MIGRATION

Zu unserem Bericht "Keine Chance für den kleinen Amar" (TV vom 14. Dezember) schreibt dieser Leser:

"Kein schönes Land in dieser Zeit" lautet der Titel des Buches von Mehmet Gürcan Daimagüler, Sohn türkischer "Gastarbeiter", der in zweiter Generation in Deutschland lebt. Heute ist er Rechtsanwalt und Nebenkläger im NSU-Prozess. In diesen Tagen bin ich immer mehr davon überzeugt, dass genau jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, um aufzustehen und Widerstand zu leisten gegen die Abschiebepolitik unserer Behörden. Ich lasse mich von meinem Rechtsanwalt beraten, wie ich als Protest gegen die Aushöhlung unseres Grundrechts auf Asyl meinen deutschen Pass zurückgeben kann. Als "Armutszeugnis und eine Schande" bezeichnet die mutige Annette Schwahlen die Abschiebung der siebenköpfigen Familie in Prüm, die auch ein kleines Kind mit Behinderung hat. Auch ich schäme mich, Deutscher zu sein! Wegen unserer Vergangenheit im Nazi-Deutschland und weil wir offensichtlich aus unserer Vergangenheit nicht gelernt haben. "Wehret den Anfängen" sagten meine Eltern früher immer bei Diskussionen über ihre Jugend im Nationalsozialismus. Unsere Bundesrepublik Deutschland hat, als Mitglied der Vereinten Nationen, die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieben und damit also auch andere Fluchtursachen außer politischer Verfolgung anerkannt. Unsere Asylgesetzgebung hat ausdrücklich einen "subsidiären Schutz" vorgesehen, um die Würde eines jeden Menschen zu wahren. Unser Grundgesetz ist 1949 geschrieben worden von Verfolgten, Gefolterten, Getöteten als Befreiung und Aufbruch in eine Welt von Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit als humanitäres und christliches Fundament einer sozialen Gemeinschaft. Wo zeigen wir heute noch unser Herz, wenn wir Schutzlose und Hilfsbedürftige abschieben in ihre Krisengebiete, die wir zum Teil auch noch selbst verursacht haben? Wo zeigen wir heute unsere Verantwortung für unser Wirtschaftssystem, unsere Kriege, unsere Waffenexporte? "Gerechtigkeit kann es nur für alle geben" ist der Titel eines Buches des afrikanischen Theologen Boniface Mabanza Bambu. Wir müssen lernen, zu teilen, um auch unser eigenes "Leben zu retten". Ralf Wagner-Nowak, Daun