Mit beiden Füßen in der neuen Heimat

Mit beiden Füßen in der neuen Heimat

Die Pfarreiengemeinschaft Großkampenberg, Eschfeld, Harspelt, Lützkampen bekommt einen neuen Pfarrer. Andreas Lignowski wird am Sonntag feierlich in Großkampenberg eingeführt.

Großkampenberg. Andreas Lignowski ist im Umzugsstress. Für den neuen Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Großkampenberg, Eschfeld, Harspelt und Lützkampen wurde das Pfarrhaus neu renoviert. Nun heißt es Kisten auspacken und Möbel rücken. Auch die Einführungsgottesdienste gilt es vorzubereiten. Trotzdem nimmt sich der neue Mann Zeit für ein Gespräch. Von Chaos in der Wohnung ist nichts zu sehen, und mit seiner ruhigen, aufmerksamen Art macht der 36-Jährige alles andere als einen gehetzten Eindruck. "Gerade in der Zeit des Priestermangels grenzt es an ein Wunder, dass wir so schnell einen so jungen Priester vom Bistum zugewiesen bekamen", schrieb Dechant Karl Kneißl. War es Zufall oder Schicksal, dass der neue Pfarrer, Andreas Lignowski, gerade nach Großkampenberg kam? Es hätten ihm zwei Angebote vorgelegen, sagt er. Er habe dem Trierer Bischof geschrieben, er solle das entscheiden. Und Bischof Marx entschied sich für Großkampenberg. "Das war Gottes Wille", sagt Andreas Lignowski, der sich auf seine neue Aufgabe in der Eifel freut. Der nahe Warschau geborene Pole hat zwei Schwestern und war zuletzt vier Jahre lang Vikar in Völklingen. Deutsch lernte er im Kreuzberginstitut in Bonn. Schon in der Oberschule reifte in ihm die Idee, Priester zu werden. "Noch vor dem Abitur wusste ich: das ist mein Weg. Es war wie ein Blitz", erzählt er. Seine Eltern waren anfangs sehr überrascht. Sie dachten, die Zukunft ihres Sohnes liege in der Musik. Lignowski hatte zwölf Jahre lang Unterricht an der Musikschule genossen und auch schon einen Klavierwettbewerb in Warschau gewonnen. Für die Berufung, als Priester in der Kirche und mit den Menschen dort zu arbeiten, hat er seine musikalische Ausbildung an den Nagel gehängt und von 1992 bis 1998 im Priesterseminar in Danzig studiert. Nach Deutschland kam er erstmals, als er im Saarland während der Sommerferien einen Pfarrer vertrat. "Ich habe gespürt, dass die Menschen vor Ort einen Priester brauchen", sagt er. In Polen gebe es noch ausreichend Priesternachwuchs. "Ja, schon wieder ein Pole"

Zwei Jahre habe es gedauert, bis er von seinem Bischof die Zusage bekam, nach Deutschland wechseln zu dürfen, erzählt der neue Priester. Es sei sein Wunsch, auf Dauer in Deutschland zu bleiben. Einen Fuß in Polen und einen Fuß in Deutschland zu haben, findet Lignowski nicht gut. "Um sich voll zu engagieren, braucht man eine neue Heimat", sagt er. Lignowski tritt an die Stelle von Thadeusz Zejmo, der 16 Jahre lang Pastor der Pfarreiengemeinschaft war. Zejmo ist zurück in seine polnische Heimat gezogen. Im Pfarrboten hat sich Lignowski bereits seiner neuen Gemeinde vorgestellt, nicht ohne Selbstironie. "Sie werden es sicherlich hier und dort gehört haben, wer der neue Pfarrer wird … Ja, schon wieder ein Pole!", schreibt er. Grundsätzliche Arbeit statt "Events"

Erste Treffen mit Vertretern der verschiedenen Gremien hat er schon gehabt. In Völklingen hat er sich besonders um die Kranken und Trauernden gekümmert. In seiner Gemeinde möchte er nun jedoch "für alle" da sein. "Menschlichkeit" ist ihm wichtig. Er möchte kein Büroarbeiter sein, sondern ein Geistlicher, der Zeit hat. "Das fehlt manchmal in unserer schnelllebigen Zeit", sagt der Pastor, der dennoch mit den neuen Techniken gut vertraut ist. Nicht "Events" seien das Wichtigste, sondern die ganz normale grundsätzliche Arbeit. Positiv überrascht hat ihn in der Eifel die Natur. Entspannung findet er aber auch bei der Musik. Er mag Wagner, Chopin, Bach und die Opern von Verdi. Sollte es ihm seine Zeit erlauben, würde er sich auch gerne Konzerte oder Opern in Köln und Bonn anhören. Der feierliche Einführungsgottesdienst von Andreas Lignowski in Großkampenberg ist am morgigen Sonntag, 7. Oktober, um 15 Uhr. Am heutigen Samstag, 6. Oktober, 19 Uhr, ist der Einführungsgottesdienst in Lützkampen.

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