Nach 100 Jahren heißt es Abschied nehmen

Nach 100 Jahren heißt es Abschied nehmen

Seit 100 Jahren gibt es in Waxweiler das Alten- und Pflegeheim Herz Jesu. Die Jubiläumsfeier liegt erst wenige Wochen zurück. Nun haben die Schwestern vom Heiligen Geist schweren Herzens bekannt gegeben, dass sie sich aus der Heimleitung zurückziehen werden. Der Grund sei fehlender Nachwuchs und das hohe Alter der beiden verbliebenen Schwestern.

Waxweiler. (sn) Der Generaloberin der Schwestern vom Heiligen Geist mit Sitz in Koblenz-Marienhof, Sapientia de Hasque, fiel es sichtbar schwer, die bevorstehende Schließung des Schwesternkonvents im Herz Jesu Alten- und Pflegeheim in Waxweiler bekannt zu geben. "Es gehört zu den schwersten Stunden einer Ordensgemeinschaft, wenn sie, wie in den vergangenen Jahren so oft schon, wieder einmal eine ihrer Niederlassungen schließen und die Schwestern zurückziehen muss", sagte sie.

Die Entscheidung resultiere daraus, dass die Schwestern aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und so mancher dadurch bedingten gesundheitlichen Beeinträchtigung ihre bisherigen Dienste nicht mehr leisten können. Außerdem bleibe der Ordensnachwuchs in Deutschland seit Jahren aus. "Uns ist bewusst, dass die Ordensschwestern die Atmosphäre in diesem Haus positiv mitgeprägt haben und ihr Ausscheiden eine Lücke hinterlässt, die sicherlich nicht leicht zu schließen ist", sagte sie.

Darum bemüht, den Weggang der Schwestern dennoch so gut wie möglich zu kompensieren, ist die Caritas Trägergesellschaft Trier (ctt), Träger des Altenheims seit 1996. Burkhard Nauroth, stellvertretender ctt-Vorstandsvorsitzender, betonte, dass man für das kommende Jahr den Schwerpunkt auf die Umsetzung einer Seelsorgekonzeption und Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter gesetzt habe. Er weiß: "Eine Schwester kann man nicht ersetzen. Trotzdem wollen wir versuchen, für ein Mehr-Angebot zu sorgen."

Neben den zwei Gottesdiensten in der Woche hat Pfarrer Georg Müller sich bereit erklärt, danach für Gespräche bereitzustehen. Auch sein evangelischer Kollege, Pfarrer Friedebert Seibt, signalisierte, dass er Gottesdienste übernehmen könne. Zurzeit besuchen ehrenamtlich 21 Frauen regelmäßig die Menschen im Heim. Die Zahl der Ehrenamtlichen erweitern und die Frauen intensiver auf ihre Tätigkeit vorbereiten möchte zukünftig Gemeindereferentin Hilde Telkes.

Die Heimleitung übernimmt ab Januar Martina Schoden, die zuvor bereits Stellvertreterin von Schwester Cordula Harres war. Die Schwester wird am 6. März offiziell verabschiedet und kehrt zurück ins Mutterhaus. Bereits vor einigen Wochen ist Schwester M. Athanasia aus Krankheitsgründen vorzeitig ins Mutterhaus zurückgekehrt.

Verbandsbürgermeister Patrick Schnieder sagte, er sei froh, dass es mit der christlich fundamentierten Ausrichtung weitergehe. Die spirituelle und religiöse Begleitung sei bisher das Markenzeichen des Hauses gewesen.

"Die Mitarbeiter sind sehr betroffen über den Weggang der Schwestern", sagte Helga Berg von der Mitarbeitervertretung. So eine Lücke sei nicht zu schließen. "Die Schwestern waren einfach da, die haben nicht nur ihre Schicht gemacht. Sie waren 24 Stunden am Tag erreichbar, ein Anruf hat genügt."

Neben dem guten Willen, die Lücken, die die Schwestern hinterlassen, zu füllen, bleibt die Vision von Schwester Sapientia: "Ich hoffe auf eine Zeit, in der die Verantwortlichen der Ordensgemeinschaften nicht kommen müssen, um Schwesternstationen zu schließen, sondern um neue christliche Oasen zu eröffnen."

Meinung

Gottes Helfer sind auf dem Rückzug

Ordensschwestern und -brüder mitten unter uns - das war vor einigen Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Sie prägten Dorf- und Stadtbild, leiteten Krankenhäuser und Altenheime, taten Gutes, waren ein Segen für jede Einrichtung. Heute sind sie nur noch vereinzelt präsent. Der fortschreitende Alterungsprozess und das Fehlen von Nachwuchs führen dazu, dass Niederlassungen aufgegeben werden, "Gottes Bodenpersonal" immer häufiger den Rückzug antreten muss. Anderen zu dienen, ganz für seinen Glauben zu leben, keinen Besitz zu haben - es scheint heute in Deutschland schwer zu sein, Menschen zu finden, die sich dazu berufen fühlen. Jetzt liegt es an der weltlichen Gemeinschaft, die Aufgaben zu übernehmen, die Gottes Helfer bisher für sie erledigt haben. s.glandien@volksfreund.deEXTRA Am 1. September 1909 wurde der Grundstein für ein Krankenhaus in Waxweiler gelegt. Die Schwestern vom Heiligen Geist aus Koblenz-Marienhof übernahmen den Betrieb des Hauses. 1931 musste das Krankenhaus schließen, da die Einrichtung nicht mehr den modernen Anforderungen genügte. Die Räume wurden als Altenheim eingerichtet. Heute umfasst das Herz Jesu Alten- und Pflegeheim 97 Langzeitpflegeplätze. Um die Bewohner kümmern sich 86 Altenpflegerinnen. Um das Pflegeangebot stetig zu verbessern, soll ein Qualitätsmanagementsystem bis Ende 2011 umgesetzt werden. (sn)