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Modernes Wohnen in Omas alter Scheune: Initiative Zukunfts-Check Dorf ist der Renner im Eifelkreis

Modernes Wohnen in Omas alter Scheune: Initiative Zukunfts-Check Dorf ist der Renner im Eifelkreis

Anfangs gab es acht Pilotgemeinden, die sich für die Zukunft fit machen wollten. Mittlerweile haben sich 150 Ortsgemeinden entschieden, an dem vom Eifelkreis Bitburg-Prüm initiierten und vom Land unterstützten Dorfcheck teilzunehmen. Bei der Dorferneuerung liegt der Eifelkreis landesweit auf Platz eins mit einer Fördersumme von 5,72 Millionen Euro (2011 bis 2014).

Bitburg-Prüm. Wenn Edgar Kiewel über die Dorferneuerung (DE) im Eifelkreis spricht, ist er ganz in seinem Element. Der Architekt ist bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm für das Programm zuständig, das vom Land gefördert wird. Und das sei "eine Riesenaktion", sagt er.
Als Pilotprojekt ging der Zukunfts-Check Dorf im Herbst 2013 mit acht Gemeinden an den Start. Anhand einer Checkliste konnten die Einwohner selbst Stärken und Schwächen ihrer Gemeinde analysieren. Die Modellphase war noch nicht abgeschlossen, da standen andere Dörfer bereits Schlange. Mittlerweile haben 150 Gemeinden sich entschieden, an dem Programm teilzunehmen.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, wo der Schuh am meisten drückt. Da gibt es die baulichen Herausforderungen, wie Leerstände, schlechte Substanz oder ungenutzte ehemalige Wirtschaftsgebäude. Probleme bereitet aber auch die Infrastruktur, wie schlechte Straßen, fehlender Dorfmittelpunkt, mangelhafte ÖPNV-Anbindung und zu wenige Wohnungen für junge Leute. Auch sozial sind die Dörfer gefordert. So drohen schleichende Überalterung, Senioren- und Single-Haushalte, der Wegzug junger Menschen und fehlende hausärztliche Versorgung.
Oft stehen die Ortsgemeinderäte vor der Frage, ob sie ein Neubaugebiet ausweisen sollen. Doch wie verhindert man das Aussterben der alten Ortskerne? Dazu Edgar Kiewel: "Beides muss möglich bleiben, entscheidend kommt es auf die Lage und Funktion des Dorfes an. Dörfer mit guter Infrastruktur (Kita, Schulen, Nahversorgung, Ärzte) sollten nach Bedarf Bauland ausweisen können." Doch in Dörfern, wo der Ortskern verfällt, seien auch die Neubaugebiete nicht attraktiv und der Wert der Neubauten falle, warnt er.
In kleinen Dörfern sei es sinnvoller, vorhandene Baustellen im Ort zu nutzen. Doch das Thema Bauland sei irgendwie tabu, beobachtet er. "Die Menschen reden nicht miteinander. Da hat zum Beispiel einer vor 15 Jahren mal gesagt, er verkaufe sein Grundstück nicht, und das bleibt dann in den Köpfen hängen." Auch dafür sei der Dorfcheck gut, denn es brauche manchmal einen Moderator, um den Dialog wieder in Gang zu bringen, sagt Kiewel.
In den DE-Gemeinden kann man für Sanierungen im Altbestand bis zu 30 000 Euro Fördergeld erhalten. Die Analyse der Dörfer zeigt, dass es vermehrt Probleme mit leer stehenden und nicht mehr erhaltenswerten Bauten gibt. "Unser Ziel ist, diese Bereiche mit einem Innenentwicklungskonzept zu überplanen", sagt der Experte. Durch Abriss entstehende Lücken könnten mit neuen, modernen, ortstypischen Häusern wieder bebaut werden. Vorteil sei, dass nicht neu erschlossen werden müsse.
Junge Leute in den Dörfern zu halten - auch das ist ein großes Thema beim Dorfcheck. Dazu wird zurzeit die Jugend befragt. "Zunächst ist es wichtig, dass die Menschen sich in der Eifel - in ihrem Dorf - wohlfühlen und Arbeitsplätze finden", sagt Kiewel. Es zeige sich schon jetzt, dass es zu wenige Mietwohnungen für junge Menschen gibt. Diese würden dann aus dem Dorf weg nach Bitburg oder Trier ziehen. Die Problematik sei bei einigen Bauherren schon erkannt worden. Kiewel: "In alten Bauernhäusern mit Nebengebäuden werden verstärkt Mietwohnungen geschaffen."
Und noch einen Trend gibt es: Junge Menschen investieren oftmals selbst in Omas leerstehende Scheune und schaffen mithilfe des DE-Programms attraktiven Wohnraum mitten im Dorf.
Arzfeld war eine der Pilotgemeinden, die 2008 am Dorf-Check teilgenommen haben. Ortsbürgermeister Peter Antweiler erinnert sich: "Das war eine ganz tolle Sache." Es wurden viele Daten gesammelt. Doch die für Senioren geplanten Projekte seien leider nie verwirklicht worden. "Das ist mir ein großes Anliegen, dass wir da noch was hinbekommen", sagt Antweiler. Positiv sei, dass zurzeit viele junge Familien in Arzfeld bauen.
Alfred Nober, Bürgermeister von Ehlenz, hat gute Erfahrungen mit dem Dorf-Check und dem DE-Programm gemacht. "Für unsere Gemeinde war das eine sehr gute Sache. Wir haben sehr kompetente Unterstützung erhalten, nicht nur, was die Fördermöglichkeiten angeht, sondern besonders gestalterisch und fachlich haben wir vielfältige Anregungen bekommen."
Insgesamt seien seit der Ausarbeitung des DE-Konzepts 18 Einzelmaßnahmen und im Zuge des Straßenbaus weitere 15 Anliegermaßnahmen gefördert worden. Die 400-Einwohner-Gemeinde hatte 2013 am Dorf-Check teilgenommen. Daraus hervorgegangen ist der Dienstagstreff, bei dem Einwohner sich einmal im Monat im Dorfgemeinschaftshaus zwanglos treffen.
In den Räumen der Kreisverwaltung ist die Ausstellung "Baukulturpreis Eifel 2015" von Montag, 6. Juni, bis Freitag, 15. Juli, zu sehen.Meinung

