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Muschelsterben: Am Auwer Stausee versucht man, die natürlichen Wasserfilter zu retten.

Natur : Die Muschelsucher vom Auwer See

Am Stausee muss die Mauer saniert werden. Zwecks Prüfung des Bauwerks hat man den Pegel gesenkt. Das bringt vor allem die Muscheln in Gefahr, die im Wasser wertvolle Putzarbeit leisten.

Sie dümpeln im Niedrigwasser, liegen im Schlick – oder dort, wo das Ufer nach Absenken des Pegels schon ganz ausgetrocknet ist: Muscheln aus dem Auwer Stausee.

Viele von ihnen verenden deswegen, falls sie nicht von Vögeln entdeckt und leergefressen werden. Dabei braucht das Gewässer die teils mehr als handtellergroßen Wesen: „Die Muschel ist ein ganz tolles Tier“, sagt Rosi Moser-Berg vom Anglerverband Eifel. „Eine ausgewachsene Teichmuschel filtert jeden Tag 200 Liter Wasser.“

Der niedrige Wasserpegel hat mit der Staumauer zu tun: Die muss auf Schäden überprüft und deshalb freigelegt werden. Und dann ist zu entscheiden, wie umfangreich die Sanierung ausfällt.

Bis dahin aber sind die Muscheln in höchster Gefahr und sollten, wo immer sie auftauchen, ins Wasser zurückgelegt werden. „Ich war auch schon da und habe Muscheln ins Wasser gesetzt“, sagt Rosi Moser-Berg. „Aber du kommst nicht überall dran, da stehst du bis zu den Knien im Schlamm.“

Mit dem Angelverein Auw, sagt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, habe man vereinbart, „dass die da nachschauen“ und sich um die Muscheln kümmern.

Das tun sie auch, wie die Vorsitzende des Vereins, Gisela Schmitz, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: „Wir gehen alle zwei Tage hin und tun sie ins Wasser zurück. Ich hab alles da runtergeschickt.“ Dazu zählten auch die Kinder und Jugendlichen im Verein, mit Schubkarren seien die alle zum See gezogen, um Muscheln zu retten. „Die standen fast bis zum Bauch im Schlamm. Wir tun schon alles, was möglich ist.“

Für Holger Baumgart aus Gerolstein, der oft am See entlangspaziert, ist selbst das aber noch viel zu wenig: Doch, findet er, man komme an alle Muscheln heran, man müsse halt Gummistiefel tragen. Er habe den Eindruck, „dass man die Tiere da verenden lässt“. Baumgart hat, wie er sagt, ebenfalls schon etliche der Tiere gerettet und wieder ins Wasser gesetzt, mehrere Male inzwischen.

Nein, ganz so einfach sei das eben dann doch nicht, sagt Herbert Schneider, der Fischereiberater des Eifelkreises. Weil im und am Stausee so viel Schlamm liege, „kann man nicht jedem zumuten, da hinzugehen“. Und es sei schlicht „schwierig, alle Tiere, die da drin sind, zu retten“.

Zumal es noch ein anderes Tier gibt, das Probleme macht: „Da sind Krebse drin, vermutlich amerikanische, die irgendwann eingeschleppt wurden.“ Und die US-Eindringlinge verbreiten im Wasser ein Bakterium, das die sogenannte Krebspest auslöst, bei heimischen Tieren nämlich: „Der große europäische Flusskrebs“, sagt Schneider, „der ist nicht immun gegen die Krebspest, der leidet darunter.“

Wer aber „auf jeden Fall“ in den See gehöre, sei eben die Muschel. „Die verrichtet wirklich sinnvolle arbeit“, sagt auch Herbert Schneider. Und sie hat einen besondern Freund: einen Fisch. „Der Bitterling lebt mit ihr in Symbiose. Der legt seine Eier in die Muschel rein.“

Der Angelverein und die zuständigen Behörden wollen jedenfalls alles tun, um die Tiere – vom Fisch bis zu heimischem Krebs und natürlich der Muschel – zu erhalten: „Das ist alles schon vorbereitet“, sagt die Vorsitzende. Für den Fall, dass noch mehr Wasser abgelassen werden muss, „stehen vier Teiche bereit“. In die werde dann alles umgesetzt, was aus dem See zu retten sei.

Ende voriger Woche trafen sich dort Vertreter aller beteiligten Behörden – von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord bis zu den Ortsgemeinden Auw und Roth und einem Planungsbüro aus Aachen –, um zu beraten, wie es weitergehen soll. Beschluss: „Wenn der Schaden genau feststeht, wird das Wasser komplett abgelassen“, sagt Michael Niederprüm vom Bauamt der VG, zuständig für die Staumauern. Und dann sollen alle verbliebenen Tiere in andere Gewässer umgesetzt werden. „Wir werden jetzt auch noch einen Biologen einschalten für die wirbellosen Tiere“, darunter Libellen und andere Insekten. „Damit ein Konzept erarbeitet wird, wie da vorzugehen ist.“ Mehr als derzeit sei kaum zu tun für die Muscheln. Der Angelverein, sagt er, habe sich so gut gekümmert wie möglich.

Tote, ausgehöhlte Muschel am Ufer des Auwer Sees. Viele der Tiere werden jetzt von Vögeln gefressen. Foto: Fritz-Peter Linden
Auch dieser Krebs hat das Absenken des Pegels nicht überlebt. Foto: Fritz-Peter Linden

Und dann kommen einige Kosten auf die Gemeinden zu: Denn der See soll zusätzlich auch noch von Schlamm befreit werden. Das, wie auch die Sanierung der Mauer, werde nicht gefördert. Niederprüm rechnet mit „mehreren 100 000 Euro. Das bleibt weitestgehend an den Ortsgemeinden hängen.“