Nach dem Melken kommt das Schröpfen

Die Molkereien und die Lebensmitteleinzelhandelsketten verhandeln derzeit wieder um die Preise für die Milchprodukte. Um ihrer Forderung nach einem fairen Milchpreis Nachdruck zu verleihen, laufen deshalb bundesweit Aktionen von landwirtschaftlichen Verbänden. Eine davon war am Dienstagnachmittag auf einem Hof in Leidenborn.

Leidenborn. (uhe) "Meine Milch ist mehr wert!", steht auf dem Schild, das der Vorsitzende des Bitburg-Prümer Kreisbauernverbands, Michael Horper, zunächst in der Hand hält. Die Botschaft ist klar, aber möglicherweise für einen Mann wie Horper nicht deutlich genug. Auf jeden Fall legt er das Schild wieder zurück und nimmt sich dafür ein anderes. Mit der Botschaft "Die Discounter brechen uns das Genick!" zieht er dann in den Stall, wo sich weitere Mitglieder des Bauernverbands, aber auch zwei Vertreter der großen Molkereien Milchunion Hocheifel sowie der Hochwald-Milchwerke zu einem Fototermin versammeln. Es ist der Stall der Familie Schwalen in Leidenborn (Eifelkreis Bitburg-Prüm), in dem an diesem Nachmittag die Forderung nach einem stabilen Milchpreis fotografisch dokumentiert werden soll. Menschen mit Schildern, links und rechts Kühe, und über allem ein kurzes Blitzgewitter. Dann marschieren alle zum Haus, in das Wohnzimmer der Schwalens, wo am oberen Ende des Tischs Leo Blum, der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Platz nimmt. "Es kann nicht sein, dass Milchprodukte als Ramsch- und Lockmittel angeboten werden, um die Kunden in die Discounter zu locken", sagt Blum. "Hier geht es nicht darum, dass Bauern sich die Taschen voll laden, sondern darum, dass sie überhaupt eine Chance haben", fügt er hinzu, und verweist auf die vielen Milchlandwirte, die nach dem lang ersehnten Anstieg der Milchpreise im vergangenen Jahr weiter in ihre Betriebe investiert hätten. Doch jetzt, wo erneut Preisverhandlungen zwischen dem Lebensmitteleinzelhandel und den Molkereien laufen, sieht es so aus, als werde die Schmerzgrenze, die aus Sicht der Landwirte bei 40 Cent pro Liter liegt, erneut in Richtung Weniger unterschritten. Grund dafür ist nach Aussage Blums der Umstand, dass die Nachfrage geringer sei als das Angebot. Keine gute Ausgangsposition

Diese Schwankungen seien völlig normal, erklärt Horper, der sich jedoch wie Blum darüber ärgert, dass die Discounter die Preisverhandlungen mit den Molkereien bewusst zu dem Zeitpunkt ansetzen würden, wo es in der Milchproduktion leichte Überkapazitäten gibt."Wir hatten zwar im vergangenen Jahr die Preiserhöhung, doch durch die steigenden Energie- und Rohstoffpreise sind die zu zwei Dritteln schon wieder aufgebraucht", sagt Landwirt Hermann Schwalen, so dass der derzeitige Milchpreis gerade einmal ausreiche, um den Betrieb über Wasser zu halten. Auch er hofft, dass die Molkereien bei den laufenden Preisverhandlungen hart bleiben. Einer derjenigen, von dem Härte verlangt wird, ist Hans-Jürgen Sehn, Aufsichtsratsvorsitzender der Hocheifel-Milchwerke. Als "eine sehr nervenaufreißende Sache" bezeichnet er die Verhandlungen, zu deren Zwischenstand er allerdings nicht viel sagen will. "Wir haben 115 Anbieter auf der Molkereiseite", sagt Sehn, "und da jetzt über Zahlen zu sprechen, das wäre fatal." Denn den vielen Molkereien stehen nur wenige große Einzelhandelsketten gegenüber, welche die Milch dort einkaufen, wo sie am billigsten ist. Und die bereits abgeschlossenen Verhandlungen bei den kleineren Milchprodukt-Sparten Fett und Pulver bieten den Milchproduzenten und Molkereien keine gute Ausgangsposition. "Der Pulverpreis ist eingebrochen, und das nutzt der Handel aus, um auch die Milchpreise zu senken", sagt Blum. Sollte es dazu kommen, so schließt der Verbandspräsident erneute Protestaktionen seitens der Landwirte nicht aus.