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Echternach: „Musik war unsere Nahrung“

Echternach : „Musik war unsere Nahrung“

Musik hält die Erinnerung  wach: 400 Zuhörer haben der sechs Millionen ermordeten Juden gedacht. Mit Musik von jüdischen Komponisten, die zum Teil sogar im Angesicht des Todes geschaffen wurde.

„Musik war unsere Nahrung. Durch das Musizieren sind wir am Leben geblieben“, sagte die Pianistin Alice Herz-Sommer auf die Frage, wie man es fertig bringt. im KZ Musik zu machen. 1943 wurde die Pianistin aus Prag zusammen mit ihrem Sohn ins Lager Theresienstadt geschickt. Dort musizierte sie weiter, für die Wachmannschaft und die Lagerinsassen. Um zu überleben.

Sie war bei weitem nicht die einzige, die im Angesicht des Todes komponierte, sang und musizierte. Ihrer gedenkt man am Holocaust-Gedenktag  im Trifolion. In der 16-teiligen Kulturreihe „Judeum Epternacum“, in der Echternach an seine jüdische Geschichte erinnert, bringen Musiker und Sänger Musik jüdischer Komponisten sowie mit Bezug zur jüdischen Kultur in wechselnden Ensembles auf die Bühne.

Im Schein der zu Beginn des Konzert entzündeten sechs Kerzen  auf der Menora, dem  siebenarmigen Leuchter, der eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums ist, lauschen 400 Besucher der Musik zweier Komponisten, die den Lageralltag nicht überlebt haben: Hans Krása starb 1944 in Theresienstadt, Leo Smit 19433 in Sobibor. Die Streicherinnen, die Flötistin  und die Harfenistin des Ensembles Sachor lassen Impressionistisches erklingen, Tonfolgen drängen in den Vordergrund, um gleich danach wieder zu verhauchen und einem anderen Instrument den Vortritt zu lassen. Die Musik schwebt im Raum, lässt Raum für Assoziationen. Und Gedanken an die Menschen hinter der Musik.

Zum Beispiel an den Niederländer Marius Flothuis (1914 bis 2001), der vielen jüdischen Musikern half, sich zu verstecken und Konzerte organisierte, um Geld für den Widerstand zu sammeln. Dessen Sonata da Camera, opus 42, erklingt auf der Bühne, während im Hintergrund auf der Leinwand ein Bild aus der Gedenkstätte Yad Vashem gezeigt wird. Unzählige Porträts gequälter, erniedrigter, getöteter Juden.

Der Chor Ambitus aus Echternach unter Leitung von Roby Schiltz erinnert an sie zu Beginn des zweiten Konzertteils  – unter anderem mit  mit vertonten Gedichten von Ilse Weber, eine tschechoslowakische deutschsprachige jüdische Schriftstellerin, die 1944 in Auschwitz vergast wurde.  Moderator Jean Peffer, der im zweiten Teil des Konzerts durchs Programm führt, erzählt ihre Geschichte und verweist auf  Jean-Marie Kieffer, der die Gedichte für den Echternacher Chor arrangiert hat. Unter anderem „Ich wandre durch Theresienstadt“, das die Sehnsucht nach Rückkehr beschreibt. Die rund 30 Sängerinnen und Sänger  interpretieren auch das Wiegenlied „Weigala“, das Weber beim Gang in die Gaskammer für ihren Sohn und die anderen Kinder gesungen haben soll - zurückhaltend, ohne Pathos, aber eindringlich.

Auch das wohl bekannteste Lied, das im KZ im Widerstand entstand, ist das von Rudi Goguel, Wolfgang Langhoff und Johann Esser im Konzentrationslager Börgermoor geschriebene „Wir sind die Moorsoldaten“, das die Männer des Chors Ambitus singen.

Berührend ist der Auftritt der Echternacher Stadtmusik (Harmonie Municipale), die  das Hauptmotive aus Schindlers Liste von John Williams  spielt. Solistin ist Elsa Skenduli an der Geige. Unterstützt von Solisten aus den eigenen Reihen und des Ensembles Sachor  stehen Werke von Edward Elgar und Enio Morricone auf dem Programm. Eddas Benedictus aus der Friedensmesse des walisischen Komponisten Karl Jenkins, begleitet von zwei Cellisten, bildet den Abschluss des Konzerts, das die Zuhörer mit starkem Applaus würdigen.

Im Forum des Trifolion versammeln sie sich anschließend zum Austausch und um sich die Ausstellung „Beetween Shade and Darkness - Das Schicksal der Juden Luxemburgs von 1940 bis 1945“ anzusehen. Der Verein Memo Shoah hat Publikationen und  Informationen Gepäck. Hier und da entwickeln sich Gespräche über die lange, allzu gern verdrängte Geschichte, an die  in Echternach an diesem Tag würdig und auf vielfältige Art erinnert wurde. Die Reihe geht weiter – mit zwölf weiteren Veranstaltungen, die an etwas erinnert, das nicht vergessen werden darf.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe ist am Donnerstag, 1. Februar, um 20 Uhr im Trifolion. Hermann Simon liest aus „Untergetaucht - Eine Frau überlebt in Berlin 1940 bis 1945“. Eintritt: 19 Euro (11 Euro ermäßigt).

 Noch bis 9. Februar zu sehen:die Ausstellung „Beetween Shade and Darkness“.
Noch bis 9. Februar zu sehen:die Ausstellung „Beetween Shade and Darkness“. Foto: Tv/Ulkrike Löhnertz

Die Ausstellung „Beetween Shade and Darkness - Das Schicksal der Juden Luxemburgs von 1940 bis 1945“ ist noch bis 9. Februar zu sehen. Geöffnet dienstags und donnerstags, von 13 bis 17 Uhr, Trifolion. Eintritt frei.