltung zwar Wasserkraftanlagen, zehn Stück allein an der Kyll. Wie viel Strom diese produzieren, sei aber unklar, und wohl auch zu vernachlässigen.

Fazit: In kaum einem Landstrich Deutschlands ist die Energiewende so sichtbar wie im Eifelkreis.

Das hat in der Vergangenheit von Neuerburg bis zur Schneifel einige Windkraftgegner auf den Plan gerufen, die Initiativen gegen die empfundene Verschandelung der Landschaft gründeten.

Auch die Landesregierung macht es den Projektierern seit dem Einzug der FDP in die Koalition zunehmend schwieriger, Anlagen zu bauen und wirtschaftlich zu betreiben. Den Kreis muss das aber nicht stören. Denn er hat die Entwicklung, die in anderen Kommunen noch stockt, schon vollzogen. Während andere Kreise noch nicht einmal 100 Prozent ihres Stromverbrauchs mit erneuerbarer Energie decken können, wird rund um Bitburg und Prüm bereits ein Überschuss produziert.

Das Ziel, stromautark zu werden, hat der Kreis bereits 2014 erreicht. Inzwischen speisen die Eifeler Anlagen mindestens 34 Prozent mehr ein (Stand 2017), als hierzulande gebraucht werden.

Klar, dass Landrat Joachim Streit die „Herausforderung der kommenden Jahre“ da nicht mehr in der „Produktion erneuerbarer Energien“ sieht, sondern in der „Entwicklung geeigneter Speichermedien“. Dies sei, so der Kreischef, dringend notwendig, um den Strom auch dort verbrauchen zu können, wo er produziert wird. Derzeit werden Überschüsse über kilometerlange Trassen durchs Land geschickt.

Sichtbarer könnte die Energiewende auf den paar Hektar kaum sein: Plütscheid ist von Solarmodulen und Windrädern umgeben. Und jetzt sind noch welche dazugekommen. Foto: Christian Altmayer. Foto: TV/Christian Altmayer

Es ist dennoch nicht zu erwarten, dass die Eifeler Energiewende in den nächsten Jahren ausgebremst wird. Schließlich sind die Grünen in die Kreisregierung eingetreten. Und die haben sich in einem Positionspapier den weiteren Ausbau der Windkraft- und Solaranlagen auf die Fahnen geschrieben.

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