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Mobile Altenpflege im Eifelkreis in der Corona-Zeit

Mobile Altenpflege in der Corona-Zeit : Mit Herzblut unterwegs für Senioren in der Eifel

Altenpflege ist kein Beruf, sondern eine Berufung. So sieht das Suzane Fritz, die für den Caritasverband als mobile Pflegerin in der Eifel unterwegs ist. Für die Senioren, die sie betreut, ist sie nun oft der einzige Kontakt.

Altenpflege war bisher vor allem im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel Thema, gegen den die Branche ankämpft. Seit der Corona-Pandemie hat sich der Blick auf den Beruf geändert. Nicht etwa, weil das Fachkräfteproblem gelöst wäre, sondern weil den Pflegerinnen nun eine Form von Anerkennung und Respekt zuteil wird, die es zuvor so nicht gegeben hat.

Ob im Internet, Fernsehen oder auf sozialen Netzwerken wird Menschen applaudiert und gedankt, die bisher nicht gerade im Fokus der Aufmerksamkeit standen. Dazu gehören neben Kassiererinnen und Lastwagenfahrern auch Altenpflegerinnen.

Meistens sind es ja Frauen, die sich für Senioren stark machen. Zu ihnen gehört auch Suzane Fritz aus Idenheim, die als Krankenschwester für den Caritasverband Westeifel in der mobilen Pflege unterwegs ist – von Gilzem bis nach Sevenig und von Gemünd über Kyllburg bis nach Bitburg.

100 bis 150 Kilometer ist Suzane Fritz pro Schicht unterwegs, um 15 bis 25 Patienten zu betreuen. Sie misst den Blutdruck, kontrolliert Blutzuckerwerte, setzt Thrombose- oder Insulinspritzen, legt Kompressionsverbände an, versorgt Wunden und hilft selbstverständlich auch beim Waschen oder Anziehen. Eben alles, was ihre Patienten an Unterstützung brauchen, um weiter in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können.

Für Suzane Fritz ist Altenpflege kein Beruf, sondern eine Berufung wie sie sagt. „Das geht nur, wenn man mit dem Wohlwollen zu den Menschen gehen möchte, sie zu pflegen und sie zu versorgen und gerne hilft“, sagt 47-jährige Frau. Was für sie diesen Beruf so besonders macht, ist die große Sympathie und die Dankbarkeit, die sie Tag für Tag erfährt: „Da kommt so unendlich viel zurück. Es rührt mich zutiefst, wie dankbar die Menschen sind.“ Es entwickeln sich auch Beziehungen über die Jahre. Warmherzige Kontakte, wo man sich aufeinander freut.

„Es wird auch erzählt. Ich finde es spannend, mich mit Menschen auszutauschen, die eine so viel größere Lebenserfahrung haben“, sagt Fritz. Es ist ein Perspektivwechsel und schärft für sie auch den Blick auf das, was wirklich wichtig ist. Gesundheit vor allem. Aber auch Zufriedenheit. Bescheidenheit. Glück kann einfach sein.

„Ich freue mich ohne Ende, was die sich alles einfallen lassen“, sagt die Pflegerin und erzählt von einem Patienten, dem sie eine Insulinspritze setzte und dann hörte sie, wie seine Frau im Hintergrund den Tisch deckte. „Da gab’ s dann Krumpaschnietscha, also Kartoffelpuffer. So was ist doch einfach schön“, sagt Fritz. Seit der Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie ist sie für viele Patienten die Einzige, die noch vorbei kommt und damit auch ein bisschen Abwechslung in den Alltag bringt.

Inzwischen ist die Krankenschwester natürlich nur noch mit Mundschutz unterwegs. „Wir müssen die Senioren schützen“, sagt Fritz. Um sich selbst macht sie sich keine großen Sorgen. Um ihre Patienten, die in der Regel diverse Vorerkrankungen haben, natürlich schon. „Körperliche Nähe gehört zum Beruf dazu“, sagt Fritz. Und so müssten Sicherheits- und Hygienevorschriften besonders akribisch umgesetzt werden. Jemanden anzustecken, könnte sie sich nur schwer verzeihen. „Es gilt, das Risiko so weit wie möglich zu minimieren“, sagt Fritz. Einige ihrer Patienten hätten schon sehr große Angst. „Die berate ich dann, versuche zu beruhigen, aber die Illusion, dass ihnen auf keinen Fall etwas passieren kann, die kann ich ihnen auch nicht geben“, sagt Fritz. Die meisten Patienten seien aber recht gelassen. „Die haben schon ganz andere Krisen erlebt“, sagt Fritz. Da mache sich die Altersweisheit bemerkbar: „Die sind ruhig und entspannt.“

Angehörige seien teils vorsichtiger als die Senioren selbst. „Da werden Einkäufe erledigt und die ältere Generation vermisst dann genau diese Art von Alltagsleben.“ Manche würden sich auch selbst einschränken und weder zum Arzt, noch in den Supermarkt gehen. Letztendlich müsse da jeder für sich selbst entscheiden, was er sich zutraut und wo einem Schutz und Sicherheit wichtiger sind.

Worunter die Senioren am meisten leiden würden, ist, dass sie ihre Enkelkinder, aber auch ihre Kinder nicht mehr sehen können. „Das macht vielen zu schaffen. Vor allem an den Enkelkindern hängen sie sehr.“ Was hilft? Telefonieren, viel sprechen. „Und wichtig ist dann, wirklich zuzuhören, die Menschen aussprechen zu lassen und offen zu sein, für das, was sie gerade bewegt“, sagt Fritz.

Toll sei auch, was in den Gemeinden alles an Unterstützung auf die Beine gestellt wird. „Da passiert gerade sehr viel und für alle, die ohnehin nicht mehr so mobil sind, sind Angebote wie ein Einkaufsservice eine echte Hilfe.“ Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit und Solidarität – Corona hat auch Gutes hervorgebracht.

Die diversen Danke-Aktionen, die es derzeit für Pflegerinnen gibt, sind für Suzane Fritz ein „sehr schöner Motivationsschub“. Ihr Eindruck: „Die Menschen sind insgesamt rücksichtsvoller und achten mehr aufeinander.“

 Suzane Fritz, Altenpflegerin bei der Caritas
Suzane Fritz, Altenpflegerin bei der Caritas Foto: TV/Nora John

Anerkennung haben aber in ihren Augen genauso die Postboten, Kassiererinnen oder Mitarbeiter der Müllabfuhr verdient. „Es gibt so vieles, was wir als selbstverständlich empfinden“, sagt Fritz. Für sie selbst ist es die schönste Anerkennung, wenn ihre Patienten sich auf sie freuen, sie schätzen und jeder auf seine Weise seine Dankbarkeit zeigt.