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Monika Rolef hat die Prümer Ehrenbürgerschaft

„Menschen wie du sind ein Geschenk für diese Stadt“ : Monika Rolef ist neue Ehrenbürgerin von Prüm

Monika Rolef ist die erste Frau in der Prümer Stadtgeschichte, der die Ehrenbürgerschaft zuteil wird. Und das in ihrem „Wohnzimmer“ – der Basilika.

Rund 120 Besucher kommen, um zu gratulieren — und leider gibt es an diesem Abend pandemiebedingt keine Umarmungen, Küsschen oder Händedrücke. Denn ganz bestimmt hat Monika Rolef, die an dem Tag der Verleihung der Ehrenbürgerschaft zudem ihren 80. Geburtstag feiert, sich all das verdient.

Trotzdem herrscht keine gebremste Stimmung bei der Feierstunde, sondern die Freude darüber, dass hier jemand Ehrenbürger wird, der es mehr als verdient hat. Nebenbei ist es einer der bestimmt ganz seltenen Anlässe, an dem links und rechts des Portals der ehrwürdigen Stadtkirche ein Getränke- und ein Catering-Transporter parken.

Als im Juni dieses Jahres über die Ehrenbürgerschaft diskutiert wurde, sei allen Ratsmitgliedern und Ortsvertrauensmännern bewusst gewesen, dass sich viele Bürger täglich um die Stadt Prüm verdient machten, sagt Bürgermeister Johannes Reuschen in seiner Ansprache. „Es ist schwer zu bestimmen, wer sich besonders verdient gemacht hat, damit er Prüms höchste Auszeichnung erhält.“ Doch als der Name Monika Rolef gefallen sei, wäre allen klar gewesen, dass wenn jemand würdig sei, die insgesamt sechste Ehrenbürgerschaft zu erlangen, dann sie, berichtet Reuschen.

Die Liste der Verdienste der neuen Ehrenbürgerin, die der Bürgermeister vorträgt, ist mehr als beeindruckend: Seit mehr als 40 Jahren engagiert sich Rolef für ihre Heimatstadt, unter anderem als Ratsmitglied (seit 31 Jahren), als Gästeführerin in der Basilika, in der sie jeden einzelnen Stein beim Namen kennt — und Bewahrerin von Brauchtum und Tradition der Stadt.

Sie ist Gründerin der Initiative Frauenschuh, Vorsitzende des Förderkreises der Basilikafreunde, Mitglied des Geschichtsvereins Prümer Land, führt ein riesiges Archiv zur Prümer Stadtgeschichte, kümmert sich um den Erhalt der Denkmäler, organisierte Ausstellungen und Theateraufführungen und war an der Namensgebung vieler Plätze und Straßen der Stadt maßgeblich beteiligt — und vieles mehr.

„Ratsmitglied Marcus Fischbach hat sie in einer Sitzung sehr treffend als das Gewissen der Stadt bezeichnet“, sagt Johannes Reuschen in seiner Rede. „Heute wird Monika Rolef 80 Jahre alt und zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt ernannt.“  Auch Landrat Joachim Streit und VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen sind unter den Gratulanten: „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind ein Vorbild und haben sich diese Ehre verdient“, sagt Streit. „Menschen wie du sind ein Geschenk an diese Stadt und diese Region“, schließt Söhngen an.

Bevor sich Rolef in das goldene Buch der Stadt einträgt, bedankt sie sich bei den unzähligen Weggefährten, den Gästen und bei ihrer Familie, besonders bei ihrem Ehemann Wolfgang: „Wolfgang musste ab und zu auf mich verzichten, er wurde dadurch aber nicht zum Märtyrer“, sagt Rolef in ihrer unnachahmlichen Art. Dann nimmt sie die Gäste in ihrem „Wohnzimmer“, in der Prümer Basilika, mit zu einigen Stationen ihres Lebens —  zugleich ist es eine Reise in die Geschichte der Stadt voller trauriger, aber auch glücklicher Momente.

Ausschlaggebend für ihr Engagement für Prüm seien die vielen Jahre des Niedergangs der Stadt im Krieg und die Explosionskatastrophe am Kalvarienberg 1949, als die Stadt erneut schwer getroffen wurde. „Die Bürgerinnen und Bürger setzten alles daran, Prüm wieder aufzubauen und haben mit bloßen Händen aus den Trümmern heraus gebuddelt, was noch zu retten war —  besonders auch in dieser Kirche.“

Diese Bilder habe sie immer noch vor Augen, sagt Monika Rolef. „All diese Menschen, die sich um den Fortbestand der Stadt und dieses Heiligtums bemühten. Das war und ist es, was mich stark machte, mir Kraft gab, nie aufzugeben um unser aller Erbe zu erhalten.“ Und zum Schluss, als alle Besucher minutenlang stehend applaudieren, hält Rolef ihnen die eingerahmte Urkunde entgegen.

Die Ehrenbürgerschaft ist eine weitere Station ihres Engagementw für Prüm: „Mit großer Freude werde ich auch nach 80 Jahren weiter für meine, unsere Stadt kämpfen und im Vertrauen auf Gottes Hilfe auch zukünftig aktiv sein“, sagt sie. Einen großen Wunsch für die Zukunft nennt Rolef noch: „Auch der zweite, noch verbliebene und mehr als 300 Jahre alte Beichtstuhl soll restauriert und in dieser Abteikirche dort aufgestellt werden, wo sein ursprünglicher Standort war.“ Eine Atempause gönnt sich die frisch ernannte Ehrenbürgerin der Stadt Prüm also nicht.

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 www.volksfreund.de