Mutmaßliche Polizeigewalt in Prüm - Ermittler finden Urheber des Videos

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv : Ermittler finden Urheber des Prümer Prügelvideos

Nach dem mutmaßlichen Fall von Polizeigewalt in der Eifel-Stadt ist der Polizei nun ein wichtiger Zeuge bekannt: der Mann, der den Film gemacht hat, der zu den Ermittlungen gegen einen Bundespolizisten geführt hat.

Peter Fritzen, Leitender Oberstaatsanwalt in Trier, sagt knapp drei Wochen nach einer gewalttätigen Festnahme in Prüm auf Anfrage von volksfreund.de, dass die Ermittler inzwischen den Urheber des Videos identifiziert haben, das zu den Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt geführt hatte. Der 32-sekündige Film zeigt, wie ein Bundespolizist bei einer Festnahme auf einen am Boden liegenden Mann eintritt und -schlägt. Laut Fritzen haben die Ermittler das Smartphone sichergestellt, mit dem das Video aufgenommen wurde.

Fritzen betont: „Beim Urheber handelt es sich um eine Person, die zufällig Zeuge des Vorfalls geworden ist. Sie steht weder mit der gefilmten Festnahme noch mit dem vorangegangenen Geschehen in Verbindung.“ Einzelheiten über den Urheber des Videos könne er mit Blick auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht mitteilen.

Mutmaßlicher Fall von Polizeigewalt in Prüm
Augenzeugin äußert sich zu gewalttätiger Festnahme in Prüm

Mit dem vorhergegangenen Geschehen meint Fritzen die wilde Verfolgungsjagd, die sich drei Franzosen in ihrem BMW mit zwei Fahrzeugen der Bundespolizei quer durch die Eifel geliefert hatten, weil sie vor einer Drogenkontrolle flüchten wollten. In Prüm endete die Jagd mit einem Zusammenstoß Dann folgte die Festnahme, wegen der gegen den Beamten ermittelt wird. Gegen die Franzosen wird unter anderem wegen mehreren Verkehrsverstößen und des Besitzes geringer Mengen Marihuana ermittelt.

„Das Video wird zurzeit kriminaltechnisch untersucht“, erläutert Fritzen weiter. Diese Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen. Neben dieser technischen Beweisauswertung dauerten die Vernehmungen der Zeugen und Beteiligten an. „Zwischenergebnisse aus einzelnen Vernehmungen können nicht mitgeteilt werden, da dies die Ermittlungen beeinträchtigen könnte“, sagt Fritzen.

Neben dem strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft drohen dem Beamten auch dienstrechtliche Konsequenzen. Auf Anfrage bei der zuständigen Behörde, der Bundespolizeidirektion in Koblenz, erklärt eine Polizeisprecherin: „Reagiert wird natürlich, aber wir können keine Aussage dazu treffen, solange das Verfahren läuft.“ Die Frage, ob der verdächtigte Beamte weiter im Dienst sei, lässt die Bundespolizei unbeantwortet.

Die Aussagen einer Zeugin, die gegenüber dem TV ihre Version des Vorfalls geschildert hatte, lässt darauf schließen, dass weitere Beamte – zumindest indirekt – den mutmaßlichen Gewaltausbruch ihres Kollegen unterstützt haben (der TV berichtete). Auf Nachfrage, ob die Staatsanwaltschaft gegen weitere Beamte ermittele, erklärt Chefermittler Fritzen: „Das Ermittlungsverfahren richtet sich zur Zeit nur gegen einen Beschuldigten.“

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