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Missbrauchs-Prozess: Freigesprochen, aber nicht frei

Missbrauchs-Prozess: Freigesprochen, aber nicht frei

Das Landgericht Trier hat am Dienstag einen 33-Jährigen vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer schwerbehinderten Frau freigesprochen. Die Richter sind zwar überzeugt, dass der Angeklagte die Tat begangen hat, halten ihn jedoch für schuldunfähig. Sie haben die Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

Trier/Bitburg. Er stiert vor sich hin. Auf seine gefalteten Hände und auf seine Füße. Diese sind immer noch mit den Fesseln verbunden, mit denen der Angeklagte am Dienstag in den Gerichtssaal geführt wurde. Eine Vorsichtsmaßnahme. Der hünenhafte Mann mit dem Körperbau eines Schwergewichtsboxers ist den beiden Justizbeamten körperlich zumindest optisch überlegen. Und er neigt aus Sicht des psychiatrischen Gutachters Martin Stein "zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen". In der Klinik für Psychiatrie, in die er im Juli 2011 vorläufig eingewiesen wurde, musste der 33-Jährige bereits isoliert werden, weil er sich aggressiv verhalten hatte.
Krankhafte seelische Störung


Wegen seines Verhaltens gegenüber einer Mitpatientin in einem Heim für psychisch Kranke im Eifelkreis muss sich der Mann seit Anfang Januar vor dem Landgericht in Trier verantworten: Er soll Ende 2010 eine schwerbehinderte, auf den Rollstuhl angewiesene Frau zum Oralverkehr gezwungen haben (der TV berichtete). Der Angeklagte, der wegen einer Psychose in dem Heim untergebracht war, hatte vor Gericht dagegen von einvernehmlichem Sex gesprochen. Weitere Zeugen des Vorfalls gab es nicht. "Wir haben uns bemüht, so gut es ging, die Hintergründe des Geschehens herauszufinden", sagt die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz. Und dennoch gehen auch nach Ablauf von drei Prozesstagen die Vorstellungen darüber, was sich damals in dem Zimmer der 34-Jährigen abgespielt hat, weit auseinander. Staatsanwältin Kristina Speicher sieht die Vorwürfe der Anklage bestätigt: "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich das Opfer da was zusammenfabuliert hat."
Der Verteidiger des Angeklagten, Christian Funk, dagegen hat Zweifel: "Ich kann nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass das Opfer einverstanden war."
Im Ergebnis allerdings plädieren beide für einen Freispruch. Der Verteidiger, weil sein Mandant die Tat nicht begangen habe. Die Staatsanwältin, weil sie auf die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters Stein vertraut: Dieser attestiert dem 33-Jährigen eine paranoide Schizophrenie und damit eine krankhafte seelische Störung, die zur Schuldunfähigkeit geführt hat. Weil nicht auszuschließen sei, dass er weitere Straftaten begehe und damit eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, beantragt Speicher zudem die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik.
Eine Ansicht, die das Gericht teilt: "Wir können nicht auf die Nächste warten, der so etwas widerfährt", macht Richterin Schmitz die Verantwortung des Gerichts klar. Die Richter sprechen den 33-Jährigen zwar wegen Schuldunfähigkeit frei, ordnen aber auf unbestimmte Dauer seine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.
Ein Urteil, das der Angeklagte äußerlich gelassen aufnimmt. Akzeptieren will er es nicht: Sein Verteidiger Funk hat angekündigt, Rechtsmittel einzulegen.