Mission geglückt

Sollte der geplante internationale Flughafen Realität werden, wären fast alle Gewerbeflächen auf dem ehemaligen Bitburger Airbase-Gelände vermarktet und die Konversion abgeschlossen. Bis die Entscheidung 2011 fällt, heißt es vor allem: warten und nachbessern.

Bitburg. Als 1994 die Stunde null schlug, war alles trist und tot. Die Amerikaner hatten Bitburg verlassen und was sie zurückließen, war aus städtebaulicher Sicht ein Tohuwabohu. Auf 500 Hektar Fläche verteilt standen vor den Toren der Kreisstadt Hunderte hässlicher beige-brauner Gebäude, hundert Bunker und zig riesige tunnelförmige Garagen, die einst Kampfjets vor Wind und Wasser schützten.

Ein Tohuwabohu, dem Stadt, Land und Kreis 1995 mit Plänen zuleibe rückten, die sich unter einem Fremdwort zusammenfassen ließen: Konversion. Seitdem ist eine Menge passiert. Denn die Umwandlung des ehemaligen Militärgeländes in ein Gewerbe- und Industriegebiet verlief so erfolgreich, dass sie als "Bitburger Modell" deutschlandweit für Aufsehen sorgte. Inzwischen haben sich am Flugplatz Bitburg 180 Betriebe angesiedelt, die rund 1200 Menschen Arbeit bieten.

Viel bleibt dem Zweckverband Flugplatz Bitburg, der diese Entwicklung vorangetrieben hat, nun nicht mehr zu tun. Dennoch hat er sich bis Ende 2012 noch einige Ziele gesteckt. Ein Ziel heißt Nachbessern. Denn über den Flugplatz verteilt und insbesondere entlang der Haupterschließungsstraße finden sich immer noch einige Flugzeug-Shelter, Flächen und Gebäude, die nicht sehr viel besser aussehen als 1994. In einer "Beratungsoffensive" will der Zweckverband die Eigentümer nun dazu bewegen, das zu ändern. Ein Argument: Bis Ende 2012 der städtebauliche Vertrag ausläuft, gibt es noch Zuschüsse - bis zu 35 Prozent für die Modernisierung von Sheltern und 25 Prozent bei sonstigen Gebäuden.

Wie es ansonsten weitergeht, hängt ganz davon ab, ob das Konzept des luxemburgischen Projektentwicklers Frank Lamparski Realität wird, der plant, die ehemalige Airbase mit Hilfe von Investoren in einen internationalen Werft-, Fracht- und Passagierflughafen zu verwandeln.

Sollten Stadt und Kreis bis Ende 2011 entscheiden, Lamparski ihre Anteile an der Flugplatz GmbH zu verkaufen, dann will er auch die rund 50 Hektar Gewerbefläche kaufen, die am Flugplatz derzeit zwar schon weitestgehend erschlossen, aber noch nicht bebaut sind. Dort sollen Parkplätze, Parkhäuser und Bürogebäude entstehen. "Dann wären fast alle Flächen verkauft", sagt Helmut Berscheid, Verwaltungsleiter des Zweckverbands. Der Verband hätte seine Aufgabe dann "umfassend erfüllt" und könne aufgelöst werden. Zuvor würde allerdings noch ein letztes, großes Projekt in Angriff genommen: die Erschließung des geplanten Terminals. Denn noch stehen dem Verband rund zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Bis klar ist, ob der Flughafen kommt oder nicht, liegt die Vermarktung der Gewerbeflächen brach, denn der Bund hat Lamparski ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Und so heißt es abwarten. Gespannt abwarten, ob rund 15 Jahre nach der Stunde null für das Gelände vor den Toren der Kreisstadt eine neue Ära beginnt.

EXTRA Die Kosten der Konversion: Insgesamt hat der Zweckverband seit 1995 26 Millionen Euro in die Infrastruktur des Gewerbegebiets am Flugplatz Bitburg investiert - allerdings nur 1,9 Millionen Euro aus eigener Kasse. Bis 2004 stammten 95 Prozent von Bund und Land, danach 90 Prozent. Zusätzlich flossen 5,4 Millionen Euro in die städtebauliche Planung: für Altlastenuntersuchungen, Bauleitplanung, Sanierungsberatung … Die eigentliche Altlastensanierung hat der Bund bezahlt. Zwei Millionen Euro stehen dem Zweckverband noch für weitere Vorhaben zur Verfügung. (kah)Schwierige Shelter: Eine besondere Herausforderung bei der Konversion des Airbase-Geländes waren die tunnelförmigen Flugzeug-Shelter. Der Zweckverband hat das Problem auf drei Weisen gelöst: Im hinteren, östlichen Bereich des Flugplatz-Geländes dienen sie Recycling und Baufirmen als Lagerhallen. Im mittleren Bereich wurden sie zum größten Teil bereits abgerissen. Im Westen hingegen wurde und wird ihre Sanierung und Umnutzung finanziell gefördert. Bis Ende 2012 können noch Fördermittel für die Instandsetzung der Shelter abgerufen werden. (kah)