Mit dem Ford "Eifel" durch Bleialf

Mit dem Ford "Eifel" durch Bleialf

PRÜM. (gel) Vom amerikanischen Präsidenten Georg "Doubledoof" Busch über Oliver Kahn ("was interessiert mich, mit wem der fremd geht") bis hin zum ADAC ("das Zentralorgan der deutschen Beschleuniger"): Die Vollblutkabarettisten Jürgen Becker und Didi Jünemann ließen kaum ein Thema während ihrer "Frühstückspause" aus. Dabei holte sich Becker kurz vor seinem Auftritt noch den kirchlichen Segen ab.

Um 19 Uhr besuchte Becker die Messe in der Basilika ("So watt mach isch öfter mal vor 'nem Auftritt") und teilte seine Begeisterung über das Erlebte gleich zu Beginn des Abends in breitestem Kölsch mit: "Da sitz isch in der Basilika und plötzlisch greift der Pastor unter dat Pult, zieht ne Glampfe raus und spielt. Anschließend haben alle jeklatscht. Un datt in 'ner katholischen Kirsch. Dat könnt isch mir in Kölle jar net vorstellen, bei unserem ‚Hassprediger Kanal Meißner." Sei's drumm. Während Becker in der Basilka weilte, nutzte Jünemann (ehemaliger Sonderschullehrer) die kurze Zeit vor dem Auftritt, um bei Tante Gretchen in Prüm vorbeizuschauen. Durch diese verwandschaftlichen Verhältnisse war er nicht zum ersten Mal in der Waldstadt. Und Becker, dessen Großvater übrigens in Salmrohr lebte, war auch schon mindestens vier Mal in Prüm. So ist es wohl zu erklären, dass er hier einen Freund namens "Alf" hat. "Der fährt immer wie ne Sau dursch die Eifel, den nennen wir alle nur noch Blei-Alf, ließ er die mehr als 500 Gäste in der prall gefüllten Aula der Prümer Hauptschule wissen. Neu war den meisten wohl auch, dass es neben dem berühmten Ford "Taunus" auch mal einen Ford "Rheinland" und einen Ford "Eifel" gab. Letzterer zeichnete sich vor allen Dingen durch ein außergewöhnliches Ausstattungsmerkmal aus: "Der hatte an der Wetterseite serienmäßisch eine Eternit-Verkleidung." Gesprächsstoff während der ungewöhnlichen "Frühstückspause" war auch die Schulzeit: "Das ist ja heute alles ganz anders, als zu unseren Zeiten", sagt Didi Jünemann zu Becker. Der konterte: "Ja, ja, guck dir doch mal an, wie dick die alle sind. In NRW soll datt Schulljeld demnächst nach dem Jewischt der Schüler berechnet werden." Selbst vor sensiblen Themen machten die beiden nicht Halt. Für Becker ist beispielsweise die Burka (Umhang muslimischer Frauen mit Netzgewebe vor den Augen) "ein äußerst geeignetes Mittel für Menschen mit Problemhaut, ihre Akne zu verdecken." Johlen, Pfeifen und Beifall, als Jürgen Becker zum Ende des Programms mit seinen Markenzeichen die Bühne betritt: Dicke Hornbrille, Narrenkappe mit Hirschgeweih und dazu eine grüne Lodenjacke im Jäger-Look mit zahlreichen Ehrennadeln. Diesmal hat er es auf die Protestanten abgesehen und singt als Kind des erzkatholischen Kölns das Lied mit dem Refrain "Watt bin isch so froh, das isch nischt evanjelisch bin." Nach dem verstummten Applaus die Frage ans Publikum: "Wollt ihr 'n Kölsch trinken?" "Ja", hallt es im Kollektiv und noch ehe die Besucher realisiert haben, was los ist, steht der Kabarettist mitten unter ihnen und verteilt fleißig Freibier aus Köln. So lange, bis er in einer Traube aus Menschen steht, die ihm zuprosten und Autogramme wollen. Die nächste Kabarettveranstaltung des Geschichtsvereins am 25. Oktober mit Gerd Dudenhöfer ist ausverkauft.