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Misstöne zwischen Hirt und Herde

Misstöne zwischen Hirt und Herde

RODERSHAUSEN. Die Eltern eines elfjährigen Sonderschülers werfen dem Roderhausener Pfarrer Karl Jüliger vor, ihren Sohn bei der Erstkommunion übergangen und als Messdiener abgelehnt zu haben.

Immer wieder schauen sich Edmund und Gisela Thielen das Video von der Erstkommunion im April 2003 in Rodershausen an. Sie können nicht begreifen, warum Pfarrer Karl Jüliger (74) ihrem Sohn Peter damals keine Hostie ausgeteilt hat. Der Seelsorger gab den 20 anderen um den Altar stehenden Kommunionkindern die erste Hostie, ging aber an Peter schnurstracks vorbei. "Das war volle Absicht", ist sich Edmund Thielen sicher. Denn die Eltern hatten den Vorfall in der Kirche zunächst nicht bemerkt, zumal Peter bei den folgenden Gottesdiensten immer eine Hostie bekam. Sie besorgten sich die Kassette erst, als sie einige Wochen später nach einem unangenehmen Erlebnis Verdacht schöpften. Peter musste nämlich seinen sehnlichsten Wunsch ("Ich wäre so gern Messdiener geworden") schweren Herzens begraben. Beim ersten Übungstag erklärte Jüliger, er habe Angst, dass Peter etwas fallen lassen könnte. Er könne nicht einmal richtig die Hände falten und sei schwerst geistig behindert. Von dieser Äußerung und Haltung des Geistlichen sind die Thielens tief enttäuscht und verletzt. Auch Jüligers wechselnde Erklärungen für den Kommunions-Vorfall überzeugen die Familie nicht. Mal sollen Hostien abgezählt gewesen sein, mal soll Peter die Hände falsch gehalten haben. In einem Brief an Bischof Reinhard Marx schildern die Thielens den Fall und fügen das Video bei. Nach einer schriftlichen Nachfrage antwortet Ordinariatsrat Robert Brahm schließlich: "Parrer Jüliger konnte uns gegenüber glaubhaft versichern, dass er ohne jede Absicht Ihren Sohn Peter bei der Erstkommunion übersehen hat. Aus dem Beitrag der Videokassette kann keine eindeutige und bewusste Absicht erkannt werden."Nun hat Peter Angst in der Kirche

Damit gibt sich Edmund Thielen nicht zufrieden. Er schickt zwei weitere Briefe, fordert zuletzt am 29. Oktober eine persönliche Antwort des Bischofs. Mehr als eine Bestätigung des Eingangs bekommt er jedoch bis heute nicht. Bei einem Gottesdienst der St. Martin-Förderschule in Bitburg will Peter nicht mit zum Kommunizieren, weil er Angst hat, keine Hostie zu bekommen. Die Familie besucht inzwischen Gottesdienste in einem Luxemburger Altenheim, wo es keine Messdiener gibt. Denn sonst würde Peter wieder daran erinnert, dass er nicht dabei sein darf. "Jeder kann mal Fehler machen, aber man muss dazu stehen und sie richtig stellen. Zu einem sachlichen Gespräch bin ich jederzeit bereit, wenn der Pastor auf uns zu kommt", sagt Edmund Thielen. "Wenn die etwas wollen, können sie zu mir kommen. Ich gehe nicht dahin, wenn ich nichts dafür kann", lautet Karl Jüligers Antwort auf eine Anfrage des TV . Nicht er habe den Jungen als Sonderschüler eingestuft. Seine Rolle als Klassensprecher bedeute lediglich, dass er "unter den Schlimmsten der Beste" sei. Der gute Wille allein sei eben nicht entscheidend. Peter sei so unbeholfen, dass er bei der Erstkommunion nicht dort gestanden habe, wo er stehen sollte. Das Video beweist allerdings, dass Peter die ganze Zeit auf demselben Platz stand. Auf TV -Anfrage erklärt Hans Casel von der Bischöflichen Pressestelle, nach der Antwort an Thielen habe es für weitere Prüfungen oder Stellungnahmen keine Notwendigkeit gegeben, da der Sachverhalt derselbe geblieben sei. Das Bistum habe unter anderem den damaligen Dechanten Josef Schmidt eingeschaltet. Casel: "Hier geht es wohl vor allem um verletzte Gefühle. Wenn beide Seiten mit der nötigen Behutsamkeit aufeinander zugehen und miteinander sprechen, ist das sicher hilfreicher als öffentliche Auseinandersetzungen oder amtliche Feststellungen."