Mit Elektrokraft über die Eifeler Berge

Mit Elektrokraft über die Eifeler Berge

Mit Elektrokraft durch die Eifel? Deutschlandweit brummt der Markt mit den Elektrofahrrädern, sogenannten Pedelecs. Auch immer mehr Ferienregionen setzen auf dieses Angebot und bauen Verleihstationen aus. In der Eifel will man auf diesen Zug aufspringen, auch wenn so mancher Gastgeber noch skeptisch ist.

Weite Höhen, tiefe Täler, steile Hänge - was die Eifel zwischen Dasburg und Stadtkyll landschaftlich so reizvoll macht, ist für die meisten Fahrradfahrer eher unerfreulich. Dennoch setzen die Touristiker verstärkt auf diese Klientel, neben dem Wandern ist das Radfahren einer der Schwerpunkte in der Vermarktungsstrategie der Eifel. In den vergangenen Jahren ist ein umfassendes Netz an Radwegen - mal durch Flusstäler, mal auf ehemaligen Bahnstrecken - ausgebaut worden. Doch nicht immer lassen sich Anstiege vermeiden, die Eifel bleibt ein Mittelgebirge.
Die Berge einebnen - das versprechen hingegen die sogenannten Pedelecs, auch E-Bikes genannt. Das sind Fahrräder, bei denen der Radler mit einem eingebauten Elektromotor beim Treten unterstützt wird - steilere Passagen sind so kein Problem mehr. Dieser Markt wächst derzeit rasant. Nach Angaben des Zweiradindustrieverbands (ZIV) wurden 2010 in Deutschland 200 000 E-Bikes verkauft. 2007 waren es erst 70 000.
Immer mehr Ferienregionen in Deutschland setzen auf diese Pedelecs, um auch nicht ganz so sportlichen Gästen die Möglichkeit zu bieten, die Landschaft mit dem Fahrrad zu erkunden - beispielsweise das Allgäu. Auch in der Eifel will man diesen Zug nicht verpassen. "Das ist definitiv ein Thema", sagt Uschi Regh von der Eifel-Tourismus GmbH. Radfahren werde so wieder für Gäste attraktiv, denen die Eifel sonst zu hügelig sei. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist man dabei, ein Netz an Verleih- und Akkuwechselstationen aufzubauen, sagt Maria Arvanitis, Leiterin der Tourist-Information Bitburger und Speicherer Land. Wenn diese Vorarbeiten abgeschlossen sind, soll die Vermarktung intensiviert werden und die Gäste sollen mit einer Broschüre informiert werden.
Mancherorts sind die E-Bikes schon im Einsatz. "Das wird auf jeden Fall angenommen, die Tendenz ist steigend", sagt Daniele Haas, Inhaberin des Hotels "Goldener Stern" in Prüm. Seit drei Jahren hat sie die E-Bikes im Angebot. "Mittlerweile bekomme ich auch gezielte Anfragen." Denn, so ihre Einschätzung, "die E-Bikes verlieren ihren angestaubten Charakter. Es gibt ja mittlerweile auch E-Mountainbikes." Wenn dann sogar die Jüngeren auf den Rädern unterwegs seien, verlören auch die Älteren ihre Hemmungen. Genau diese Vorbehalte seien oft noch ein Problem, sagt Martina Berg vom Vulkanhotel Steffelberg in Steffeln: "Viele trauen sich da nicht ran. Aber wer einmal eins hatte, will es immer wieder haben." Denn die Räder seien eine tolle Sache: Man habe viel Bewegung und trotzdem noch genug Luft, sich die Landschaft anzuschauen.
Im Campingpark am Kronenburger See hat man die E-Bikes im ersten Jahr im Angebot. "Der Renner ist es noch nicht", sagt Helmut Schreiner. Noch sei es aber zu früh, die Saison zu bewerten, weil in Nordrhein-Westfalen die Ferien noch nicht begonnen hätten. "Wir müssen mal schauen, was dieses Jahr noch kommt."Meinung

Ideale Ergänzung im Angebot
Eine hügelige, aber traumhaft schöne Landschaft, viele Radwege und viel Natur: Die Grundbedingungen für den Radtourismus in der Eifel sind hervorragend. Um aber noch weiter an die Spitze der Fahrradregionen in Deutschland aufzusteigen und sich im Konkurrenzkampf mit anderen Regionen zu behaupten, bedarf es weiterer Anstrengungen. Zum einen muss die passende Infrastruktur mit fahrradfreundlichen Hotels und Angeboten entlang der Wege ausgebaut werden. Zum anderen tut man gut daran, das Angebot von E-Bikes weiter auszubauen und ein flächendeckendes Netz zu schaffen. Gerade für die Eifel als Mittelgebirge sind sie eine ideale Ergänzung. Ob ältere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern - mit der Unterstützung eines Elektromotors sind Anstiege kein Problem. Von daher wäre es fahrlässig, wenn man diesen Trend an sich vorbeirauschen lässt. c.brunker@volksfreund.de

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