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Mit weniger Geld viel erreicht

Mit weniger Geld viel erreicht

Obwohl deutlich weniger Mittel zur Verfügung standen als erwartet, zieht der Naturpark Nordeifel in seinem Jahresbericht 2014 eine positive Bilanz. Die neue Geschäftsführerin Anne Stollenwerk hofft, viele nun auslaufende Projekte demnächst weiterführen zu können.

Prüm. Die Natur pflegen, die Jugend bilden und den Tourismus umweltnah fördern - der Verein Naturpark Nordeifel hat in jedem seiner bisher 55 Jahren viel Programm abgearbeitet (siehe Extra). Auch in den vergangenen zwölf Monaten hielten die selbstgesteckten Ziele die Mitarbeiter auf Trab - und das grenzüberschreitend in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im Gebiet der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. In der Prümer Geschäftsstelle des rheinland-pfälzischen Vereinsteils wurde jetzt der aktuelle Jahresbericht 2014 vorgestellt.

Die schlechte Nachricht zuerst: "Für Rheinland-Pfalz kann ich nur anmerken, dass wir finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet sind. Umso mehr muss man aber die geleistete Arbeit loben", sagt Aloysius Söhngen, stellvertretender Vorsitzender des Naturparks Nordeifel. Zusammen mit dem Naturpark-Vorsitzenden Günter Schumacher, der rheinland-pfälzischen Geschäftsführerin Anne Stollenwerk und ihrem Mitarbeiter Ulrich Klinkhammer zog Söhngen Bilanz.
Hüben wie drüben investierte der Verein im Naturpark rund eine Millionen Euro - 87 000 Euro muss die Prümer Geschäftsstelle für ihre direkten Ausgaben beisteuern.

"In Rheinland-Pfalz müssen alle Naturparke ein Handlungsprogramm aufstellen, um Fördermittel beantragen zu können. Landesweit wurden aber die Mittel gekürzt. Das heißt für uns: 148 000 Euro wurden beantragt, nur 68 800 Euro vom Land bewilligt", sagt Söhngen. Mit diesem Geld werde die Institution selber gefördert - sprich die Bezahlung der Mitarbeiter. "Das gibt Stabilität und ist auch gut so", sagt Söhngen, man hoffe aber, demnächst mehr der im Handlungsprogramm eingeplanten Projekte umsetzen zu können.
Auch wenn aus Mainz nicht soviel Geld floss wie gehofft, die Rheinland-Pfälzer haben trotz knappem Budgets wieder einiges geleistet.

Neben der Umweltbildung an Schulen und zwei Aktionen, die sich mit der Erfassung von Quellen für den Gewässerschutz befassten, war es besonders das Projekt "Rettet die Streuobstwiesen", das begeistern konnte. Es sei ziemlich erfolgreich gelaufen, sagt Anne Stollenwerk.
Gemeinsam mit den Kollegen vom Naturpark Südeifel habe man von Oktober 2014 bis Ende Juni mit Schnittaktionen und -kursen für die Erhaltung der Eifeler Obstwiesen gekämpft (der TV berichtete). Das Projekt wurde mit Mitteln des Eifelkreises Bitburg-Prüm und durch das europäische Leaderprogramm finanziert. Das Budget im Naturpark Nordeifel: 180 000 Euro.
Überhaupt wurde im Naturpark Nordeifel wieder viel geschnitten und gepflanzt: Neben 42 Kilometern an Hecken, die in 36 Orten der Verbandsgemeinden Obere Kyll und Prüm instand gesetzt wurden, setzten die Naturschützer Laubbäume in Neuendorf, entbuschten mit Jugendlichen gemeinsam überwucherte Wiesen im Vulkangarten Steffeln und bekämpften die Ausbreitung der giftigen, in die Eifel eingewanderte Herkulesstaude. "Es läuft viel Arbeit im Stillen und fast Verborgenen. Bei allen ehrenamtlichen Helfern können wir uns nicht oft genug bedanken."
Auch touristisch ist der Park weiterhin aktiv - baut und betreut in Kooperation mit dem Eifelverein Wanderwege und errichtet "Eifel-Blicke" an besonders schönen Aussichtspunkten und veröffentlicht unzählige Informationsblätter und Karten. Unter anderem wurde an der Neuauflage der Wanderkarte "Prümer Land" mitgearbeitet. "Sie ist nun auf dem neusten Stand und die größte Karte des Eifelvereins", sagt Söhngen.

Mit Fördermitteln des Landes konnten für 14 500 Euro zudem 13 Wanderparkplätze mit neuen Holzmöbeln ausgestattet werden. "26 Bänke und 13 Tische aus massivem Holz wurden aufgestellt - leider fanden bereits Diebe Gefallen an den Möbeln. Fünf Bänke und zwei Tische wurden geklaut." Der Naturpark hat bereits Anzeige erstattet und kündigt an, den Diebstahl mit Nachdruck zu verfolgen.
Weitere Informationen unter: www.naturpark-eifel.deExtra

Der Naturpark Nordeifel wurde 1960 in Schleiden (Kreis Euskirchen) gegründet, 1970 kam das kleinere Teilgebiet in Rheinland-Pfalz hinzu, ebenso wie die Partnerschaft mit dem belgischen Naturpark Hohes Venn-Eifel. Gemeinsam bilden die drei Abschnitte seitdem mit einer Gesamtfläche von 2700 Quadratkilometern den "Deutsch-Belgischen Naturpark Hohes Venn-Eifel". Der nordrhein-westfälische Teil ist 1600 Quadratkilometer groß, in Rheinland-Pfalz liegen 400, auf der Fläche der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens 700 Quadratkilometer. In NRW liegen im Naturparkgebiet auch die Flächen des Nationalparks Eifel. Die Aufgaben des Naturparks: Erhaltung, Pflege und Entwicklung der Landschaft; die Entwicklung naturverträglicher Tourismusangebote, Regionalentwicklung und Umweltbildung. Ausgaben 2014: rund eine Millionen Euro. fpl/aff