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Mötscher helfen mit bei Abbrucharbeiten für Umbau Jugendheim

Infrastruktur : Mit dem Hammer durch das Haus

Im Mötscher Jugendheim haben die Abbrucharbeiten für den Umbau begonnen. Die Beteiligung der Bürger ist enorm. Einige sind kaum zu bremsen.

Dort, wo einige Stunden zuvor noch eine Mauer zwei Räume voneinander trennte, ist jetzt ein Schutthaufen. An der Decke lässt sich der ehemalige Verlauf dieser Mauer noch gut erkennen. Drei Jungs stehen in dem Haufen und versuchen, die Bimssteinbrocken weiter zu zerkleinern. Mit einem schweren Vorschlaghammer macht sich einer von ihnen an dem letzten Stück Mauerrest zu schaffen, das am Rand des Trümmerfelds an der Ecke zu einer anderen Wand aus dem Boden ragt. „Vorsicht!“, sagt Heiko Jakobs. „Die Wand hier muss stehenbleiben.“

Der Mötscher Ortsvorsteher ist beeindruckt, wie schnell es vorangeht. Eigentlich stand für diesen Arbeitstag nur das Entfernen der Deckenverkleidung im großen Saal auf dem Plan. Doch weil so viele Helfer da sind und das Deckenprojekt schneller abgeschlossen war als gedacht, wurde bereits in den Räumen nebenan mit der Beseitigung der Zwischenwände begonnen. „Hier kommt nachher das Kneipenbistro hin“, erklärt Jakobs, der vor wenigen Wochen die Bevölkerung des Bitburger Stadtteils dazu aufgerufen hat, bei der Entrümpelung und den Demontagearbeiten im Jugendheim zu helfen, und sich nun darüber freut, dass so viele Mötscher diesem Aufruf gefolgt sind.

Rund 1,4 Millionen Euro sind für den Umbau des Jugendheims veranschlagt. Knapp 600 000 Euro stehen davon im städtischen Haushalt für dieses Jahr bereit, der Rest soll 2020 folgen. Ein Teil dieser Summe wird durch Zuschüsse finanziert, ein weiterer Teil durch Eigenleistung. Bereits in den ersten Tagen seien 300 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden zusammengekommen, sagt der Ortsvorsteher. Erklärtes Ziel sei, durch Arbeit und Spenden Eigenleistungen im Wert von gut 50 000 Euro einzubringen.

„Wir werden hier in den nächstendrei Wochen rund 60 Leute im Einsatz haben, hauptsächlich Vereine“, erklärt Jakobs. Als nächstes würden die Helfer des Musikvereins die alte Kegelbahn im Keller in Angriff nehmen und den Bauschutt entfernen. Arbeit gebe es für jeden – und das auch jenseits von Abriss und Demontage. „Die Frauengemeinschaft kocht für die Männer und die Frauengymnastikgruppe backt Kuchen“, sagt der Ortsvorsteher, während eine der Frauen mit einer großen Schüssel durch die Baustelle marschiert und Schokoladen-Muffins an die Helfer verteilt.

Bevor die Mötscher jedoch mit der Entrümplung ihres Jugendheims anfangen konnten, mussten für die fast zehn Vereine, die das Dorfgemeinschaftszentrum nutzen, zunächst Ausweichquartiere gefunden werden. „Alles, was mit Sport zu tun hat, wurde in die alte Schule ausgelagert“, erklärt Jakobs. Mit Ausnahme der Tischtennisspieler – die seien jetzt in Erdorf untergebracht, fügt er hinzu. Die Frauengemeinschaft habe sich im Mötscher Reiterstübchen einquartiert, Kirchenchor und Musikverein probten jetzt im alten Gasthaus Weiler.

In den 1960er Jahren wurde das Jugendheim errichtet, vor 25 Jahren umgebaut, nun steht eine umfassende Sanierung und ein barrierefreier Ausbau an. Einer, der sowohl beim Bau als auch beim Umbau in den 90er Jahren geholfen hat, ist Ferdinand Dimmer. „Er kennt jede Schraube und jedes Rohr in dem Gebäude“, sagt Jakobs. Und mit 81 Jahren sei der Metallbauer auch der älteste Helfer auf der Baustelle. Der jüngste ist gerade mal fünf. Er steht noch immer auf dem Steinhaufen,  trägt gelbe Gummistiefel, einen großen Helm und Arbeitshandschuhe. Sollte in 25 oder 30 Jahren die nächste Umbaumaßnahme anstehen, werden Stiefel und Handschuhe definitiv zu klein sein. Nur der Helm, der könnte dann noch passen.