Mit Mauern, Pumpen oder Kurbelradios

Umwelt : Mit Mauern, Pumpen oder Kurbelradios

Beim TV-Forum „Starkregen und Katastrophenvorsorge“ erklären Experten, wie sich Gefährdete beim nächsten Unwetter schützen können. Landrat Joachim Streit nimmt den Gesetzgeber in die Pflicht.

Die Blicke waren starr auf Jürgen Larisch gerichtet. Der Kreisfeuerwehrinspekteur ließ noch einmal im Detail die Geschehnisse des Unwetters Anfang Juni Revue passieren: Die Fluten, der zwischenzeitlich befürchtete Bruch des Damms des Biburger Stausees, der Ausbruch eines Bären aus dem Eifelzoo und die befürchtete Flutwelle. Die Zuschauer schienen berührt, viele erinnerten sich ungern an die einem Katastrophenfilm ähnelnden Szenen, die sich in der Eifel abgespielt hatten.

Zu Forum „Starkregen und Katastrophenvorsorge“ mit Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Martin Angelmaier, Experte für Starkregen-Prävention aus Niederösterreich, die Professoren Markus Casper und Tobias Schütz von der Universität Trier, Landrat Joachim Streit und den Experten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Karl-Heinz Blaut lud der Trierische Volksfreund nach Oberkail ein. Das Forum moderierte TV-Redakteur Hans-Peter Linz.

Zunächst sprach Jürgen Larisch einen wichtigen Hinweis aus: „Bei einem Hochwassereignis sollten sie nicht direkt die Feuerwehr rufen. Auch während solcher Phasen gibt es akute Einsätze, die dann durch fehlendes Personal nicht primär behandelt werden können.“ Außerdem betonte er, dass mit hoher Priorität daran gearbeitet werde, die Region bei solchen Ereignissen zu schützen. Landrat Joachim Streit verwies auf die Eigenverantwortung der Bauherren: „Alle wollen unten in der Aue bauen, weil es dort so schön ist. Doch dort kann es dann auch nasse Füße geben.“ Zum Ende seines Beitrages forderte der Landrat eine Pflichtversicherung: „In anderen Ländern gibt es das bereits, doch in Deutschland wird damit argumentiert, dass das in die Eigentumsverhältnisse der Bürger eingreift.“

Auch Markus Casper von der Universität Trier ermunterte zu mehr Umsicht beim Hausbau. „Die Häuser, die vor 150 Jahren gebaut wurden, waren sicher.“ Viele heutige Konstruktionen – auch im Straßenbau – stünden im Widerspruch zu solchen Unwettern. „Diese Ereignisse wird es immer geben. Einige Straßendurchlässe sind jedoch nicht breit genug. Sie verhindern, dass das Wasser ordentlich abfließt.“ Außerdem könnten sich die gefährdeten Hausbesitzer mit drucksicheren Fenstern oder Tauchpumpen aushelfen. Solche Investitionen könnten „kurzfristg sehr sinnvoll“ sein.

Die mit Abstand weiteste Anreise bewältigte Martin Angelmaier aus Niederösterreich. Er berichtete von sehr ähnlichen Ereignissen in seiner Heimat und skizzierte Maßnahmen, die Österreich ergriffen hat: „Bei uns gibt es etwa eine Karte, die die Fließwege sichtbar macht, ein gemeinsames Beratungsangebot und Rückhaltebecken.“ Dennoch erklärte auch er, dass „solche Katastrophen nicht zu verhindern“ seien. Karl-Heinz Baut plädierte dafür, dass die Bürger „wüssen, wo sie gefährdet sind“. An diesen Stellen müssten sie angreifen und gezielte Maßnahmen einleiten. Diese könnten eine umfassende Abdichtung oder das Anlegen eines Vorrates an Trinkwasser sein. „Ich habe immer zehn Liter zu Hause“, sagte er. „Und ein Kurbelradio, mit dem ich im Notfall die Informationen empfangen kann.“ Die etwa 150 Zuschauern lachten, zu einfach klang dieser Vorschlag. Doch in solchen Fällen können auch die einfachsten Maßnahmen helfen.

Jürgen Larisch führte aus, dass bei einem Stromausfall nach 30 Minuten die Feuerwehrgerätehäuser offen seien und die Bürger zur Not ihre Autoradios zur Infomationsgewinnung  nutzen sollten.

Immer wieder meldeten sich Betroffene aus dem Publikum, die ihre persönlichen Probleme erklärten. So sei Viktoria Leitenberger aus Lünebach mit dem Fahrrad nach Pronsfeld gefahren, weil die örtliche Feuerwehr kein Aggregat gehabt habe um das Wasser in ihrem Keller abzupumpen. „Es ist nicht möglich, an allen Orten Aggregate zu haben“, erklärte Jürgen Larisch.

Laut Landrat Joachim Streit werde man allerdings 40 weitere Aggregate anschaffen. Auch Rudolf Kiefer aus Oberkail fragte nach Möglichkeiten, mit denen er sein in einer Senke liegendes Haus sichern könnte. „Sie werden immer ein Risiko haben bei ihrer Lage“, erklärte Tobias Schütz von der Universität Trier. „Da entsteht natürlich ein Aufwand. Möglichkeiten wären eine Mauer, Sandsäcke oder drucksichere Fenster.“

In Bezug auf die Mauer müsse man laut Joachim Streit jedoch vorsichtig sein, denn in Gewässernähe sei dies zunächst mit den Behörden abzusprechen. Außerdem sei die Zusammenarbeit auch über Kreisgrenzen hinweg wichtig. Viele Fälle seien jedoch Einzelfälle und müssten auch einzeln betrachtet werden. „Die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Unterstützen Sie weiterhin unsere ehrenamtlichen Helfer und werden Sie vielleicht auch Teil davon“, rief er auf.

Die Zuschauer des TV-Forums hören den Experten gespannt zu. Foto: TV/Christian Thome

Ein solcher Katastrophenfilm kann sich – auch in Orten, in denen man ihn nicht erwartet – jederzeit wieder abspielen. Es gilt nun die Grundsteine dafür zu legen, dass das Hab und Gut dann geschützt ist.

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