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Milchbauern wollen auf Augenhöhe verhandeln

Milchbauern wollen auf Augenhöhe verhandeln

PRÜM. Mit dem Rückenwind bundesweit steigender Mitgliederzahlen und steigender Nachfrage nach Milch geht der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) Eifel in seine Mitgliederversammlung am Dienstag, 17. April, um 20 Uhr im Kongresszentrum Prüm.

Noch immer schwärmen Teilnehmer von der BDM-Versammlung im Januar in Berlin, als 2100 Milchbauern Geschlossenheit demonstrierten (der TV berichtete). Kern ihres einstimmigen Beschlusses: Falls die Milchindustrie auf die BDM-Forderung eines Erzeugerpreises von 40 Cent pro Kilo Milch bis 1. Oktober 2007 nicht entsprechend reagiert, stoppen die Bauern die Milchlieferung. Das BDM-Organisationsteam Eifel repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 550 Mitgliedsbetriebe (rund 40 Prozent der Milchbauern und mehr als die Hälfte der Milchmenge) in sieben Landkreisen der Region Trier-Koblenz. Es gibt einen fünfköpfigen Vorstand und 25 Teammitglieder. "In Berlin haben wir unheimlichen Auftrieb bekommen", sagt Matthias Nosbisch. Der Landwirt aus Niederweis sieht die BDM-Marschroute durch die jüngste Entwicklung am Milchmarkt bestätigt: "Wird die Menge kleiner, steigt der Preis." Bauernverband und Milchindustrie setzten aber alles daran, den Preisverfall durch mehr Milchproduktion aufzufangen. Eine Abschaffung der Milchquote im Jahr 2015 liege nur im Interesse der Milchindustrie, die wiederum massiv vom Bauernverband unterstützt werde. Deren personelle Verflechtungen sind dem BDM ein Dorn im Auge: "Wer im BDM ein führendes Amt bekleidet, darf nicht in anderen Gremien der Milch-Branche vertreten sein", stellt BDM-Teamleiter Eifel Oliver Grommes aus Auw bei Prüm fest. Die Milchquote müsse konsequent dazu eingesetzt werden, ein Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu schaffen.Zusammenschluss auf EU-Ebene

Andere EU-Länder wie etwa Frankreich tendierten dazu, die Quote beizubehalten. Auch einen funktionierenden EU-Außenschutz hält der BDM für unverzichtbar. "Derzeit herrscht eher Milchknappheit. Gerade in dieser Situation müssen wir einen vollkostendeckenden Preis fordern und nicht nur 30 Cent wie der Bauernverband", sagt Alice Endres aus Meckel. Um dies durchzusetzen, will der BDM von seinen Mitgliedern Verhandlungsmandate als Vollmachten einholen, die derzeit noch geprüft werden. So legitimiert, wollen die Vertreter des "BDM-Milch-Boards" mit der Milchindustrie verhandeln - wie auch immer die Milchindustrie das organisieren wird. Denn es gibt zwar einen Milchindustrie-Verband, aber bisher nicht in der Rolle eines Milchpreis-Verhandlungspartners. "Durch die Bündelung der Milchbauern stärken wir den Molkereien den Rücken, um notwendige Mindestpreise mit dem Handel aushandeln zu können", sagt Petra Lorsbach aus Olzheim. Mit bundesweit rund 26 000 Mitgliedern bündelt der BDM nach eigenen Angaben mehr als 40 Prozent der Milchmenge. Sein Pendant, das European Milk Board (EMB), vereinigt demnach bisher 20 Prozent der Milchmenge in Europa. Dieser Anteil soll bis zum Jahresende auf 50 Prozent ansteigen, um mit der Milchindustrie in Augenhöhe verhandeln zu können. Falls die EMB-Mitglieder das Verhandlungsergebnis per Urabstimmung ablehnen, soll es zu einem europaweiten unbefristeten Lieferboykott kommen. Dabei müssten die Bauern Einbußen verkraften: "Wir haben die Pflicht, uns den Streik zu leisten, um einen Systemwechsel zu erreichen", sagt Endres. "Die nicht abgelieferte Milch würde verfüttert oder gleich behandelt wie nicht verkehrsfähige Milch, das heißt, sie würde in die Gülle geleitet."