Nach Flutkatastrophe: Im Eifel-Zoo hat sich viel getan beim Wiederaufbau.

Kostenpflichtiger Inhalt: Tierpark : Nach der Flutkatastrophe: Im Eifel-Zoo geht der Wiederaufbau voran

Mehr als ein Jahr nach dem Hochwasser sieht man im Lünebacher Eifel-Zoo langsam, wie sich die Anlage ändert. Und den Besuchern gefällt, was dort geschieht.

Es ist vielleicht ein typischer Moment für das, was gerade im Eifel-Zoo Lünebach passiert: Mitten im Gespräch mit dem TV springt Stefan Terlinden, seit März Geschäftsführer der Anlage, hoch und gibt der kleinen Helena eine Papageienfeder, die er in der Nähe des Cafés entdeckt hat.

Kind glücklich, Zoochef aber noch nicht fertig: Denn Helena (wird im Dezember vier Jahre) hat noch zwei Geschwister, die Zwillinge Julia und Raphael, beide fast fünf Jahre alt. Die müssen natürlich auch noch beschenkt werden. Und dann dürfen sie Papagei Laura sogar streicheln.

„Perfekt. Die haben einen Riesenspaß“, sagt Martin Frey, Vater der drei Kinder, Mutter Annerose findet’s auch klasse. Die Familie aus der Nähe von Ulm macht gerade an der Mosel Ferien. Dass der Zoo im Jui 2018 von den Hochwasserfluten nahezu verwüstet worden war, hätte er nicht vermutet, sagt Martin Frey. „Dafür sieht’s hier aber ordentlich aus“, ergänzt Annerose. Und dann ziehen sie weiter, denn die Bimmelbahn startet jeden Moment zur nächsten Runde durch die Anlage, da wollen alle mit.

Ordentlich, das stimmt schon, obwohl noch an vielen Stellen die Schäden sichtbar sind und einige Abschnitte abgesperrt. An jeder Barriere aber erklärt ein Transparent, was im vorigen Jahr geschah und wie man den Park wieder herrichten will.

Ein Beispiel: Die Gehege-Einfassungen. Einige sind inzwischen mit einem Staketenzaun versehen, aus schmalen Haselnuss- oder Kastanienstangen, zwischen denen Kinder hindurchgucken können. Das wirkt viel weniger vorgartenhaft als die Jägerzäune, die bald ganz verschwinden sollen.

Das Gespräch mit Stefan Terlinden wird noch öfter unterbrochen: Wann immer ein Gast, groß oder klein, eine Frage hat – er geht auf jeden ein, nimmt sich Zeit, erklärt, was zu erklären ist.

Der junge Zoochef, im Frühjahr eingestellt von Eigentümerin Annemie Wallpott, Witwe des Kölner Unternehmers und Gründers Hans Wallpott, ist beseelt von seiner Aufgabe. Oder hat ihn inzwischen angesichts der Herausforderungen auch einmal der Mut verlassen? „Nä!“ ruft er, vorsichtshalber gleich zwei Mal. Was auch an der Unterstützung liegt, die man erfahre, sagt Terlinden: Von den Eifelern und den Kölnern, allen voran Agenturbetreiber und Wallpott-Sohn Markus und dessen Co-Karnevalisten von der Bürgergarde Blau-Gold. Ohne diese Hilfe, das ist klar, wäre es wohl um den Zoo geschehen gewesen.

Jetzt geht es Schritt für Schritt nach vorn, und Annemie Wallpott blickt mittlerweile mit mehr Optimismus in die Zoo-Zukunft: Klar, manch ein Besucher maule noch über die Verhältnisse, „aber die meisten sind glücklich und zufrieden, dass es hier weitergeht. Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Und nach den teils schmerzhaften Verlusten des vergangenen Jahrs sind inzwischen schon neue Bewohner eingezogen. Dabei wird deutlich: Stefan Terlinden kann sich für ein vergleichsweise unspektakuläres Tier wie die Zwergmaus, am Tag davor frisch eingetroffen, oder für die ebenfalls neuen Kollwitzer Puten genauso begeistern wie für Luchs und Lama. Und vor allem dafür, in was für einer natürlichen Anlage sie sich tummeln dürfen. Ebenfalls neu im Zoo: Kängurus – obwohl man sich ja auf Tiere der Nordhalbkugel konzentrieren will. Aber Terlinden ist Australien-Fan, da darf es dann wenigstens eine kleine Abteilung sein, in der auch Emus und die beiden herrlich wibbeligen Dingos künftig hausen können.

Übrigens: Stefan Terlinden könnte sich vorstellen, dass ein paar Mädchen aus der Umgebung sich um die Ponys kümmern – und sie vielleicht an den Wochenenden, mit kleinen Reitern obendrauf, durch die Anlage führen. Wer also darauf Lust hat, kann sich melden.

„Vielen Dank, das war sehr schön!“, ruft eine Besucherin nach der Fahrt mit der voll besetzten Zoobahn. „Ja, das wollte ich auch sagen“, sagt eine weitere Mitfahrerin. „Und toll erklärt!“ Wie gesagt: Der Chef hängt sich rein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neues aus dem Eifel-Zoo

Mehr von Volksfreund