Mit Pflege allein ist es in den Streuobstwiesen der Naturparks Süd- und Nordeifel nicht getan

Biodiversität in der Eifel : Mit Pflege allein ist es in den Streuobstwiesen der Naturparks nicht getan

Die Naturparke Süd- und Nordeifel haben ein Streuobstbüro eingerichtet. Erklärtes Ziel der Einrichtung mit Sitz in Irrel ist neben dem Erhalt der Kulturlandschaft eine bessere Verwertung und Vermarktung des Streuobstes.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das Problem ist nur, dass er dort dann oft liegen bleibt. Ein Großteil der geschätzten 200.000 Hochstammobstbäume auf den Streuobstwiesen des Eifelkreises ist nämlich weitgehend sich selbst überlassen. Und das gilt eben nicht nur für den Schnitt und die Pflege der Bäume, sondern auch für die Verwertung des Obstes.

Die Naturparke Nord- und Südeifel haben das Problem längst erkannt und deshalb vor einigen Jahren die Initiative „Rettet die Streuobstwiesen!“ gestartet. In einem ersten Projekt, das von 2013 bis 2015 lief, konnten nach Angaben der beiden Einrichtungen immerhin 2000 Obstbäume durch fachgerechte Schnittpflege in einen vitalen Zustand zurückversetzt werden.

„Das Interesse an den Streuobstseminaren war enorm“, sagt Anne Derks, Geschäftsführerin des Naturparks Nordeifel. „Wir hatten drei Schnittkurse, die alle sehr schnell ausgebucht waren“, sagt Derks. Nur sei es mit dem Pflanzen und Pflegen der Bäume allein nicht getan.

Das meint auch Daniela Torgau. „Wenn wir die Streuobstwiesen dauerhaft retten wollen, müssen wir die gesamte Wertschöpfungskette bis zur Vermarktung im Blick haben“, sagt die Geschäftsführerin des Zweckverbands Naturpark Süd­eifel. Und um das zu erreichen, hätten die beiden Naturparke nun ein zweites Projekt gestartet, bei dem der Schwerpunkt stärker auf die Logistik gelegt werde.

„Erhalt durch Nutzung ist das A und O“, sagt Jürgen Lorenz vom Obstbau-Kompetenzzentrum des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz. „Wenn wir die Bäume nicht nutzen, werden wir die meisten in den nächsten 20 bis 30 Jahren verlieren“, ist Lorenz überzeugt. Es muss also etwas getan werden. Und hier kommt Holger Tülp ins Spiel.

Der Umweltwissenschaftler ist Leiter des Streuobstbüros, das kürzlich in der Irreler Geschäftsstelle des Naturparks Südeifel eingerichtet wurde. Tülp kümmert sich um alle Belange rund um das Streuobst und dabei vor allem auch um die Verwertung des Obstes.

„Im ersten Schritt geht es darum, die kleineren Stoffbesitzer zu mobilisieren“, erklärt er. Gemeint sind damit die privaten Streuobstwiesenbesitzer, die das Obst nicht selbst verwerten und unter Umständen auch gar keine Ahnung haben, was sie mit dem Ertrag der Bäume machen sollen.

„Wir schauen, wo es Keltermöglichkeiten gibt und wie es mit der Vergütung aussieht“, erklärt Tülp. Er könne sich auch vorstellen, ergänzend dazu Kelter-Events mit einer mobilen Saftpresse zu organisieren. Generell gehe es darum, die Dichte an Annahmestellen zu erhöhen.

Und um das Wissen, die Interessen, das Material und die Arbeitskräfte auf diesem Gebiet zu bündeln, sei zudem noch im weiteren Verlauf des Projekts die Einrichtung einer Online-Streuobstbörse geplant.

Woran es derzeit vor allem mangelt, sind laut Torgau und Derks fachkundige Berater auf diesem Gebiet. „Wir haben derzeit höchstens eine Hand voll Ansprechpartner“, sagt sie. Mit Hilfe eines Baumwart-Lehrgangs, der sich aus acht zweitägigen Seminarblöcken zusammensetzt, soll sich das ändern.

Der Kurs richtet sich an Personen, die sich für den Erhalt, die Pflege und die Nutzung der Streuobstwiesen einsetzen und dieses Wissen auch weitergeben wollen. „Das Schneiden der Obstbäume unterscheidet sich vom Schnitt anderer Bäume darin, dass man - ähnlich wie beim Schach - immer in drei Schnitten vorausdenken muss“, sagt Lorenz, der den Lehrgang koordiniert.

„Es ist durchaus möglich, einen Obstbaum 50 Jahre zu schneiden, ohne auch nur einmal einen Ertrag zu haben“, sagt Lorenz.

Ist Letzteres der Fall, erübrigt sich die Frage nach der Wertschöpfung von selbst. Genau das aber möchten die Initiatoren vermeiden. Zumal Torgau in der Verwertung des Streuobsts großes Potenzial sieht. Sie könnte sich vorstellen, die Früchte unter dem Dach der Regionalmarke Eifel zu vermarkten. „Gerade im benachbarten NRW und im Kölner Raum gibt es ein starkes Interesse an regionalen Produkten aus der Eifel“, sagt sie.

Der neue Streuobstberater Holger Tülp (links) setzt sich gemeinsam mit Anne Stollenwerk (Naturpark Nordeifel), Jürgen Lorenz (DLR Rheinpfalz) und Daniela Torgau (Naturpark Südeifel) für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Foto: Uwe Hentschel

„Ein Ergebnis des Projekts könnte durchaus auch sein, dass wir ein eigenes Produkt auf den Markt bringen.“

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