Musicals, Partys und ein Jumbo-Jet

Musicals, Partys und ein Jumbo-Jet

Ein Jumbo-Jet soll zum Restaurant und zwei alte Flugzeughangars zu Hallen werden, die Touristen aus ganz Deutschland nach Bitburg locken: Der Ernzener Unternehmer Erland Knaf hat neue Pläne für den Bitburger Flugplatz. Der Zweckverband Flugplatz Bitburg hat ihm den Weg nun freigemacht.

Bitburg. Schon aus weiter Ferne ist das Dröhnen der Flugzeugmotoren zu hören. Dann kommt die gewaltige Boeing 747 in Sicht. Und das Unglaubliche geschieht: Der Jumbo-Jet nimmt Kurs auf Bitburg und landet …

Nie waren Visionen wie diese unrealistischer als jetzt: Der Traum, in Bitburg einen internationalen Flughafen anzusiedeln, wurde nach fast zwei Jahrzehnten vergeblicher Bemühungen beerdigt. Und die für den Terminal und die Cargohallen reservierten Flächen sollen schon in wenigen Monaten als Gewerbegebiet erschlossen werden. Am Mittwochnachmittag hat der Zweckverband Flugplatz Bitburg entschieden, einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen (siehe Extra).

Dennoch ist der Traum von einem in Bitburg landenden Jumbo-Jet nicht ausgeträumt. Der Ernzener Unternehmer Erland Knaf haucht ihm neues Leben ein. Er hat die Airfield Entertainment GmbH gegründet, die im August zwei unweit der Bitburger Start- und Landebahn gelegene Flugzeughangars erworben hat. Zwar ist das Ganze laut Knaf noch im Planungsstadium, doch würde er gerne folgendes Konzept umsetzen:

Eine der rund 3000 Quadratmeter großen Hallen soll ein Eventcenter werden, das Platz für Mallorca-Partys, Frühlingsfeste, Indoor-Weihnachtsmärkte oder Automobilausstellungen bietet. Die andere ehemalige Flugzeuggarage soll - so die Vision - eine Musicalhalle werden. Knaf schwebt vor, Musicalliebhaber aus ganz Deutschland in die Eifel zu locken (wo mit dem Eifelstern in unmittelbarer Nähe eines der größten Hotels des Landes liegt).

"Aber bis dahin muss sehr viel geregelt werden", sagt Knaf, der bereits ein Brandschutzkonzept in Auftrag gegeben hat und derzeit ermittelt, wie teuer das Ganze wäre. Er rechnet mit einem "dicken siebenstelligen Betrag".Boeing 747 als Attraktion

Der Zweckverband hat bereits entschieden, Knaf den Weg zu ebnen, und am Mittwoch einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht, der auch solche Nutzungen ermöglicht, die nichts mit der Fliegerei zu tun haben. Allerdings hat auch die Fliegerei dank einer großen Boeing 747 einen kleinen Platz in Knafs Vorstellungen. Sollten die Pläne Realität werden, wird eines Tages ein Jumbo-Jet seine letzte Reise Richtung Bitburg antreten, wo er anschließend zum Restaurant umfunktioniert wird und vor der Musicalhalle auf dem Rollfeld stehend zur Touristenattraktion wird. "Wir haben auch schon zwei konkrete Maschinen im Visier", sagt der Unternehmer, der seit kurzem nicht nur in Ernzen, sondern auch am Tower einen Firmensitz hat.Extra

Der Zweckverband Flugplatz Bitburg hat am Mittwochnachmittag den Startschuss für die Erschließung des sogenannten B-Shelters gegeben - eine etwa 26 Hektar große Fläche unweit des Rollfeldes, die bisher für die fliegerische Nutzung reserviert war: Dort sollten Cargohallen und Terminal des Bit-Airports entstehen. Doch das Projekt scheiterte. Nach dem neuen Bebauungsplan können sich dort für 17 Euro pro Quadratmeter Industrie- und Gewerbebetriebe ansiedeln. Bis 2016 sollen insgesamt 5,59 Millionen Euro in Straßen, Grünanlagen, Kanäle und Wasserleitungen fließen. Nach Auskunft von Helmut Berscheid vom Zweckverband gibt es mehrere Interessenten. Auch ist eine 3,4 Hektar große Fläche bereits an ein Bauunternehmen verkauft. Ab Mai 2014 sollen die Arbeiten an einer Straße beginnen, die vom Tower in einem Bogen zur Hans-Bongers-Straße führt. Am 30. Januar wird der dritte Nachtrag zum städtebaulichen Vertrag unterzeichnet, der die Finanzierung aus Mitteln des Bundes (50 Prozent), des Landes (40 Prozent) und des Zweckverbands (zehn Prozent) besiegelt. kahExtra

Erland Knaf betreibt eine Abbruch- und Transportgesellschaft mit etwa 40 Mitarbeitern in Ernzen, zu der auch eine Sandgrube und Steinbrüche gehören. Er ist nicht nur als Abrissunternehmer tätig - so wie beim Abriss der Kylltalbrücke in Trier-Ehrang, sondern er entwickelt auch Bauprojekte. So gehört Knaf das ehemalige Bahnausbesserungswerk in Trier-West, das nun zum Baugebiet wird, oder ein ehemaliges Sägewerk in Hinzerath, auf dessen Fläche inzwischen eine große Photovoltaikanlage steht. kah

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