Förderung anpassen
Der Zukunfts-Check Dorf ist der Renner im Eifelkreis - zu Recht. Dabei wird den Dörfern kein fertiges Konzept übergestülpt. Stattdessen analysieren die Einwohner selbst, mit professioneller Unterstützung, wo Stärken und Schwächen ihrer Gemeinde liegen. Positiver Effekt: Es wird viel miteinander gesprochen. Und so kann es passieren, dass da doch noch ein Grundstück mitten im Dorf frei wird für junge Familien. Schade nur, dass das Land die Fördersumme für das Dorferneuerungsprogramm seit 20 Jahren nicht mehr erhöht hat, die Baupreise sich jedoch in dieser Zeit verdoppelt haben. Würde das Land die Förderung an die Baupreisentwicklung koppeln, würde das den potenziellen Bauherren die Entscheidung erleichtern, in alte Schätzchen zu investieren. Einen Versuch wäre es wert. s.glandien@volksfreund.deExtra

Foto: (e_eifel )
Foto: (e_eifel )
Foto: (e_eifel )
In Roth bei Prüm wurde aus einem ehemaligen Stall ein Wohnhaus. Foto: (e_eifel )
In Ehlenz hat die Familie Keilen ein altes Bauernhaus renoivert. Foto: (e_eifel )

Insgesamt nehmen 153 Ortsgemeinden an der Initiative teil. In 45 Dörfern gab es bereits Auftaktveranstaltungen. Der Zukunfts-Check wird zu 70 Prozent vom Land gefördert. Weiter kommt es darauf an, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen. So wurde die Inwertsetzung des Ernzer Felsenweihers durch das Leader-Programm gefördert, die Innenentwicklung Orenhofens durch das DE-Programm. In den Jahren 2011 bis 2014 wurden 245 private Dorferneuerungsmaßnahmen mit rund 3,9 Millionen Euro von Bund und Land gefördert. Es wurden insgesamt rund 30 Millionen Euro investiert. Ab dem 1. Januar 2014 gilt bei privaten Wohnbauprojekten ein Fördersatz von 25 Prozent bei maximal 80 000 Euro (maximal 20 000 Euro). Bei gewerblichen Vorhaben werden 25 Prozent bei maximal 120 000 Euro förderfähigen Kosten (maximal 30 000 Euro) bezahlt. sn