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Mit Rüdiger durch die Teufelsschlucht

Mit Rüdiger durch die Teufelsschlucht

Die Saison im Naturpark Teufelsschlucht bei Ernzen ist gestartet. Zeit für Rüdiger und seine Freunde, nach der langen Winterpause ihren Job als Wanderführer wieder aufzunehmen. Der TV hat die etwas andere Tour mit rund 20 Kindern und Erwachsenen begleitet und beobachtet, was die Wanderführer wirklich drauf haben.

Ernzen. Majestätisch steht Rüdiger auf einem wuchtigen Felsen und blickt hinunter auf die Felsenlandschaft des Naturparkzentrums Teufelsschlucht bei Ernzen. Neben ihm steht sein bester Kumpel Anton, gefolgt von Erbse, Emma, Pia und Paula. Die Sechs sind gefragte Wanderführer in der Teufelsschlucht. Gerade heute wieder sind sie unterwegs mit 16 Kindern und einigen Eltern. Doch auch ihren Zweitjob als Landschaftspfleger nehmen sie ernst. Ab dem Frühling halten sie nämlich die Hänge der Mindener Lay sauber, befreien sie von Unkraut und Buschbewuchs.
Eigentlich war Erbse die Chefin der Truppe. Seit sie wegen Krankheit einige Zeit ausfiel, führt Rüdiger die sechsköpfige Truppe an. Zwar ist Erbse immer noch Anführerin der vierköpfigen Damenriege, doch vor Rüdiger hat sie einen Heidenrespekt. Kein Wunder, der smarte Rüdiger ist stattlich und hat spitze Hörner.
Von wegen dumme Ziegen!


Wer sich jetzt fragt, ob er sich verlesen hat, liegt falsch. Hier geht es nämlich nicht um Menschen, sondern um eine Ziegenherde. Die lebt auf dem Gelände nahe des Besucherzentrums Teufelsschlucht. Gepflegt werden die gehörnten Zeitgenossen von Ziegen-Flüsterin Daniela Pesch. Sie hat die Tiere vor zwei Jahren in ganz Deutschland erstanden und alte, selten gewordene Haustierarten ausgewählt, die sich Thüringerwald-, Bündener Strahlen- und Toggenburger Ziegen nennen. "Das sind sehr robuste Arten, mit denen ganzjährige Weidehaltung funktioniert", so Pesch. Die Ziegen-Dompteurin ist auch bei der Wanderung mit den Vier- und Zweibeinern dabei. Vor der Tour schneidet sie konzentriert Möhren und Äpfel in dicke Stücke und verpackt sie in eine blaue Tupperdose. Warum sie das tut? Pesch lacht. Mit den Leckereien lockt sie die Ziegen aus dem Gehege. Schließlich sind die sechs Tiere die Stars der Ziegenwanderung durch die Teufelsschlucht. Die Tiere sind eigenwillig und clever und haben so garnichts von "dummen Zicken". "Ziegen sind lieb, aber sie sind keine Kuscheltiere", erklärt Pesch den Kindern. Deshalb gibt es klare Regeln. Weil die Tiere schreckhaft sind, soll niemand schnell auf sie zulaufen oder sie einkreisen. Das wecke ihren Fluchtinstinkt. "Außerdem mögen sie es nicht, wenn man sie an den Hörnern streichelt", sagt Pesch.
Nachdem jeder die Tiere füttern durfte, geht es los Richtung Teufelsschlucht. Drei Stunden sind für die Tour angesetzt. Der Star ist eindeutig Rüdiger, der als Einziger hellbraunes Fell hat. Der Chef-Ziegenbock hat sogar eine eigene Facebookseite, auf der er regelmäßig seine Abenteuer postet.
Die anderen Ziegen sind tief dunkelbraun. Ihr Alter: sieben Jahre. Ihre Milchzähne verlieren sie, bis sie fünf Jahre alt sind, lernen die Wanderer. Rüdiger und sein Kumpel Anton traben vorne weg. Lassen ab und zu kleine Hinterlassenschaften auf dem Weg zurück. Knabbern Zweige am Wegesrand. Klappert jemand mit der mit Leckereien gefüllten Dose, sind die Ziegen schnell wieder aufmerksam. Dann drängeln sie sich wieder an den Wanderern vorbei an die Spitze der Gruppe.
Rüdiger hat eine Facebookseite


Ein echter Höhepunkt ist der Weg durch die tiefe Felsspalte der Teufelsschlucht. Während die Kinder sich vorsichtig entlang des Geländers die glitschigen Stufen hinabtasten, hüpfen die Ziegen ganz locker den steilen Weg hinab. Dicke Felsen? Für Rüdiger und seine Herde kein Problem.
Wie Artisten turnen die sechs Ziegen auf den Felsbrocken herum, bringen die Kinder zum Staunen. Ganz spielerisch lernen die großen und kleinen Wanderer Geschichte und Besonderheiten der Landschaft kennen. Zum Beispiel, dass die Teufelsschlucht 28 Meter tief ist und vor 10 000 Jahren entstand. Die gegenüberliegenden Wände der Schlucht passen wie Puzzleteile zusammen. Was das bedeutet? Ganz klar, wissen die Kinder, Naturgewalten wie Eis und Wasser haben die Felsen gespalten.
Nach der langen Wanderung kommen alle müde, zufrieden und mit viel neuem Wissen am Ausgangspunkt Besucherzentrum an. Nicht nur den Kindern wie der achtjährigen Maren aus Hütterscheid hat der Ausflug gefallen, auch die Erwachsenen sind von den lustigen vierbeinigen Gesellen sichtlich angetan.
Die Wanderung ist nur eine von vielen Attraktionen im Park. "Renner unter den Touren sind die GPS-Rallye und die Abenteuerrallye Steinzeit", sagt Geschäftsführer Bruno Zwank. Die Saison habe gerade erst begonnen, sagt Zwank. Mithilfe des vom Land mit 55 000 Euro geförderten Projekts Attraktivierung Naturparkzentrum konnten jetzt besondere Bäume und Gesteine im Park beschildert werden. Neue Skulpturen für die Eingänge des Parks wurden errichtet. Und die Wildkräuterwerkstatt konnte gebaut werden. Das Thema Wildkräuter laufe gut. In der Werkstatt können Interessierte nicht nur einheimische Kräuter kennerlernen. Dort werden auch Kochkurse angeboten.
Bereits im kommenden Jahr könnte eine weitere Attraktion im Park dazukommen. Was genau das sein wird, will Zwank aber noch nicht verraten.Extra

Den Naturpark Südeifel gibt es seit 1965. Der Park ist sechs Hektar groß. Jährlich wandern rund 150 000 Besucher durch die Teufelsschlucht. Ins Besucherzentrum kamen 2013 50 000 Wanderer (1998 waren es 15 000). An den jährlich 250 Naturerlebnisangeboten nehmen rund 8000 Gäste teil. Um den reibungslosen Ablauf im Naturpark zu gewährleisten, arbeiten dort vier Festangestellte, zehn Minijobber und bis zu acht freie Mitarbeiter. Der Park finanziert sich zum einen durch eigene Umsatzerlöse in Höhe von 195 000 Euro, Zuschüsse der Verbandsgemeinde Irrel von 275 000 Euro, des Eifelkreises von 20 000 Euro und Spenden von 10 000 Euro. Infos auf www.teufelsschlucht.de, Rüdiger postet auf facebook.com/ruediger.teufelsschlucht MRA