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Nach dem Urteil bleibt alles beim Alten

Nach dem Urteil bleibt alles beim Alten

Nahezu alle im Gerichtssaal sind sich einig: Die Angeklagte hat ihre Nebenbuhlerin angegriffen. Trotzdem spricht sich selbst der Staatsanwalt für einen Freispruch aus. Und so kam es dazu.

Trier. An jenem Tag, um den es vor dem Trierer Landgericht geht, muss sie wieder einen Aussetzer gehabt haben. Sie soll die andere Frau geschlagen, getreten und gekratzt haben und versucht, die 27-Jährige aus dem Fenster zu stoßen. Die Tat hat sich im April 2015 in einer psychiatrischen Klinik in der Eifel abgespielt. Das Motiv: Ihr Freund hatte eine Affäre mit dem Opfer. Nun soll das Urteil fallen. Ist die 32-Jährige des versuchten Totschlags schuldig?

Die Angeklagte: Seit Mai 2015 befindet sich die Angeklagte in einer psychatrischen Klinik für Straftäter. Dorthin wurde sie gebracht, nachdem sie wegen eines anderen Verbrechens verurteilt worden war: Sie hatte eine Pflegerin einer psychiatrischen Einrichtung in der Eifel mit kochendem Wasser übergossen. Damals entschied man, dass die 32-Jährige "eine Gefahr für sich selbst und andere darstellt." Doch auch in der Anstalt wird die Angeklagte auffällig. Wie wurde diese Frau die, die sie heute ist?

Die Sachverständige: Sylvia Leupold hat einen Blick in die Vergangenheit der Frau geworfen. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr hat die Angeklagte bei ihrer alkoholkranken Mutter gelebt. Als diese stirbt, beginnt für das Mädchen eine Odyssee: Sie wechselt von Heim zu Heim, später von Klinik zu Klinik. 2010 landet sie in einer Einrichtung in der Südeifel. Diese Heilanstalt sei für die Angeklagte ungeeignet gewesen, meint Leupold. Denn die Frau sei nicht nur psychisch krank, sondern leide auch an Epilepsie und habe eine leichte geistige Behinderung. Als sie erfahren habe, dass ihr Freund fremdgegangen war habe sie die Kontrolle verloren. Die Gutachterin hält die Angeklagte nicht für schuldfähig.

Die Plädoyers: So sieht es auch die Staatsanwaltschaft. Sie plädiert auf Freispruch, auch vor dem Hintergrund, dass sich die Frau ohnehin in einer geschlossenen Psychiatrie befindet. Die Verteidigerin schließt an.

Das Urteil: Der Prozess endet mit einem Freispruch. Für die Frau auf der Anklagebank ändert sich nichts, sie bleibt in der Psychiatrie. cha