Mit den Waffen der Kunst

Prüms Beitrag zum Tag der Deutschen Einheit ist ein Konzert für den Frieden. Der Kammerchor Westeifel und die Junge Philharmonie Bonn unter der Leitung von Regionalkantor Christoph Schömig boten 420 Besuchern in der Basilika eine bewegende Aufführung von Karl Jenkins Messe "The Armed Man".

Prüm. Zur Basilika führt kein direkter Weg durch die Baustelle auf dem Hahnplatz, die Besucher müssen links und rechts der aufgerissenen Fläche auf Umwegen zum Konzert gelangen. Trotz des Dauernieselregens am ersten Oktobersonntag kommen 420 Menschen, zusätzliche Stühle werden seitlich der Kirchenbänke aufgestellt, damit jeder Besucher einen Sitzplatz findet.
In dem Augenblick, als die ersten sphärischen Töne des "Agnus Dei" des amerikanischen Komponisten Samuel Barber erklingen, nimmt Christoph Schömig die Zuhörer mit auf eine Reise, die 90 Minuten spannend, bedrohlich, ergreifend ist und schließlich versöhnlich endet. Bereits bevor Karl Jenkins' Friedensmesse "The Armed Man" ansetzt, schaffen der Westeifelchor und Schömig mit der Improvisation über "Da pacem Domine" eine einzigartige Stimmung in der Basilika, die dank Phasenverschiebungen und individuellem Gesangstempo der im Kirchenraum verteilten Sängerinnen einen Klangteppich webt, der Gänsehaut erzeugt.
Perfektes Zusammenspiel

 Der Kammerchor Westeifel.
Der Kammerchor Westeifel. Foto: (e_pruem )


Es ist eine perfekte Vorbereitung auf das, was der Kammerchor Westeifel, die Junge Philharmonie Bonn und der Regionalkantor aus dem Werk des 1944 geborenen Walisers Jenkins herausholen.
Jenkins hat in seinem Schaffen etliche musikalische Grenzen niedergerissen, er ist sowohl Jazzmusiker als auch Komponist geistlicher Chormusik, hat Film- und Fernsehmusik verfasst und kennt keine Scheu, sich aus diversen Quellen der Musikgeschichte zu bedienen. "The Armed Man" ist eine Auftragsarbeit ausgerechnet des britischen Waffenmuseums "Royal Armoury" zur Jahrtausendfeier. Karl Jenkins widmete seine Friedensmesse den Opfern des Kosovo-Krieges von 1999.
Auch hier bedient sich der Komponist verschiedener historischer und religiöser Texte und vermengt musikalische Sparten, um die Schrecken des Krieges zu zeichnen. Und nicht nur das: Jenkins fügt den stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten eines Chors noch einige lautmalerische hinzu und lässt ihn als die Menschenmenge agieren, die er ja ist.
Es wird marschiert, geschrien, gemurmelt und gestöhnt. Zwischen wunderschön gesungenen Soli von Eva-Maria Wenz, Ellen Höfer und Harald Thome und den Passagen, in denen der Kammerchor Westeifel perfekte Vierstimmigkeit demonstriert, erklingt plötzlich der Gebetsruf eines Muezzin, den Ibrahim Gezer von der Empore herab erklingen lässt. Und in der Stille nach der Schlacht das traurige Hornsignal "The Last Post", das der Hornist der Jungen Philharmonie, für die Zuschauer unsichtbar, aus der Ferne intoniert.
Es ist im besten Sinne des Wortes großes Kopfkino, das Schömig, der Kammerchor und die Jungen Philharmoniker in der Basilika entfalten.
Zum Dank gibt es minutenlang stehende Ovationen des Publikums nach dem letzten, hoffnungsvollen Stück der Friedensmesse. Darin herrscht ein Satz vor, der mit seiner glasklaren Logik Kriege verhindern könnte - falls er Gehör findet: Better is peace than always war - Frieden ist besser als ständiger Krieg.