Mit dem Staubsauger in die Krone

Schädlingsbekämpfung : Mit dem Staubsauger in die Krone

Entlang des Nimstal-Radwegs wurden in den vergangenen Tagen unzählige Nester des Eichenprozessionsspinners entfernt. Der Falter ist im Raupenstadium für Mensch und Tier gefährlich. Bei Kontakt kann es zu gefährlichen Reaktionen kommen.

Die Unterhaltung mit Raimund Zink gestaltet sich etwas mühsam. Was daran liegt, dass er einen Schutzanzug samt Vollmaske mit integriertem Atemschutz trägt.  Der Kontakt mit den Tieren, die er und sein Kollege bekämpfen, kann im Extremfall zu einem allergischen Schock führen. Und das wollen beide um jeden Preis vermeiden. Die Männer der Firma Seil und Beil aus Beuren entfernen die Raupen und Gespinste des Eichenprozessionsspinners entlang des Nimstal-Radwegs zwischen Wolsfeld und Bitburg. Im ersten Schritt sind sie die betroffenen Abschnitte abgegangen, haben in den Bäumen noch Nestern Ausschau gehalten und dann die Stellen entsprechend markiert.

Wobei das gar nicht so einfach ist, wie Zink erklärt. „Je nachdem, wie der Lichteinfall ist, lassen sich die Gespinste nicht immer direkt erkennen“, sagt er, während sein Kollege in gut zehn Metern Höhe auf einer Hebebühne steht und versucht, mit der Plattform so nah wie möglich an eines der Nester zu kommen.

Mit einem Industriestaubsauger, an dessen Schlauchende ein langes Rohr befestigt ist, zielt der Mann auf das mit Raupen prall gefüllte Gespinst, das an einer Astgabelung hängt. Das Nest löst sich trotz hoher Saugkraft nur mühsam von der Eichenrinde. Nach einer Weile aber hängt das Gespinst wie ein zusammengestülptes Paar dicker Wandersocken am Saugrohr. Vorsichtig zieht der Schädlingsbekämpfer das Rohr mit der Beute zurück, stülpt dann eine Plastiktüte um das Gespinst, verknotet diese und wirft sie in einen Müllsack, der an der Hebebühne befestigt ist. „Die Säcke müssen nachher in der Müllverbrennungsanlage in Saarbrücken entsorgt werden“, sagt Zink.

Deutlich näher natürlich sei die Anlage zur Tierkörperbeseitigung in Rivenich, fügt er hinzu. Dort aber könnten die Raupen nicht entsorgt werden, weil sie ja in Plastiktüten eingepackt seien, so Zink. Dann setzt sich die Hubplattform in Bewegung. Nur ein paar Bäume weiter hängt ein weiterer Raupensack.

In den Gespinsten entwickeln sich die Raupen, aus denen später Falter werden. Foto: Uwe Hentschel

Auftraggeber der Maßnahme ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein. Außer dem Radweg-Abschnitt sind auch noch zwei Parkplätze entlang der B50 betroffen. Auch dort kommt der Staubsauger zum Einsatz. Wie Jürgen Schäfer, zuständiger Mitarbeiter des LBM, erklärt, seien solche Aktionen aber die Ausnahme. „In der Vergangenheit haben wir nie etwas beseitigen müssen“, sagt er. Weil aber der Radweg und die Parkplätze „sensible Bereiche“ seien, habe der LBM nach Feststellung des Befalls Handlungsbedarf gesehen. Da der Eichenprozessionsspinner, aus dessen Raupen später Nachtfalter werden, warmes und trockenes Klima bevorzugt, stößt er nach dem trockenen Sommer des Vorjahres und dem bislang ebenfalls trocken-heißen Sommer 2019 auf ideale Bedingungen. Zumal die von Trockenheitsstress geplagten Bäume ohnehin bereits geschwächt sind. Grund zur Panik sieht Martin Lotze vom Forstamt Bitburg derzeit aber nicht. „Problematisch ist es nur dort, wo sich viele Menschen aufhalten“, sagt Lotze. Im Wirtschaftswald werde entsprechend aufgepasst. Wobei der Eichenprozessionsspinner ja auch nichts Neues sei, wie der Förster betont. „Er taucht halt eben jetzt nur verstärkt auf, und damit muss man dann eben entsprechend umgehen.“ Ansonsten aber, so Lotze, sei die Situation im Bitburger Raum derzeit noch recht entspannt.

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