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„Musik ohne Grenzen“ aus Rittersdorf gastiert in Luxemburger Philharmonie

Kultur : Musik für den Frieden: Warum ein Eifeler Verein in der Philharmonie Luxemburg auftritt

Der Verein „Musik ohne Grenzen“, der seinen Sitz in Bitburg hat, tritt am kommenden Samstag in der Philharmonie in Luxemburg auf. Mit dabei sind 120 Musiker und Sänger - und für viele ist es unter dem Motto „Music for Peace“ der erste Auftritt im Konzerthaus des Nachbarlandes.

  Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährte sich im Jahr 2020 zum 75. Mal. Damit brach eine lange Zeit des Friedens in Europa an, aber es gibt immer noch Krieg und Unruhen auf der Welt, die nicht weniger zu werden scheinen.

„Deshalb ist ein Konzert für den Frieden ein wichtiges Statement. Wir sollten die Erinnerung an diesen schrecklichen Schandfleck der Menschheitsgeschichte aufrechterhalten, ihn immer wieder als Mahnung sehen und die Lehren aus ihm ziehen“, so die Zweite Vorsitzende von „Musik ohne Grenzen“ Diana Lenertz.

Besonders ist an diesem Konzert  nicht nur der Inhalt, sondern dass es von Musikerinnen und Musikern aus der Region, etwa aus Rittersdorf, Wittlich, Aachen, dem Saarland, der Pfalz und Luxemburg gemeinsam gespielt wird. Die Zweite Vorsitzende erklärt: „Die Musiker haben für diese Arbeitsphase eine persönliche Einladung bekommen. Wir haben ihnen die Noten zugeschickt, die sie sich dann selbst erarbeitet haben, bevor es in die Proben ging.“

Es ist das sechste Projekt von „Musik ohne Grenzen“. Bisher haben sie ihre Konzerte in Trier in St. Maximin oder in Echternach im Triofolion vor vollem Haus gegeben.

Dieses Jahr hat sich ihnen die Möglichkeit gegeben, in der Philharmonie in Luxemburg aufzutreten, in der ansonsten das Philharmonische Orchester Luxemburgs, Stardirigenten wie Sir Simon Rattle oder Jukka-Pekka Saraste zu sehen sind.

Rainer Serve, der das Konzert mit Andy Loor dirigiert, erklärt: „Die Philharmonie hat jedes Jahr einige Termine frei. Orchester können sich bewerben, um dort, ohne dass ihnen Kosten entstehen, ein Konzert zu geben.“ Weiter sagt er: „Durch die Zusammenarbeit mit den Chören ,Sängerbond Diekirch‘ und ,Ensemble Vocale Eurocantica‘ konnten wir uns bewerben und sind genommen worden.“  

Jetzt geht es darum, das Orchester, in dem interessierte Laien, Musikstudenten, Musiklehrer und Dirigenten spielen, und die Chöre, die mitwirken, zusammenzubringen. „Die Projekte mit dem Orchester sind immer sehr punktuell. Man trifft sich zu einer Leseprobe, einem Probenwochenende und einer Generalprobe und dann ist schon das Konzert“, berichtet Serve.

„Dazu müssen die Musiker und Sänger sehr konzentriert sein, man muss aufeinander hören und sich in die Musik einfinden. Aber das hat bisher gut funktioniert und wird auch jetzt aufgehen“, ist er zuversichtlich.

Dabei sind die Stücke anspruchsvoll. „Es sind schnelle Synkopen dabei, solistische Passagen und man muss die Konzentration über 60 bis 70 Minuten hochhalten, denn es gibt immer wieder Teile, bei denen einzelne Stimmen nur wenig zu spielen haben“, berichtet Diana Lenertz.

Dabei klingen die Proben schon sehr imposant. Wenn das Holz gemeinsam mit dem tiefen Blech startet und sich langsam eine bedrohliche Kulisse aufbaut, sich die Stimmung durch das Einsetzen weiterer Instrumente aufhellt, die 70 Sänger behutsam mit dazu kommen und sich ein Soloteil mit Oboe und Sängern anschließt, kann man erahnen, was beim Konzert folgen könnte.

Das monumentale Werk „Mass for Peace“ von Karl Jenkins basiert auf Texten der christlichen Liturgie, aber enthält auch Auszüge aus islamischen und jüdischen Schriften. Ein Film im Hintergrund wird die Musik unterstreichen.

Neben der Messe, die aus 13 Sätzen besteht, werden weitere Stücke zu hören sein, etwa „Hymne to the fallen James Ryan“.

Für die Musiker von „Musik ohne Grenzen“ ist es inzwischen fast normal, bei außergewöhnlichen Konzerten, beispielsweise in den Jahren 2015 und 2017 mit den Roxxbusters, dabei zu sein oder mit Kollegen aus den Nachbarländern zusammen Musik zu machen. „Im Kreis Bitburg-Prüm ist eine so gute Seminarstruktur, da spielen immer wieder Menschen aus verschiedenen Orten, Kreisen oder Ländern zusammen“, weiß Diana Lenertz.

Aber mit einem Auftritt in der Philharmonie ist dem Verein wieder ein besonderer Anreiz gelungen. „Von den Musikern, die hier dabei sind, hat bisher kaum einer in der Philharmonie musiziert. Das ist für viele ein einmaliges Erlebnis, das in Erinnerung bleiben wird.“