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Mit der Keule gegen die Staude

BITBURG. Dem sich immer weiter ausbreitenden Riesenbärenklau will der Landkreis Bitburg-Prüm zu Leibe rücken. In einer ersten Phase sollen die Pflanzen an den Ufern der Prüm bekämpft werden. ARRAY(0xd100d78)

Mit Ausgraben und Abhacken kommt man beim Riesenbärenklau nicht so recht weiter. Das sagt Michael Billen, Erster Kreisbeigeordneter, und viele Experten stimmen ihm zu. Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum, siehe Extra), auch bekannt als Herkulesstaude oder Herkuleskraut, breitet sich immer weiter aus und wird zunehmend zum Problem. "Besonders betroffen sind die Flusstäler", sagt Otmar Pauly, von der Unteren Wasserbehörde für den Landkreis Bitburg-Prüm. Einwanderer aus der russischen Steppe

Die Riesenbärenklau-Pflanzen stellen gleich aus mehreren Gründen eine Gefahr dar. Allein der Kontakt mit Pflanzenteilen reicht aus, um beim Menschen schwere Verbrennungen auszulösen. Aber nicht nur die Gesundheit von Mensch und Tier leidet unter dem Einwanderer aus der russischen Steppe. Auch die Flussufer werden von der Pflanze geschädigt. "Der Riesenbärenklau wächst alles kaputt", sagt Pauly. Folge dieses Verdrängungswettbewerbs: Nur noch eine Pflanzenart - der Riesenbärenklau - wächst in einzelnen Uferabschnitten. Und die Wurzeln dieser Pflanzenart können das Erdreich nicht festhalten,. Beim nächsten Hochwasser wird dann das Erdreich an den Flussrändern fortgeschwemmt. Das sich die bis zu 3,50 Meter hohen Pflanzen besonders gut entlang der Flüsse und Bäche ausbreiten, liegt an der Schwimmfähigkeit der Samen. Von den Rändern der Gewässer aus werden dann Standorte besiedelt. "Am stärksten betroffen ist das Kyllufer", sagt Michael Billen. Das hat eine Recherche der Verbandsgemeinden und der Ortsgemeinden im Landkreis sowie der Stadt Bitburg ergeben. Auch die Forstverwaltung sowie der Landesbetrieb Straßen und Verkehr sind in die Vorbereitungen einbezogen worden. Danach gibt es bisher nur in der VG Irrel noch keine Riesenbärenklau-Bestände. Logisch wäre angesichts der Meldungen, vordringlich entlang der Kyll der Pflanze den Kampf anzusagen. Dazu müsste aber auch der Landkreis Daun bei dieser Aktion mitmachen. Denn von dort kommt der Fluss, der an der deutsch-belgischen Grenze bei Losheimergraben entspringt. "Und es hat keinen Wert, wenn wir in unserem Bereich etwas gegen den Riesenbärenklau tun, von Daun aus jedoch immer neuer Samen nachkommt", sagt Billen. "Die Dauner Kreisverwaltung hat aber mitgeteilt, dass sie keine Mittel für die Bekämpfung bereitstellen kann", sagt der Bitburg-Prümer Kreisbeigeordnete. In einem ersten Schritt soll deshalb die eingewanderte Pflanze entlang der Prüm bekämpft werden. Die entspringt im Landkreis Bitburg-Prüm und mündet auch innerhalb des Kreisgebiets in die Sauer. Da die mechanische Bekämpfung sich auf großen Flächen als nicht praktikabel erwiesen hat, soll die chemische Keule helfen. Mittels Dortstreichgerät soll gezielt ein entsprechendes Unkrautvernichtungsmittel auf die Pflanzen aufgebracht werden. Das geht aber nicht ohne vorherige Genehmigung. Michael Billen kann sich vorstellen, dass diese Arbeit von angeworbenen und angelernten Beziehern von Arbeitslosengeld II vorgenommen werden könnte. Dadurch entstünden dem Landkreis keine Personalkosten. Das Geld für das Unkrautvernichtungsmittel und die Dortstreichgeräte soll hingegen vom Landkreis kommen. Die Kolonnen hätten dann einen krisensicheren Job. "Es reicht nicht, die Pflanzen nur einmal zu bestreichen", sagt Billen. Der Kampf gegen die Herkulesstaude dauere Jahre. Frühestens im kommenden Jahr könnten die Bekämpfungstrupps loslegen. Am besten kann den ein- bis dreijährigen Pflanzen nach dem Austrieb im Frühjahr der Garaus gemacht werden.