Nach dem Hochwasser: ein Besuch auf der Anlage in Lünebach

Kostenpflichtiger Inhalt: Archiv Juni 2018 : Nach dem Hochwasser: Wie soll es im Eifel-Zoo weitergehen?

Ertrunkene Tiere, beschädigte Anlagen: Der Eifel-Zoo in Lünebach kämpft nach dem Hochwasser vom 1. Juni 2018 um sein Fortbestehen. Der TV hat die Einrichtung besucht und mit Eignerin Annemie Wallpott gesprochen.

Als wüssten die Tiere genau, was los ist: Löwenmännchen Malor – den wir im TV schon als frischgeborenes Baby präsentierten – liegt in der Sonne und schaut in die Welt, als habe ihn eine tiefe Melancholie ergriffen. Die Kamerunschafe stimmen einen Chor an. Klingt wie ein Klagemeckern. Und die Waschbären blicken ganz verhuscht.

Niemand weiß heute, vier Wochen nach der großen Flut, wie es mit dem Zoo weitergeht. Und ob überhaupt. Auch nicht Eigentümerin Annemie Wallpott, Witwe des voriges Jahr gestorbenen Zoogründers Hans Wallpott. „Das ist das Lebenswerk meines Mannes“, sagt die 78-Jährige beim Gespräch mit dem TV auf der Terrasse des Zoocafés. „Und er fehlt. Sein Einsatz. Seine Ideen.“

Banger Blick: einer der Waschbären im Eifel-Zoo. Foto: Fritz-Peter Linden

Und sein Beistand: Das Hochwasser vom 1. Juni, dem Tag nach Fronleichnam, hat etliche Tiere in den Tod gerissen. Sie alle lebten bis dahin im mittleren, tiefer gelegenen Abschnitt des Zoos, durch den der Bierbach an normalen Tagen höchstens plätschert.

Der Eifel-Zoo: Brücken zerstört, Wege kaputt, Geröll überall. Foto: Fritz-Peter Linden

Die kleinen Präriehunde – sie ertranken in ihren Erdlöchern. Die Schneeeulen, „die sind überrascht worden“, sagt Anmemie Wallpott. „Die Flut kam so plötzlich, dass sie wahrscheinlich an die Wand gedrückt worden sind. Und da war’s vorbei.“ Wie auch für die Hühner des Zoos, mitsamt ihrer Küken. Und viele Tiere aus dem „Zookindergarten“, kleine Schafe und Ziegen. Nur das junge Mufflon rettete sich noch in den nahen Hang.

Blick in den Zoo-Bahnhof, vorbei an den Lokomotiven. Dahinter: Geröll und angeschwemmtes Holz. Foto: Fritz-Peter Linden

Auch die Nasenbären überlebten, die Waschbären, das Wild, die Großkatzen und die Nutrias, die sich schwimmend aus ihrem überfluteten Gehege retteten. Und die beiden Stachelschweine: „Eins saß bei mir im Keller“, sagt Annemie Wallpott, deren Haus am Rand der Anlage steht.

Kein Mike mehr: Das stark beschädigte Gehege des Kragenbärs. Der beliebteste aller Zoobewohner lief am Hochwassertag hinaus und wurde erlegt. Foto: Fritz-Peter Linden

„Das ging ja so schnell“, erinnert sie sich an den Morgen des 1. Juni, als der Bierbach den gesamten Mittelteil der Anlage überschwemmte. „Kurz nach sechs. 20 Minuten. Es war ein Rauschen, da dachte ich: Das sind die Bäume. Und dann guckte ich am Fenster raus, da lief das Wasser schon durch das Tal.“

Zukunft ungewiss: Zoo-Eigentümerin Annemie Wallpott. Foto: Fritz-Peter Linden

Bald verbreitete sich die Nachricht, die beiden Löwen, die zwei Tiger und der Jaguar seien aus ihren Gehegen verschwunden. Alles falsch – „wir hatten nur gesagt: Wir wissen nicht, was mit denen ist“, sagt Annemie Wallpott. Aber eine Panikmeldung verbreitet sich eben schneller als die Wahrheit. Und bleibt länger in der Welt.

Klagelied: die Kamerunschafe des Eifel-Zoos. Foto: Fritz-Peter Linden

Dramatisch war es trotzdem. Für die Tiere: Die Löwen hatten sich auf Kletterelemente draußen im Gehege gerettet. Die Tiger, Fritz und Ulla, waren in ihr Haus geflüchtet und drinnen auf die Aufbauten geklettert, als das Wasser um sie herum immer höher stieg. Am Ende, sagt Annemie Wallpott, „hatten sie nur noch ein Stückchen Kopffreiheit bis zur Decke, wo sie noch Luft holen konnten“.

Schwere Schäden: Der Eifel-Zoo kämpft um seinen Fortbestand. Foto: Fritz-Peter Linden

Und dann, ja, dann habe sie den Knall gehört. Es war der Schuss, mit dem Kragenbär Mike erlegt wurde. Mike hatte sich zuerst auf den Baum in seinem Gehege gerettet, war dann aber herabgeklettert. Und durch eine Lücke im beschädigten Gatter rausgeschwemmt worden.

Schwere Schäden: Der Eifel-Zoo kämpft um seinen Fortbestand. Foto: Fritz-Peter Linden

Das alles, während die Fluten durch die Anlage strömten. Betäuben? Mike, so vermutet Annemie Wallpott, wäre ertrunken. Aber er durfte auch nicht aus dem Zoo hinauskommen. Es war eine schwierige Entscheidung.

Foto: Fritz-Peter Linden

„Aber wir reden hier nicht von einem langsam ansteigenden Hochwasser“, sagt Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld. „Das war eine Flut.“ Und eine „absolute Gefahrenlage“. Er bescheinigt den Verantwortlichen, korrekt gehandelt zu haben.

Annemie Wallpott dankt unterdessen dem Bürgermeister, der ihr von Anfang an sehr geholfen habe.

Wie auch die Feuerwehr, die Mitarbeiter, die anderen Helfer. In Köln sammelt die Bürgervereinigung Ehrenfeld Geld und will Annemie und ihre Tochter, Zooleiterin Isabelle Wallpott, unterstützen.

Denn alles, was Unternehmer Hans Wallpott einst verdiente – es steckt im Zoo. Der Schaden aber an Wegen, Brücken Bauten, geht mindestens in die Hunderttausende. Aber noch gibt Annemie Wallpott nicht auf: „Ich will wenigstens einen Teil wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Es soll, irgendwie, weitergehen. Ob das klappt – und zwar bald, denn es ist Ferienzeit –, sie weiß es nicht.

Der See in der Nähe des Zoo-Eingangs ist noch immer völlig verschlammt, die Fischreiher fliegen hin und her, drumherum schnattert die Gänseschar. „Der müsste eigentlich abgelassen werden“, sagt Annemie Wallpott. „Ich weiß nicht, was da noch alles drinliegt.“

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