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Mysteriöses Fischsterben in Mettendorf

Mysteriöses Fischsterben in Mettendorf

Wenn Forellen auf dem Rücken schwimmen, ist das kein gutes Zeichen, denn dann sind sie meist schwer krank oder schon tot. Die Pächter von elf Fischteichen in Mettendorf haben in den zurückliegenden Wochen 700 verendete Forellen, die mit dem Bauch nach oben auf den Zuchtteichen trieben, mit Keschern herausgeholt und das Sterben geht weiter, denn die Ursache ist ungeklärt.

"Auch Forellen spüren Schmerzen. Man sieht, wie sie leiden, sich in die dunklen Ecken des Teiches verkriechen, um dort zu sterben. Das macht mich traurig", sagt der Mettendorfer Anton Pelzer. Das mysteriöse Fischsterben, das seit Wochen in den elf Zuchtteichen am Ortsrand von Mettendorf vor sich geht, trifft den 80-Jährigen schwer. Er bewirtschaftet die Zuchtteiche gemeinsam mit drei weiteren Mettendorfern.

Die Zucht von Lachs- und Bachforellen und auch Saiblingen ist seit Jahren sein großes Hobby. "Jetzt habe ich schon gar keine Lust mehr, zu den Teichen zu gehen. Denn jeden Tag treiben wieder tote Forellen auf der Wasseroberfläche, die wir mit dem Kescher rausholen und entsorgen müssen." Bislang seien etwa 700 der 1300 Zuchtforellen verendet, sagt Pelzer. Insbesondere die Jungfische habe es dahingerafft. Pelzer: "Die Saiblinge sind im Gegensatz zu den Bach- und Regenbogenforellen seltsamerweise alle gesund geblieben." Angefangen habe das Fischsterben mit den Unwettern und dem Starkregen, die seit Wochen über die Eifel ziehen, erzählt Pelzer. Die vier Mettendorfer haben alles geprüft: den Sauerstoffgehalt des Wassers, den Härte- und Säuregrad sowie viele weitere Wasserwerte. "Das ist alles in Ordnung. Eine Fischkrankheit können wir auch ausschließen."

Deshalb können Pelzer und sein Forellenzuchtkollege Claude Thiry über die Gründe nur spekulieren. "Vielleicht sind es Fäkalien, Tenside, Lösungsmittel oder Gülle? Wir wissen es nicht", sagt Thiry. Die Fische sähen jedenfalls so aus, als seien sie erstickt, meint Thiry. "Die sind in voller Farbenpracht gestorben. Die Kiemen sahen aber komisch aus, nicht so rot wie bei gesunden Fischen, sondern eher rosa." Die Schleimhaut der Kiemen sei bei den kranken und toten Tieren stark angegriffen gewesen, meint auch Pelzer. Ungewöhnlicher weißer Schaum Es sehe jedenfalls so aus, sagt er, als seien die Fische vergiftet worden. Auf der Wasseroberfläche treibe neuerdings auch ein ungewöhnlicher weißer Schaum. Pelzer: "Ich meine, das Wasser stinkt auch etwas nach Fäkalien." Um die genaue Ursache zu klären, hat die Polizeiinspektion Bitburg deshalb aus den elf Teichanlagen Wasserproben entnommen und den Fall an die Kriminalpolizei Wittlich übergeben. Die Wasserproben seien zur Auswertung in ein Labor geschickt worden, sagt Wolfgang Zenner, Pressesprecher der Polizeiinspektion Bitburg. "Uns wundert, dass die Polizei die Fische selbst nicht untersucht und keine Proben von den toten Tieren genommen hat", sagt Pelzer. Die Züchter wollen deshalb jetzt selbst die Initiative ergreifen und eine tote Forelle über einen Tierarzt von einem Labor untersuchen lassen. Bis heute haben die Mettendorfer also noch keine Antwort auf die Frage, welcher für die Fische giftiger Stoff von wo aus und auf welchem Weg ins Wasser gelangt ist. Die elf Zuchtteiche am Waldrand von Mettendorf liegen im abfallenden Gelände in einer Reihe hintereinander. Sie werden nicht aus einem Bach, sondern aus einer Quelle gespeist. Sie sprudelt nur wenige Meter vom obersten Zuchtteich entfernt aus dem Waldboden. Pelzer: "Ganz in der Nähe, etwa einen Kilometer entfernt, liegt auch unsere Trinkwasserquelle."

Die zuständigen Wasserwerke, Kommunale Netze Eifel, erfahren durch die TV-Anfrage zum ersten Mal etwas von der Problematik in der nahegelegenen Fischzucht. Man werde das Mettendorfer Trinkwasser umgehend untersuchen, erklärt ein Mitarbeiter gegenüber dem TV. Obwohl sich das Wasser in den Teichen durch den Quellfluss ständig austauscht, sterben noch immer jeden Tag etwa 20 Fische. Thiry: "Das sind zwar weniger als zu Beginn, aber wir können absolut nichts machen. Da verenden 60 Zentimeter lange Lachsforellen, die wir seit Monaten mit teurem Spezialfutter gefüttert haben, damit sich das Fleisch schön rosa färbt. Manche sind schon mehrere Jahre alt. Das tut mir richtig weh." Doch die Züchter haben auch den Appetit auf die lebendigen und scheinbar noch gesunden Forellen verloren. Thiry: "Bis die Laborergebnisse da sind und solange wir nicht wissen, was mit den Tieren los ist, landen die auch nicht mehr in der Pfanne."

Da es sich bei der Fischzucht um ein privates Hobby der vier Männer handelt, der Fisch nicht verkauft wird, sondern nur die Familie, Bekannte und Freunde damit versorgt werden, können die Hobbyfischzüchter ohne große Not zu leiden, die Untersuchungsergebnisse abwarten. Den finanziellen Schaden könne man nicht genau beziffern, meint Thiry. Er liege aber mit Sicherheit bei mehreren Tausend Euro. Thiry: "Und mal sehen, was da noch auf uns zukommt."