Justiz: Missbrauchsvorwürfe gegen Mann aus der Eifel

Justiz : Missbrauchsvorwürfe gegen Mann aus der Eifel

Das Landgericht Trier verhandelt gegen einen Mann aus der Westeifel, dem jahrelanger, teils schwerer sexueller Kindesmissbrauch vorgeworfen wird. Der Angeklagte weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Die Liste der Straftaten, die Staatsanwalt Christian Hartwig der Ersten Großen Jugendschutzkammer vorträgt, ist umfassend und klingt erschreckend. 169 mal soll sich der  Mann auf der Anklagebank von 2015 bis 2019  an der Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen haben. Hartwig spricht von teils einfachen,  teils schweren Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs,  von sexueller Nötigung und sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Fast wie eine harmlose Beigabe klingen weitere Anklagepunkte, die vom Amtsgericht Bitburg übernommen wurden: Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Angriffe gegen Rettungssanitäter, Beleidigung und Körperverletzung. In diesen Fällen, so Hartwig, gehe er von verminderter Schuldfähigkeit aus, da der Angeklagte zuvor  jeweils Drogen und größere Mengen Alkohol (zwischen 1,27 und 2 Promille) konsumiert hatte.

Eindringlich wirbt der Vorsitzende Richter Günther Köhler: „Ein Geständnis, das dem betroffenen Kind die Anhörung vor diesem Gericht erspart, würde sich erheblich strafmindernd auswirken. Und ich spreche hier nicht von Monaten sondern von Jahren.“ Verteidiger Michael Angele kündigt eine schriftliche Einlassung seines Mandanten an. Der Angeklagte, ein Afrikaner mit deutscher Staatsangehörigkeit, wurde in Mombasa/Kenia geboren. Sein Vater ist unbekannt. Großgezogen wurde er wegen der Berufstätigkeit seiner Mutter von der Oma. Die Mutter lernt einen deutschen Touristen kennen, zieht nach Hessen und heiratet. Mit sieben Jahren kommen der Angeklagte und sein älterer Bruder zur Mutter nach Deutschland. Dort greift dann das Jugendamt ein, weil die beiden Jungs ständig schwer von der Mutter misshandelt werden.

Dreimal wechselt er die Pflegeeltern, macht mit 16 Jahren Hauptschulabschluss und absolviert eine Lehre als Koch. Gleichzeitig beginnt er eine Sportlerkarriere als Amateurboxer und steigt auf, was ihm zur deutschen Staatsangehörigkeit verhilft. Er arbeitet als Koch und kommt erstmals mit Drogen in Kontakt.

Danach wird es „holprig“. Es folgen Haftstrafen wegen Drogendelikten. „Da bin ich abgerutscht“ sagt der Angeklagte. Schließlich lernt er im Internetchat seine spätere Lebensgefährtin A. kennen und zieht 2007 zu ihr in einen Ort bei Bitburg. Sie wohnt im Haus ihrer Eltern und hat eine 2006 geborene Tochter.

„Ich kam da aber nie richtig an, weil besonders der Vater gegen mich war“, sagt der Angeklagte zu der neuen Familiensituation. Der Vater seiner Lebensgefährtin habe immer wieder geklagt: „Warum hat mein Kind ausgerechnet einen Schwarzen geheiratet?“

Trotzdem hat sich der Angeklagte bemüht, Fuß zu fassen. Fand Arbeit und engagierte sich im Sport. Ausfälle gab es nach Alkohol- und Drogenkonsum, die Anklagepunkte des Bitburger Amtsgerichts Bitburg zeugen davon. Der Verteidiger verliest eine Schrift des Angeklagten, in der dieser die Vorfälle mit den Polizeibeamten und Sanitätern einräumt. Er schäme sich dafür. Die vorgeworfenen Sexualstraftaten weist er allerdings entschieden zurück.

„Ich habe mich bis zuletzt um die Tochter gekümmert und eine Art Vaterrolle eingenommen.  Die Missbrauchsvorwürfe habe wohl der Vater seiner Lebensgefährtin gestreut. Dann sei bei ihm noch der Verdacht aufgekommen, dass sie nun einen anderen habe. Er selbst habe eine Frau kennengelernt, die habe ihm sehr geholfen und ihm sogar eine eigene Wohnung verschafft. „Aber wir hatten sonst nichts miteinander, ich habe bis zuletzt gehofft, mit A. zusammenbleiben zu können“, sagt der Angeklagte.

Nun muss die Kammer die inzwischen 13-jährige Tochter als Zeugin hören. Auf Antrag von Nebenklagevertreterin Ruth Streit-Stifano ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Verhandlung wird am 19. August, 9 Uhr, fortgesetzt.

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