Mulsum, Mode und Marschgepäck

Mulsum, Mode und Marschgepäck

FLIESSEM. Ein Stück Geschichte haben die Milites Bedenses zum fünften Mal beim Römerfest in der Villa Otrang in Fließem lebendig werden lassen.

Die Ruinen des römischen Gutshofs schienen wie belagert: Rund um die Gebäude standen neuzeitliche Autos auf den Wiesen und Weiden, Rauch zog über die Dächer, und zwischen Zelten und Mosaikböden liefen hunderte von Besuchern umher. Manche hatten sich in römische Gewänder gehüllt, ein kleiner Junge sprang im Löwenkostüm umher: Die Villa Otrang hatte sich am Wochenende in ein römisches Feldlager verwandelt.Gleich hinter dem Eingang konnte sich der Besucher an einem Getränkestand mit einem Becher Mulsum, einem römischen Würzwein, auf den Zeitensprung einstimmen. Ein Stück weiter boten stilecht gekleidete Marktleute an ihren Ständen Waren und Dienstleistungen feil: Ein Bäcker verkaufte typische Backwaren wie römisches Brot oder Keltenringe. Immer wieder erklärte er seinen Kunden geduldig, welche Getreidesorten die Römer kannten und welche Zutaten sie für ihre Backwaren benutzten. Überhaupt konnten die Besucher eine Menge lernen. "Für uns sind zwei Dinge besonders wichtig", erklärte Edgar Comes, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Milites Bedenses. "Zum einen versuchen wir so authentisch wie möglich zu sein, andererseits muss auch der Ort für eine Veranstaltung passen." Comes und seine Mannen imitieren das Lagerleben der Legion XXII, die 39 nach Christus gegründet wurde. Dabei tragen sie Kleidung und Rüstungen, die ihren Originalen bis ins Detail nachempfunden wurden: "Wir machen fast alles selbst", sagt Dirk Kuntze, Mitglied des Legionärvereins, und zeigt auf seinen reich verzierten Gürtel. "Bei diesem Gürtel werden alle Einzelteile von einem unserer Mitglieder hergestellt und dann zusammengenietet."Kuntze, im "normalen" Leben Tierarzt, kümmert sich im Verein um die römischen Kulthandlungen. Er war es auch, der am Samstag die Signumweihe am Rathaus in Bitburg vornahm. Anschließend waren einige der römischen Soldaten in voller Ausrüstung und mit über 40 Kilogramm Gepäck per Pedes aus Bitburg Richtung Fließem aufgebrochen. Dort zeigten die Vereinsmitglieder neben Kampf- und Exerzierübungen auch das römische Lager- und Alltagsleben.Römische Legionäre ziehen durch halb Europa

Bei einer Modenschau präsentierten die "römischen" Frauen typische Gewänder und erklärten, wie eine Tunika richtig angelegt wurde - nämlich mit möglichst vielen Falten. "Dafür gab es sogar den Beruf des Faltenlegers", erläuterte die Moderatorin der Schau.Bis Ende September dauert die Saison, in der es die Bitburger Truppe der Legionärssoldaten fast jedes Wochenende zu einem anderen Römerfest verschlägt. Durch halb Europa ziehen die Legionäre, und selbst in Amerika sind sie schon gewesen. "Deshalb machen wir auch das Römerfest so gern. Das sind wir den Bitburgern schuldig", sagt Comes. Als nächstes steht ein Besuch in Bad Göggingen auf dem Programm, und auch bei der diesjährigen Veranstaltung "Brot und Spiele" in Trier werden die Männer und Frauen aus Bitburg wieder mit von der Partie sein.

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