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Mitglieder der Raiba Irrel stimmen gegen Fusion mit der Volksbank Eifel

Eifeler Bankenfusion : Fusionspläne der Raiba Irrel platzen

Bei der Generalversammlung haben die  Mitglieder der Raiba Irrel den Vorständen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie stimmten gegen eine Fusion mit der Volksbank Eifel.

Eine Riesenniederlage gab es am Donnerstagabend  für  Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank (Raiba) Irrel. Aus Sorge um die Zukunft einer der kleinsten noch selbständigen Genossenschaftsbanken hatte man seit Jahresanfang Anschluss durch Fusion mit der Bitburger Volksbank (Voba) gesucht (der TV berichtete). Grund waren die durch die Corona bedingten unsicheren Wirtschaftsaussichten auch für die kommenden Jahre und der fortdauernde, von der Politik gewollte Rückgang der Zinseinnahmen.

Nach ausgiebigen Verhandlungen hatten Raiba Irrel und Voba Eifel am 28. August 2020 ein viele Seiten starkes Vertragswerk zur Fusion unterzeichnet. In der Generalversammlung am Donnerstagabend sollten rund 250  Genossenschaftsmitglieder, die auch für die von ihnen  vertretenen Mitglieder abstimmen dürfen, über die Fusion  entscheiden.

Obwohl Vorstand und Aufsichtsrat fast zwei Stunden lang auf die Dringlichkeit der Fusion hingewiesen hatten, geriet die anschließende  Aussprache auf die emotionale Ebene.  Da half auch das umfassende  Prüfungsgutachten vom Genossenschaftsverband  der Regionen in Düsseldorf nicht.

Wirtschaftsgutachter Franz-Hermann Deres kam darin zum Schluss, dass eine Fusion für beide Häuser  ratsam, richtig  und zukunftsweisend wäre. In ihren Jahresberichten hatten die Vorstände Werner Kemmer und Manfred Weiland zuvor dringend auf die schlechter werdenden Rahmenbedingungen verwiesen, so  etwa  die fortlaufenden Zinsausfälle und die noch nicht abzusehenden Folgen der Coronakrise für den Finanzmarkt.

Während in den Versammlungen 2018 und 2019 noch der Optimismus den Abend bestimmte, blieb es nun bei Moll-Tönen. Ein „zufriedenstellendes Ergebnis“ habe man 2019 erzielt. Aber befriedigend sei nicht gut, besonders mit Blick auf sinkende Überschüsse und Erträge. Daher sagte Vorstand Kemmer: „Durch die geplante Verschmelzung bietet sich im Rahmen einer zukunftsorientierten Geschäftspolitik eine Lösung an, die für unsere Heimatregion langfristig eine leistungsstarke und mittelstandsorientierte Genossenschaftsbank sichert.“

Doch in der Aussprache überwogen die negativen Wortmeldungen.  Entsprechend war nach Mitternacht das Abstimmungsergebnis: Von 408 gültigen Stimmen gab es 124 mal Ja zur Fusion und 284 mal lautete das Votum „Nein“.  Das war mehr als deutlich: 75 Prozent Ja-Stimmen hätten es sein müssen, um die Fusion zu besiegeln. Betretene Gesichter gab es nach der Auszählung auf dem Podium und vorne auf dem Parkett, wo die beiden Voba-Vorstände Michael Simonis und Andreas Theis das Geschehen verfolgten. Auch sie hatten zuvor vergeblich für eine Fusion geworben.

Aufsichtsratsvorsitzender der Raiba und Versammlungsleiter Norbert Wilmsen sagte nach der Abstimmung: „Jetzt müssen wir sehen, was die Zukunft bringt und wie diese Bank kurz- oder mittelfristig alleine noch überleben kann.“ Oft sei die Raiba Irrel mit jenem kleinen Dorf in Gallien verglichen worden, in dem Asterix und seine Getreuen den Römern trotzten: „Doch diese Gallier hatten einen Druiden mit seinem Zaubertrank. Wir nicht ...“

Wesentlich konfliktfreier konnte ein weiterer, zunächst auch heikel erscheinender Tagesordnungspunkt abgearbeitet werden: Die geplante und schon vorbereitete Übertragung des Raiba-Warengeschäfts an die Raiffeisen Rhein-Ahr-Handelsgesellschaft mbH in Euskirchen.

Die Hintergründe für den Abschied vom Handel mit Landwirtschaftsbedarf und Baustoffen beleuchtete Vorstand Weiland. Er nannte den Nachfragerückgang in den letzten Jahren, durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Immer weniger Betriebe – und die Verbleibenden immer größer mit steigenden unternehmerischen Ansprüchen an die Zulieferer. Dazu der steigende Preiskampf auf dem Baustoffsektor. Dies werde die Raiba Irrel künftig nicht allein stemmen können. Kritische bis ablehnende Beiträge gab es in der Aussprache auch zu diesem Punkt.

Doch dem widersprach das Abstimmungsergebnis: 417 gültige Stimmen, davon 17 Enthaltungen, 241 Ja- und 159 Nein-Stimmen. Das war mehr als die hier erforderlichen 50 Prozent. Nun wird der Warenhandel schon zum 1. November an die Rhein-Ahr-Eifel mbH gehen. Nur das Gebäude in Irrel bleibt bei der Raiba und wird an die Euskirchener vermietet. Für die Mitarbeiter soll sich nichts ändern – sie werden übernommen.