1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Mit Fotofallen auf Wildkatzen-Jagd

Mit Fotofallen auf Wildkatzen-Jagd

Sie gehört zu den seltensten Säugetierarten in Mitteleuropa - doch in den Westwall-Bunkerruinen des Ourtals fühlt sie sich offenbar durchaus heimisch: Mit Hilfe von Fotofallen und genetischen Untersuchungen sind Naturschützer dort der Wildkatze auf die Schliche gekommen, von der es deutschlandweit nur noch bis zu 500 Exemplare geben soll.

Körperich. Die größte Gefahr für die Wildkatze ist und bleibt der Mensch. Zum einen, wenn er Pilze suchend durch die Wälder streift und dabei die Tiere verscheucht, vor allem aber in seiner Eigenschaft als Autofahrer. "Die Straßen zerschneiden die Landschaft, und deshalb ist der Biotopverbund so wichtig", sagt Simone Schneider, Leiterin des BUND-Projekts Grüner Wall im Westen. BUND steht für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Und dass ausgerechnet die militärischen Anlagen des Westwalls, die Hitler im Vorfeld und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs errichten ließ (siehe Extra), für Naturschützer irgendwann von großer Bedeutung sein könnten, damit hatte von den Verantwortlichen im Nationalsozialismus sicher keiner gerechnet.
"Die Bunkerruinen des Westwalls, die sich wie eine Perlenschnur durch die Landschaft ziehen, dienen den Wildkatzen als Ersatzlebensraum", sagt Schneider. Denn dort ist es meist trocken und im Winter etwas wärmer. Darum nutzen die Tiere die Betonanlagen auch nicht nur als Unterschlupf, sondern mitunter auch für die Aufzucht ihrer Jungen.
Dass dies der Fall ist, wurde bereits seit längerem vermutet, doch seitdem der BUND-Landeverband gemeinsam mit der Kreisgruppe Bitburg-Prüm vor knapp einem Jahr damit begonnen hat, Fotofallen aufzustellen, haben die Naturschützer absolute Gewissheit.
Diese Fotofallen, die im Ourtal an insgesamt vier Bunkern installiert sind, werden über Infrarot-Sensoren ausgelöst. Nähert sich also ein Tier dem Sensor, beginnt der Apparat zu filmen. Die Kamera sei so eingestellt, dass jeweils 15 Sekunden gefilmt werde, sagt Hubertus Becker von der BUND-Kreisgruppe, der dieses Tiermonitoring betreut. Jede Woche fährt er zu den Bunkeranlagen, um die digitalen Speicherkarten der Fotofallen auszutauschen. Danach werden die Kurzfilme gesichtet.
Manchmal ist ein Fuchs zu sehen, hin und wieder ein Dachs, ein Wildschwein oder ein Marder, aber manchmal auch eine Wildkatze. Dass es sich dabei dann nicht um eine verirrte Hauskatze handelt, erkennt Becker an den typischen Merkmalen der Wildkatze. Das davon auffälligste ist der buschige Schwanz mit seinen dunklen Ringen und der ebenfalls dunklen Spitze.
Doch die Bilder allein sind nicht der einzige Nachweis. Denn Becker sammelt auch genetische Spuren der Katze - und zwar mit Hilfe der sogenannten Lockstock-Methode. Becker verwendet dafür ein Stück Dachlatte, dass im Eingangsbereich des Bunkers senkrecht in der Erde steht und an dessen oberen Ende ein mit Baldrian gefüllter Nylonstrumpf befestigt ist.
Kommt die Wildkatze in die unmittelbare Nähe des Lockstocks, riecht sie den Baldrian. Und weil Katzen eine Schwäche für das Kraut haben, fangen sie an, sich an dem Stock zu reiben. Dabei verlieren sie Haare, die Becker dann bei seiner wöchentlichen Kontrolle mit der Pinzette einsammelt. Diese Haare kommen ins Labor, wo dann das Vorkommen der Wildkatze schließlich auch genetisch nachgewiesen werden kann.
Wie viele Wildkatzen es in Deutschland gibt, lässt sich nicht genau sagen. Der BUND schätzt den Bestand auf 1500 bis 5000 Tiere, von denen wiederum allein etwa 1000 bis 3000 in Rheinland-Pfalz leben sollen. Die Wanderausstellung "Grüner Wall im Westen", die sich mit der Bedeutung der alten Bunkeranlagen für die Tier-, aber auch für die Pflanzenwelt beschäftigt, ist derzeit bis einschließlich 2. Dezember in Prüm zu sehen. Veranstaltungsort ist die Infostätte Mensch und Natur des Naturparks Nordeifel, Tiergartenstraße 70.
Extra

Die Europäische Wildkatze war in vorgeschichtlicher Zeit in Europa bis auf Skandinavien, Irland und Nordosteuropa weit verbreitet. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts rückte sie ins Blickfeld der Jäger. Die Verfolgung der als Jagdschädling abgestempelten Wildkatze führte dazu, dass sie um 1900 regional fast ausgerottet war. Inzwischen steht sie unter Artenschutz. uheExtra

Der Westwall ist ein 630 Kilometer langes militärisches Bauwerk, das zwischen 1936 und 1940 auf Anordnung Adolf Hitlers entlang der Westgrenze des damaligen Deutschen Reiches gebaut wurde. Offiziell wurde der Bau damit damit begründet, Deutschland brauche Sperranlagen gegen einen Angriff aus Richtung Frankreich. Der Westwall wurde militärisch aber nie wirklich auf die Probe gestellt. Der Westwall, der auch unter dem Namen "Siegfried-Linie" bekannt ist, verlief von Kleve an der niederländischen Grenze in Richtung Süden bis nach Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze und bestand aus rund 20000 Bunkern, Stollen und sonstigen Betonbauwerken sowie einer 260 Kilometer langen ebenfalls betonierten Höckerlinie, die als Panzersperre dienen sollte. uhe