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Motocross-Funktionär hält nichts vom wilden MX-Fahren

Interview : „Keine Sportler, sondern Selbstdarsteller“

Motorradfahren im Wald gefährdet den Ruf seines Motocross-Clubs, erklärt der Oberkailer Uwe Steines – und, was man dagegen tun kann.

Er gibt Gas. Das Motorrad fliegt über den Feldweg.  Bäume und Zäune rasen links und rechts vorbei. Der Motor röhrt,  Räder fressen eine Schneise in den Schlamm. Bei jeder Unebenheit im Boden springt das Fahrzeug hoch. Die Kamera auf dem Helm des Fahrers springt mit. Jetzt geht’s in die Kurve, Richtung Wald. Reifen holpern über Stock und Stein. Schnitt: Der Motorradfahrer brettert einen Hügel hoch. Dann rutscht er weg. Der Unbekannte fällt vom Rad. Die Kamera landet im Gras.

Solche Filme finden sich online auf der Videoplattform Youtube zuhauf. Sie erzielen teils tausende Klicks. Die Protagonisten sind Unbekannte und sie wollen es bleiben. Ihre Gesichter halten sie hinter den Visieren ihrer Helme versteckt. Wildes Motorradfahren im Wald wird von der Polizei nämlich mit Geldbußen geahndet. Nur scheinen die Strafen von 30 bis ein paar hundert Euro kaum jemanden abzuschrecken. Gerade die Eifel haben die Rowdies für sich entdeckt. Beschwerden von Wanderern, Jägern und Anwohnern gab es im Bitburger Land, in der Südeifel und rund um Arzfeld. Zuletzt berichtete der TV über einen Vorfall in Oberweiler. Dort musste ein Jäger zur Seite springen, damit er nicht überfahren wird. Auf diesen Artikel gab es bei Facebook Kritik von Motocross-Fans. Der Tenor: Es gebe zu wenige Strecken in der Region. Irgendwo müssten die Sportler ja fahren dürfen.

Wir haben über dieses Thema mit Uwe Steines gesprochen. Er ist der erste Vorsitzende des Motocrossvereins (MCV) Oberkail. Im Interview erzählt er, warum Wald- und Wiesenfahrer dem Image des Sports schaden.

Herr Steines, was halten Sie vom wilden Motocross-Fahren?

Steines: Ihre Frage zeigt die Missverständnisse, mit denen wir zu kämpfen haben. Das wilde Kreuz- und Querfahren durch Wiesen und Wälder hat mit Motocross-Fahren nichts zu tun. Das ist so, als ob man illegale Autorennen mit der Deutschen Tourenwagen Masters vergleichen würde.

Zum einen ist das Fahren im Wald schlichtweg eine Ordnungswidrigkeit. Zum anderen missbilligen wir alle Aktionen, die uns als Verein, aber auch dem Sport generell, schaden.

Das heißt, unter solchen Aktionen leidet auch das Image des Sports?

Steines: Leider ist der Sport nicht ausreichend in der Öffentlichkeit bekannt. Es gibt aber jede Menge Vorurteile. Als Verein und Veranstalter sind wir aber auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Ohne die ist es praktisch unmöglich eine Zulassung für eine Strecke zu erhalten.

Gibt es denn genügend Strecken in der Eifel?

Steines: Wir wären froh, wenn es eine einzige Strecke im Eifelkreis Bitburg-Prüm gäbe. Aber die Aussichten darauf sind schlecht. Naturschutzbelange haben Vorrang vor unserm Sport, der - wie gesagt - keine besonders hohe Popularität genießt. Diese Situation ist auch ein Problem für unsere Jugendarbeit.  Lehrgänge und Clubtrainings müssen wir außerhalb der Eifel organisieren. Im Saarland und an der Mosel sieht das ganz anders aus. Da gibt es einige MX-Strecken.

Glauben Sie, es wird deshalb so viel wild gefahren, weil es zu wenige Strecken gibt?

Steines: Gäbe es in der Region zumindest eine Strecke, sind wir überzeugt, dass ein beachtlicher Teil der wild Fahrenden eher diese Piste nutzen würden, als sich in Wald und Wiesen auszutoben.

Besprechen Sie das Thema mit ihren Mitgliedern?

Steines: Ja, wir versuchen auch Alternativangebote zu erarbeiten. Aber wir haben eben das Problem, dass wir keine Trainingsstrecke als Anlaufstelle für die Fahrer bieten können.

Wenn jemand auffällt, wird er dann intern gemaßregelt? Es gibt ja diverse Videos auf Youtube – da muss doch der ein oder andere schon mal erwischt worden sein ...

Steines: Bei dem Phänomen, das Sie beschreiben, handelt es sich nicht um Sportler, sondern um Selbstdarsteller. Die stellen ihr Fehlverhalten öffentlich zur Schau. Viele Vereine haben die hierfür verantwortlichen Personen, soweit sie überhaupt identifizierbar sind, des Vereins verwiesen. Auch Hausverbote wurden verhängt.

Glücklicherweise mussten wir bislang solche Maßnahmen gegen keines unserer Mitglieder ergreifen.

Aber werden nicht gerade solche Charaktere vom Sport angezogen? Welche Rolle spielt der Reiz des Risikos im Motocross?

Steines: Der Reiz des Risikos spielt beim Motocross eine sehr untergeordnete Rolle. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei Rennen ist mit circa 50 Stundenkilometern deutlich niedriger als bei anderen Motorsportarten - sogar niedriger als im Straßenverkehr. Vielmehr liegt die Faszination des Sports darin, sich im Wettkampf zu messen und die Streckenverhältnisse gekonnt und kontrolliert zu meistern.