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Mit dem Pinguin gegen die Datenkraken

Mit dem Pinguin gegen die Datenkraken

Computer werden mit Systemen von Microsoft oder Apple gesteuert. Alle? Nicht alle. Eine Gruppe von Eifelern setzt auf das Betriebssystem Linux. Beim Stammtisch, in Gruppentreffen und im Internet geben die Schneifeltuxe bereitwillig Auskunft und bieten Hilfe beim Umrüsten - auch für Laien.

Plütscheid. Computerviren, Datenkraken, Hackerangriffe, NSA-Spionage - nervenschwachen Computernutzern bereiten diese Schlagwörter mitunter schlaflose Nächte. Regelmäßig geistern neue Hiobsbotschaften von Sicherheitslücken in Computerprogrammen durch die Nachrichten. Meist stehen sie im Zusammenhang mit weltweit operierenden Unternehmen wie beispielsweise Microsoft, also Firmen, die ein Quasimonopol besitzen. Viele Nutzer jammern über die Risiken, doch nur wenige tun etwas für ihre eigene digitale Sicherheit. Dabei ist die sichere Nutzung eines Computers so einfach: Man muss sich nur dafür entscheiden. Zu kompliziert? Zu wenig Ahnung vom Computer? Unzureichende Argumente - ist es doch unkomplizierter als gedacht. Und freundliche Helfer sind auch außerhalb des Internets im realen Leben leicht zu finden - auch mitten in der Eifel.

Die Lösung: Eine Gruppe von computerinteressierten Eifelern macht es vor: Sie nennt sich Schneifeltuxe, trifft sich einmal im Monat, um über eine Welt jenseits von Microsoft, Apple und Google zu plaudern. Es gibt sie nämlich, die anderen Möglichkeiten - man muss sie nur kennen und schließlich auch nutzen. Allen voran steht das freie Computersystem Linux, dessen Maskottchen Tux, ein kleiner Pinguin, Pate stand für den Namen der Schneifeltuxe.

Die Motivation: "Wenn ein großer Konzern 90 Prozent aller Computer mit seinen Programmen ausstattet, hat er die volle Kontrolle. Das kann einfach nicht gesund sein", sagt der Initiator der Gruppe, Karl-Heinz Heggen, beim Stammtischtreffen im Plütscheider Gasthof Geimer. Das amerikanische Unternehmen Microsoft habe beispielsweise genau diese Vormachtstellung, dabei könne man sich mit dem Betriebssystem Linux daraus befreien. Seit 1992 wird das Programm von Freiwilligen auf der ganzen Welt gemeinsam entwickelt. Einige Versionen werden von Softwareunternehmen vertrieben und verkauft, andere sind gratis und legal im Internet zu finden. "Für jeden Nutzer gibt es im Prinzip die richtige Version", sagt Heggen. Er selbst leitet eine Firma, die basierend auf Linux Kassenabrechnungssysteme für Ärzte entwickelt.
Überall in Deutschland gebe es Gruppen wie die Schneifeltuxe, erklärt er. In erster Linie stehe Linux natürlich im Vordergrund, doch gerade bei den monatlichen Stammtischen seien die Gesprächsthemen breiter aufgestellt. Es sei ohne weiteres möglich, den heimischen Computer so einzurichten, dass er ohne Programme auskomme, die ständig "nach Hause funken". "Wir wissen oft nicht, was der Computer für Informationen regelmäßig an die Hersteller schickt - dabei muss das wirklich nicht so sein", sagt Heggen.

Die Schneifeltuxe: Etwa 50 Laien, Profis und Gelegenheitsanwender verschiedensten Alters gehören zur Gruppe. "Beim Stammtisch sind wir meist zwischen acht und zwölf Leuten", sagt Heggen. Bewusst habe man sich gegen die Gründung eines Vereins entschieden: "Überall in Deutschland gibt es sogenannte Linux-User-Gruppen. Auch wenn es so klingen mag, man muss kein Fachmann sein, um zu uns zu kommen", betont er, denn neben Linux interessiere sich die Gruppe generell für alle sogenannte Open-Source-Software (Programme mit offener Quelle). Gemeint sind Programme, die ähnlich wie Linux, frei für jeden Anwender ohne Lizenzgebühren genutzt werden dürfen. "Wie man ein Schneifeltux wird? Im Grunde ganz einfach: Man kommt beim Stammtisch vorbei und hinterlässt seine E-Mail-Adresse", erklärt Heggen. "Das war es schon."

Das nächste Treffen: Neben dem lockeren Gespräch versuchen die Schneifeltuxe beim Stammtisch oder bei den Gruppentreffen jeweils ein Thema in Form eines Minivortrags detaillierter zu behandeln. Das kommende Treffen am Donnerstag, 6. März, ab 19.30 Uhr im Gasthaus Geimer in Plütscheid steht unter dem Motto: "Tuxens Tante". Geplant ist zu erklären, wie mit Linux ein Computer so ausgestattet werden kann, dass er eben von der Tante des kleinen Pinguins ohne Schwierigkeiten, ohne nennenswerte Computerkenntnisse und möglichst wartungsfrei genutzt werden kann.
schneifeltux.deExtra

Betriebssysteme sind Programme, die einen Computer steuern. Erst sie machen ihn für Anwender überhaupt benutzbar. Zunächst gab es nur Systeme, bei denen der Benutzer den Computer über die Eingabe von Text und Zahlen steuerte, seit den 1980er Jahren setzten sich Programme mit einer grafischen Oberfläche durch. Sie waren wesentlich leichter bedienbar und damit benutzerfreundlicher. Mit einem Marktanteil von etwa 90 Prozent dominiert die Firma Microsoft seit den 1990er Jahren mit ihrer Programmreihe Windows den Markt (Stand: Januar 2014). Ihr folgt mit etwas mehr als sieben Prozent Marktanteil das Programm Mac OS X der Firma Apple. Das freie Betriebssystem Linux wird nur auf etwa einem Prozent aller Anwendercomputer betrieben. affExtra

Mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent dominieren die Windows-Betriebssysteme von Microsoft den Anwendermarkt. Aus verschiedenen Gründen stehen sie immer wieder in der Kritik. Microsoft nutze seine Quasimonopolstellung aus, lautet einer der Vorwürfe. 1992 veröffentlichte der Finne Linus Torvald unter einer freien Lizenz seinen Gegenentwurf - das Betriebssystem Linux. Es wird seitdem von Programmierern auf der ganzen Welt weiterentwickelt und verschiedenen Zwecken angepasst. Auf herkömmlichen PCs ist es bis heute ein Exot (siehe Extra), auf Großcomputern und in Netzwerken wird es aber wegen seiner offenen Struktur und Anpassbarkeit sehr häufig verwendet. Auch in Kleinelektronik wie Navigationsgeräten oder Geräten für Fernsehsatellitenempfang wird es häufig genutzt. Vier von fünf im dritten Quartal 2013 ausgelieferten Smarttelefonen wurden mittlerweile mit einer Variante von Linux - dem Programm Android - ausgestattet. aff