1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Justiz: Milde Mitläufer-Strafe für Raub an der Sauer

Justiz : Milde Mitläufer-Strafe für Raub an der Sauer

Wegen schweren Raubes hat das Landgericht Trier einen 24-jährigen Luxemburger zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Ein junges Trio aus der luxemburgischen Drogenszene hatte Anfang Oktober 2015 vier Jugendliche per Anruf an das Sauerufer bei Bollendorf gelockt und dort die unter 18-Jährigen ihrer Handys beraubt. Die Tat war als „Geldbeschaffungsmaßnahme“ von einem der Haupttäter geplant worden. Damit sollte der zweite Haupttäter  die beim Kumpel aufgelaufenen Drogenschulden begleichen. Um der Sache mehr Druck zu verleihen, wurden die Überfallenen mit einer Pistole bedroht. Ob die echt war oder nur ein Spielzeug, wird  ungeklärt bleiben. Das Fuchteln mit einer echt wirkenden Schusswaffe reicht aber nach dem Gesetz, um von einem „schweren Raub“ auszugehen.

Als „dritter Mann“ dabei war der heute 24 Jahre alte Angeklagte. Am ersten Verhandlungstag vor der Dritten Großen Strafkammer hatte der 24-Jährige die Mitwirkung am Geschehen  eingeräumt. Allerdings sei seine Anwesenheit  unter Alkohol- und Drogeneinfluss  eher passiver Natur gewesen, an der Beute habe er keinen Anteil gehabt und die ganze Aktion sei aus seiner Sicht falsch gewesen. Belastend für ihn ist sein umfassendes Vorstrafenregister in Luxemburg – teils  einschlägige Delikte aus der dortigen Drogenszene, teils andere: Bedrohung, Erpressung, Raub, Diebstahl, Körperverletzung, Drogenbesitz. Der Angeklagte selbst sieht seinen bisherigen Lebenswandel äußerst selbstkritisch und er will einen Schlussstrich ziehen (der TV berichtete). Bekräftigt wird dies durch die Aussagen der vier jungen Männer, die 2015 als Jugendliche in die „Handyfalle“ am Bollendorfer Sauerufer gelockt worden waren. Alle vier Zeugen bescheinigten dem Angeklagten, sich beim Tatgeschehen passiv verhalten zu haben. Er habe „so da rumgestanden und mal den Dolmetscher gespielt“, weil einer der Haupttäter nur Portugiesisch sprach. Nur einmal soll er einen Überfallenen mit den Worten „Mach keinen Scheiß – gib es her“ zur Herausgabe des Handys aufgefordert haben.

Die Mutter eines der Tatopfer gibt als Zeugin wieder, was der Sohn über die Tat berichtet hatte. Die Rolle des Angeklagten habe der dabei in etwa so wiedergegeben: „Der hat nur auf einer Bank gesessen und die meiste Zeit nichts gesagt.“ Zunächst hatte der Junge versucht, die mit „Drogengeruch“ behaftete  Affäre bei den Eltern zu verheimlichen. Aber irgendwie war der Vorfall dann doch im Ort rundgegangen. Die Zeugin: „Ich habe dann die anderen Eltern zusammengerufen und wir sind alle zusammen zur Polizei gegangen.“

Dann tritt noch eine luxemburgische Bewährungshelferin in den Zeugenstand. Sie betreute den Angeklagten während seiner letzten Haftstrafe im Nachbarland,  sieht aber bei dem jungen Mann eine positive Entwicklung und sagt: „Er ist schwierig. Will immer etwas Gutes anfangen, wie etwa einen richtigen Schulabschluss, aber er kriegt nichts bis zum Ende durchgezogen.“ Sein größtes Problem seien wohl der Alkohol und die Drogen. Dennoch habe  der Angeklagte während seiner letzten Haft in Luxemburg gute Ansätze gezeigt – weshalb seine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt worden sei. Er habe eine Freundin, die zu ihm stehe und bei der er wohnen könne. Dann aber sei aus Deutschland der Auslieferungsantrag wegen Bollendorf gekommen.

Staatsanwältin Kristina Speicher fasst in ihrem Schlusswort das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen und geht von einem minder schweren Fall aus. Ihr Antrag: Zwei Jahre Haft auf Bewährung. Dem schließt sich  Verteidigerin Martha Schwiering an. Dabei hebt sie – auch mit Blick auf die im Zuschauerraum wartende Freundin des Angeklagten – die positive Sozialprognose ihres Mandanten hervor. Das vom Vorsitzenden Richter Armin Hardt verkündete Urteil entspricht den  Anträgen. Allerdings erklärt der Richter dem 24-Jährigen, dass nun drei Jahre Bewährungszeit mit Alkohol- und Drogenüberwachung angesagt seien. Hardt: „Das gilt auch für Ihr Verhalten in Luxemburg.“ Das Urteil ist rechtskräftig.