BIERSDORF: Missglückte Hofübergabe in 15 Minuten

BIERSDORF : Missglückte Hofübergabe in 15 Minuten

Mit ihrem semidokumentarischen Kurzfilm „Das Altenteil“ wollen sich zwei Filmstudenten dem Generationenkonflikt in der Landwirtschaft widmen. Gesucht werden jetzt nur noch die Konfliktpartner.

Der Altbauer Ernst kehrt nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder auf seinen Hof zurück. Der Betrieb wurde bereits vor einiger Zeit stillgelegt. Dennoch versucht Ernst wieder an sein Leben als Landwirt anzuknüpfen. Sein Sohn Adam und seine Schwiegertochter Lara wollen ihn überreden, zu ihnen in die Stadt zu ziehen. Ernst, dem es gesundheitlich immer schlechter geht, muss sich nun entscheiden: Kommt er dem Wunsch nach oder bleibt er mit aller Konsequenz auf dem Land?

Das ist die Geschichte. Ausgedacht hat sie sich der aus Köln stammende Aart Steinmann. Der 26-Jährige studiert an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und hat zu dieser Geschichte auch ein Drehbuch geschrieben. Und wenn alles läuft wie geplant, wird dazu im Sommer ein Film folgen. Einen Filmtitel gib es bereits: „Das Altenteil.“

„Wir wollen Ende Juli und Anfang August an zwei Wochenenden drehen“, sagt Steinmann, der für einige Tage mit dem Filmstudent Till Gombert nach Biersdorf gekommen ist, um sich dort ein weiteres Mal nach einem geeigneten Bauernhof für den Filmdreh umzuschauen.

Die beiden haben sich in einem kleinen Ferienhaus eingenistet, von wo aus sie mit dem Fahrrad drei Tage über die Dörfer gefahren sind. Sie haben bereits mit einigen Landwirten gesprochen. Bislang jedoch war die Suche erfolglos. Was vielleicht auch daran liegt, dass Drehbuchautor und Regisseur Steinmann und Produzent Gombert einen alten Bauernhof und einen Landwirt suchen, der in diesem Film die Hauptrolle übernimmt. Und im Idealfall ist der Landwirt auch der Eigentümer des Hofs.

„Uns ist es wichtig, dass der Film möglichst authentisch und frei von jeglichen Klischees wird“, erklärt Steinmann. „Die Darsteller im Film sollen das tun, was sie immer tun, während wir das eher zurückhaltend begleiten“, sagt er. „Es wird ein semidokumentarischer Film“, so der Regisseur, was bedeute, dass zwar ein Handlungsablauf vorgegeben sei, das Filmteam aber möglichst wenig in das Geschehen eingreifen werde.

„Im Gegensatz zu anderen Produktionen dieser Art nehmen wir uns für den Film auch viel Zeit“, ergänzt Gombert, der durch die Recherchearbeit auf dem Fahrrad inzwischen einige Dörfer im Bitburger Raum kennengelernt hat, dabei aber eben auch feststellen musste, dass die Suche nach Drehort und Darstellern weitaus schwieriger ist als gedacht. Dafür aber hätten sie auf ihrer Tour viele interessante und aufschlussreiche Gespräche geführt, sagt Steinmann.  „Das gibt der Geschichte des Films eine ganz eigene Dynamik“, erklärt der Regisseur. Er habe das Drehbuch in Berlin geschrieben und damit das Grundgerüst für die Geschichte geschaffen. „Es geht um eine misslungene Hof-Übergabe innerhalb der Familie, um den Generationenkonflikt und um Misskommunikation“, fasst es Steinmann zusammen. Das sei die Vorgabe. Geprägt werde der Film aber durch die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort.

„Gerade in einer chaotischen, lauten und hektischen Großstadt wie Berlin verliert man schnell den Blick für Schicksale, die außerhalb der Stadt stattfinden und dennoch für uns alle von Bedeutung sind“, meint Steinmann. Und genau das möchte er ändern. Dass er und sein Studienfreund dabei ausgerechnet in Biersdorf gelandet sind, hängt schlichtweg damit zusammen, dass das Ferienhaus, in dem beide die letzten Tage verbracht haben, Steinmanns Eltern gehört. Es ist ein altes Bauernhaus, das die Eltern in jahrzehntelangre Eigenleistung umgebaut haben. Der 26-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit, die er als Kind in dem Dorf am Stausee verbracht hat.

Vor zwei Jahren sei er das erste Mal nach langer Zeit wieder nach Biersdorf gekommen. „Während das Haus wie eine Zeitkapsel mit Spielsachen und anderen Dingen aus weit entfernten Kindheitssommern war,  hat sich im Dorf vieles geändert“, erzählt Steinmann. Viele der kleinen Bauernbetriebe seien in der Zwischenzeit aufgegeben worden. Das habe ihn sehr beschäftigt. Und so sei aus der Überlegung, was die Aufgabe der Höfe wohl  für die betroffenen Landwirte bedeutet haben muss, schließlich die Idee zu dieser Geschichte entstanden.

Mehr von Volksfreund