| 17:09 Uhr

SÜLM
Mit dem Bagger weiter in die Tiefe

 Der Steinbruch bei Sülm besteht seit gut 30 Jahren und wurde zuletzt 2010 erweitert.
Der Steinbruch bei Sülm besteht seit gut 30 Jahren und wurde zuletzt 2010 erweitert. FOTO: Uwe Hentschel
SÜLM. Der Steinbruch bei Sülm soll um 45 Hektar erweitert werden. Die angrenzenden Gemeinden sehen das gelassen, Umweltschützer kritisieren unter anderem die dabei zu erwartende Senkung des Grundwasserspiegels.

Seit mehr als 30 Jahren betreibt die Naturstein Burkel GmbH südwestlich der Ortslage Sülm einen Steinbruch. Vor weniger als zehn Jahren wurde die Anlage um rund 30 Hektar vergrößert, nun möchte der Betreiber den Steinbruch um weitere 45 Hektar ausbauen.

Das Unternehmen begründet dieses Vorhaben mit der langfristigen Sicherung des Standorts und der dort bereits getätigten Investitionen und geschaffenen Arbeitsplätze und versichert, sich dabei „strikt an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz sowie dem umfassenden Umwelt- und Naturschutz“ zu orientieren. So zumindest steht es in der gut 40-seitigen Raumverträglichkeitsprüfung, die das zuständige Planungsbüro aus Luxemburg im Auftrag des Steinbruchbetreibers für das dafür notwenige Raumordnungsverfahren erstellt hat.

Geplant ist die Erweiterung vor allem in Richtung Trimport. Der dortige Ortsbürgermeister Alfons Schilz hat damit allerdings kein Problem. Aufgrund der Topografie seien für Trimport dadurch keine nennenswerten Einschränkungen zu erwarten, sagt Schilz.

Ein wenig anders ist die Situation in Sülm, doch hat sich auch dort die Gemeinde mit dem Vorhaben abgefunden. „Natürlich hören wir den Steinbruch“, sagt der Sülmer Ortsbürgermeister Jürgen Schäfer. Doch die Fläche sei nun mal ein Vorranggebiet für Rohstoffabbau, fügt er hinzu, „und dem können und wollen wir uns nicht verschließen“. Zudem käme die Gemeinde mit dem Betreiber der Anlage auch gut zurecht. Wenn es mit dem Steinbruch Probleme gebe, werde darauf auch reagiert, sagt Schäfer. „Von daher ist der Druck bei uns im Dorf auch nicht so groß.“

In der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND)  steht man diesem Vorhaben bei weitem nicht so entspannt gegenüber. Ein Problem hat der Umweltverband vor allem damit, dass der Gesteinsabbau in der geplanten Erweiterungsfläche unterhalb des Grundwasserspiegels erfolgen soll. Laut dem hydrologischen Gutachten, das vom Betreiber für das Genehmigungsverfahren in Auftrag gegeben wurde, sind dadurch keine ernsthaften Probleme zu erwarten.

Agnes Tillmann-Steinbuß, Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Bitburg-Prüm, jedoch befürchtet durch die damit verbundene Absenkung des Grundwasserspiegels Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung.

„Dadurch besteht die Gefahr, dass die erhöhten PFC-Einträge  von der ehemaligen Air Base Bitburg auf unkontrollierbare Art und Weise verteilt werden“, ist die BUND-Vorsitzende überzeugt. Sinkt der Grundwasserspiegel, dann führt das nach Einschätzung von Markus Thies auch zum Austrocknen von mit Wasser gefüllten Geländemulden (Mardellen). Und dadurch wiederum gingen Insekten verloren, die den geschützten und zum Teil seltenen Fledermausarten als Nahrungsquelle dienten, sagt Thies vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Der Vorsitzende der Nabu-Gruppe Südeifel engagiert sich seit vielen Jahren besonders für den Fledermausschutz, wurde dafür sogar vor wenigen Tagen mit dem Deutschen Bürgerpreis geehrt und hat nun die Sorge, dass beim Sülmer Steinbruch das Gleiche passiert wie vor wenigen Jahren beim Steinbruch in Meckel.

„In Meckel sind durch die Senkung das Grundwasserspiegels einige Mardelle ausgetrocknet“, sagt Thies. Zudem äußert der Fledermausexperte starke Zweifel an der vom Betreiber in Auftrag gegebenen Umweltverträglichkeitsprüfung. „Aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung des Erweiterungsbereichs und der damit zusammenhängenden geringen Strukturierung wird davon ausgegangen, dass kein essentieller Lebensraum der eventuell vorkommenden geschützten Tierarten beeinträchtigt wird“, heißt es dazu im Gutachten.

„Die Felder sind voll von Fledermäusen“, sagt dazu Thies. Und das könne man auch nachweisen, wenn man es denn ordentlich untersuche. Doch werde dabei oft getrickst, so der Nabu-Vorsitzende. Je nachdem wie man den Batcorder (Gerät zur Aufzeichnung von Fledermausrufen) positioniere und ausrichte, ließen sich Ergebnisse gezielt beeinflussen, erklärt Thies, der derzeit an einer Stellungnahme für das Raumordnungsverfahren arbeitet, um die gravierenden Bedenken des Nabu zum Ausdruck zu bringen.

Eine Stellungnahme einreichen wird auch die Landwirtschaftskammer. Und dort einfließen werden unter anderem die Einschätzungen des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm. Der allgemeine Flächenfraß mache der Landwirtschaft ohnehin schon zu schaffen, sagt Andreas Lenz, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Durch die in Sülm geplante Erweiterung gingen weitere 45 Hektar verloren, so Lenz.

„Das entspricht in etwa der Fläche eines gesamten landwirtschaftlichen Betriebs.“