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"Mut finden und sich organisieren": Selbsthilfegruppe für Stomaträger und Darmkrebspatienten feiert 30. Jubiläum

"Mut finden und sich organisieren": Selbsthilfegruppe für Stomaträger und Darmkrebspatienten feiert 30. Jubiläum

Mit einem Fest in der Grillhütte in Steinborn (Eifelkreis Bitburg-Prüm) hat die Regionalgruppe Eifel-Mosel-Hunsrück des Deutschen Ilco e.V. ihr 30. Jubiläum gefeiert. In der Selbsthilfevereinigung treffen sich Stomaträger (siehe Extra) und Menschen mit Darmkrebs, sie tauschen Erfahrungen aus, helfen und unterstützen sich gegenseitig. Die Gruppe lebt vom Engagement der Betroffenen, wie auch die Festredner betonten.

Steinborn. Es ist ein Tabuthema und damit beschäftigen mag sich in der Regel niemand - erst wenn man selbst oder Familienangehörige betroffen sind. Zunächst erschüttert die Diagnose Darmkrebs, es folgen Operation, Reha und oft eine quälende Chemotherapie. Dann sehen sich die Betroffenen allein mit der schwierigen Situation "Stoma" konfrontiert: Der "künstliche Ausgang" droht Lebensfreude und Lebensqualität zunichte zu machen.
So erging es auch Werner Reiss aus Kröv. Vor 13 Jahren wurde bei dem damals 62-Jährigen bei einer Vorsorgeuntersuchung Darmkrebs festgestellt, er wurde operiert. In der Reha stellten die Ärzte fest, dass das Stoma ungünstig verlegt war. Es gab Probleme mit den Beuteln, Hautentzündungen waren eine Folge. "Da war ich am Boden zerstört. Ich dachte, ich kann überhaupt nichts mehr machen", blickt Reiss heute zurück. Musizieren und Beruf musste er aufgeben. Er lernte, mit der Krankheit zu leben und empfiehlt neu Betroffenen: "Rechtzeitig zur Vorsorge gehen und aktive Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe wie der Ilco."Erfahrung mit Schmerz


Auch Resi Meerfeld hat schmerzliche Erfahrungen machen müssen. "Das Wichtigste ist dann, die Situation zu akzeptieren und jeden Tag das Beste daraus zu machen", erinnert sie sich. Und mit den heute verfügbaren Hilfsmitteln sei das auch sehr gut machbar. "Seitdem ich das richtig organisiere, kann ich gut damit leben", resümiert Meerfeld und empfiehlt Betroffenen insbesondere auch Geduld: "Mit sich selbst und mit dem Verlauf insgesamt. Wer sich unter Druck setzt, hat mehr Probleme."
Rund 60 Mitglieder der Regionalgruppe Eifel-Mosel-Hunsrück waren aus der Großregion nach Steinborn gekommen. Schirmherr Bürgermeister Josef Junk und der Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder als Festredner lobten das Engagement der Vereinsverantwortlichen.
Sie sprachen von großem Respekt und wertvoller Hilfestellung. Es sei wichtig, bei dem Einschnitt in das gewohnte Leben nicht zu resignieren. Die Ilco-Gruppe biete hier wertvolle Unterstützung.
"Wir wünschen uns Kraft, Mut und Ausdauer für alle, die sich ehrenamtlich engagieren, und dafür, diese guten Eigenschaften an andere Betroffene weitergeben zu können", sagte Gruppensprecher Hans-Ludwig Folscheid. Verdiente Mitglieder erhielten eine Auszeichnung. Feiern und Teilnahme am "normalen Leben", das ist für alle Beteiligten ganz wichtig. RHExtra

Der Begriff "Stoma" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Mund" oder "Öffnung". Bezeichnet wird damit eine durch eine Operation geschaffene Körperöffnung, durch die ein kleines Stück des Darms oder des Harnleiters nach außen auf die Hautoberfläche ausgeleitet wird. Anstatt über den ursprünglichen Weg, wird Stuhl oder Urin über diese neu geschaffene Öffnung aus dem Körper herausgeleitet. In Deutschland gibt es rund 130 000 betroffene Menschen. Die Deutsche Ilco e.V. Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs wurde 1972 gegründet. Die Regionalgruppe Eifel-Mosel-Hunsrück gibt es seit 1985. Bei der Gründung gab es 27 Mitglieder, heute zählt die Gruppe rund 90 Mitglieder. RH