Motiviert, guten Mutes und selbstbewusst

Motiviert, guten Mutes und selbstbewusst

PRÜM/SCHÖNECKEN. Ärztemangel, Gesundheitsreform, Versorgungsengpass auf dem Land: Die Schlagzeilen in den vergangenen Wochen waren alles andere als positiv. Während in Bleialf immer noch ein Nachfolger für Dr. Jürgen Graf gesucht wird, hat Dr. Erdal Dogan in Schönecken bereits einen jungen Arzt gefunden, der seine Praxis in Kürze übernimmt (der TV berichtete).

Mit Stefan Becker kehrt ein gebürtiger Eifeler in seine Heimat zurück. Der 35-jährige Truppenarzt arbeitet zurzeit bei der Bundeswehr in Daun. Der Zeitsoldat hatte schon mit dem Gedanken gespielt, sich als Allgemeinmediziner selbstständig zu machen, als ihn der Prümer Verbandsbürgermeister Aloysius Söhngen auf die vakante Stelle in Schönecken aufmerksam machte. Entscheidung fiel zu Gunsten der Arztpraxis

Es gibt sie also noch, die jungen Ärzte, die sich trauen, sich auf dem Land selbstständig zu machen. "Ich wollte gerne mein eigener Chef sein", sagt Stefan Becker über seinen Beweggrund. Eine Zeit lang diskutierte er mit seiner Frau Alexandra, die ebenfalls berufstätig ist, ob er nicht lieber als Assistenzarzt ins Krankenhaus gehen sollte. Dort wären die Arbeitszeiten geregelter und die Familie nicht dem finanziellen Risiko ausgesetzt. Auch sein Steuerberater habe ihm noch mal so richtig Mut gemacht, sagt der vierfache Vater ironisch. Allen Unkenrufen zum Trotz mietete der ehemalige Rommersheimer die Praxisräume von Erdal Dogan an. "Herr Dogan ist mir mit der Miete fair entgegengekommen und hat mir damit die Entscheidung in finanzieller Hinsicht erleichtert", sagt Becker. Besonders im medizinisch-technischen Bereich wird Becker jedoch investieren. Belastungs-EKG, Computeranlage, Lungenfunktions- und Ultraschall-Gerät werden neu gekauft. Auch die Sprechstundenzeiten möchte er ausdehnen. Zukünftig wird es einen langen Donnerstag geben. Die Hausärzte in Prüm und Schönecken hätten ihn sehr kollegial aufgenommen, sagt Becker. "Die sind, glaube ich, froh, dass einer hier weitermacht", sagt er. Zurzeit füllt der Familienvater jede Menge Papier aus, bevor es mit der Selbstständigkeit losgehen kann. Einen Vorgeschmack auf die anstehende immense Verwaltungsarbeit hat er jedenfalls schon zur Genüge bekommen. Beispiel: Um als Facharzt für Allgemeinmedizin, Zusatzbezeichnung Akupunktur, die Leistung bei der gesetzlichen Kasse abrechnen zu dürfen, müsste Becker eine psychosomatische Grundausbildung absolvieren, die mehr Stunden umfasst, als die eigentliche Akupunkturausbildung. Um dann Knie- oder Rückenschmerzen zu akupunktieren, müsste er noch mal 80 Stunden über die Schmerztherapie lernen. Dem Verwaltungsaufwand zum Trotz: Stefan Becker freut sich auf seine neue Aufgabe. Sich um die Patienten kümmern zu können, der Arzt der Familien zu sein und ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Patienten zu bekommen, bedeute ihm viel. "Das Gefühl, gebraucht zu werden - daraus resultiert eine große Berufszufriedenheit." Die Zukunft wird nicht nur rosarot sein

Viele seiner Kollegen von der Bundeswehr, die sich selbstständig gemacht haben, seien sehr zufrieden und kämen auch finanziell klar, sagt er. Dennoch sieht er nicht alles rosarot. Die Abrechnung nach Punktwerten und die Deckelung der Patientenzahlen empfindet Becker als ungerecht. "Ich gehe ja auch nicht in die Autowerkstatt und sage, so jetzt bin ich der 100. Kunde und zahle für den Ölwechsel nur noch die Hälfte." Zum Saxofonspielen, seinem Hobby, ist der 35-Jährige immer noch nicht gekommen. In seiner Freizeit halten ihn seine Zwillinge Sophie und Maximilian (2 Jahre), Nils (4) und Katharina (12) auf Trab. Zum Thema Ärztemangel veranstaltet der Trierische Volksfreund ein hochkarätig besetztes Forum. Termin ist Mittwoch, 28. Februar, um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Winterspelt (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Auf dem Podium diskutieren unter anderem: Dr. Gerald Gass, Abteilungsleiter beim Sozialministerium in Mainz, Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, Dr. Burkhard Zwerenz aus Prüm, Vorsitzender des Hausärzteverbands Rheinland-Pfalz, Walter Bockemühl, Vorsitzender der AOK Rheinland-Pfalz. Die Besucher des Forums bekommen ausführlich Gelegenheit, den Fachleuten Fragen zu stellen. Die Moderation des Abends übernimmt TV-Redakteur Marcus Hormes.

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