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Miteinander statt jeder für sich: Kämpferischer Kurt Beck in der Eifel

Miteinander statt jeder für sich: Kämpferischer Kurt Beck in der Eifel

Beim Wahlkampfauftritt mit SPD-Genossin Monika Fink hat sich Ministerpräsident Kurt Beck vor gut 200 Besuchern in Bleialf kämpferisch gezeigt - und ging vor allem mit der Bundesregierung hart ins Gericht.

Bleialf. Volles Haus im Bleialfer Saal Zwicker: Mehr als 200 Besucher sind der Einladung von Monika Fink gefolgt - "und das waren nicht alles SPD-Leute", sagt die sozialdemokratische Landtagskandidatin.

Auftritt Kurt Beck: Der geht zu Beginn selbstverständlich auf die Weltereignisse ein. Die frühlingshafte Fröhlichkeit vergehe einem schnell, wenn man nach Japan schaue. Dort drohe "ein riesiges Kernkraftwerk außer Kontrolle zu geraten" und ganze Landstriche über Generationen unbewohnbar zu machen.

Deshalb gelte der erste Gedanke den Menschen dort - bevor natürlich auch Beck zu den politischen Konsequenzen übergeht: "Wir müssen lernen, dass das Anwenden der Kernkraft in dicht besiedelten Regionen wie bei uns keine vertretbare Alternative ist. Und wenn dann gesagt wird, ,jetzt schalten wir mal für drei Monate ab', dann hat man den Eindruck, das ist eher Wahlterminen als einer inhaltlichen Position zu verdanken."

Noch schärfer wird Beck beim Thema Libyen und der Enthaltung der Bundesregierung bei der UN-Resolution für ein Flugverbot über dem nordafrikanischen Land: "Dass heute Flugzeuge fliegen und versuchen, die Menschen zu schützen vor den Mörderbanden Gaddafis, das halte ich für richtig. Aber es macht mich betroffen, dass die Bundesregierung sich nicht einmal in der Lage gesehen hat, dieser Resolution zuzustimmen. Was sollen die Menschen von uns denken? Das Lob, das Gaddafi für Deutschland ausgesprochen hat, ist wie ein Peitschenschlag für alle, die freiheitlich denken."

Klar, dass der seit 1994 amtierende Ministerpräsident auf die Erfolge verweist, die er den insgesamt 20 Jahren SPD-Regierung zuschreibt: Das Land sei zum Industrieland geworden, ohne die traditionellen Branchen zu vernachlässigen. Die Konversion ehemaliger Militäreinrichtungen sei gelungen, inklusive 50 000 neuer ziviler Arbeitsplätze. Außerdem: freie Kindergartenplätze, Ganztagsschulen, gebührenfreies Erststudium, die Dorferneuerung, der angefangene Aufbau ambulanter Hilfezentren und Tagespflege-Einrichtungen und ab 2012 keine Buskosten mehr für Kinder ab der fünften Jahrgangsstufe.

Fazit: "Diesen Gedanken des ,Wir' würde ich gerne auch über die kommenden Jahre rheinland-pfälzischer Politik schreiben".

Nur kurz geht er auf die Konkurrenz ein: "Ich glaube nicht, dass das alles üble Menschen sind. Aber sie sollen auch nicht erzählen, dass wir die übelsten Menschen auf der Welt sind." Sein Rat: Man solle doch lieber Monika Fink wählen als jenen Herrn aus der Eifel, der immer alles bestimmen wolle. Und dass die CDU mit dem Spruch "Politik ohne Bart" für sich werbe, sei ein alter Hut: Den gleichen Slogan habe man bereits gegen Rudolf Scharping verwendet. Da habe er nur gedacht: "Schon wieder abgeschrieben."Beck schließt mit einem Satz von Herbert Wehner: "Ich würde die Karre noch gern ziehen, wenn die Karre es will."

Die Zuhörer scheinen einverstanden: "Es war die richtige Entscheidung, dass wir hierher gekommen sind", sagt Maria Leifgen aus Großkampenberg. "Beck ist bodenständig und menschlich. Das brauchen wir in dieser Zeit."