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Nach Neustart: Jugendhäuser stark gefragt

Nach Neustart : Jugendhäuser in der Eifel stark gefragt

Der Corona-Lockdown  erwischte auch  die Jugendhäuser Bitburg und Prüm. Sie mussten schließen. Nun hat die Arbeit wieder begonnen – aber ganz wie früher ist es noch nicht. 

Geschlossen! So lautete die bittere Pille für die Häuser der Jugend in Rheinland-Pfalz seit dem Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Betroffen waren auch Bitburg und Prüm.

Nach fast drei Monaten ist die Arbeit in den Einrichtungen wieder langsam angelaufen. Seit Anfang vergangener Woche hat das Haus der Jugend Prüm wieder offiziell geöffnet, seit der letzten Maiwoche das Bitburger Jugendhaus.

Ein Neustart mit angezogener Handbremse. Denn noch gelten strenge Auflagen. Trotz allem: Die Leiter der Einrichtungen – Jochen Pauls in Prüm und Thorsten Hauer in Bitburg – sind froh, dass überhaupt wieder geöffnet werden darf.

Dass das dringend notwendig war, zeige die Tatsache, dass sich die jungen Leute gleich, nachdem die Öffnung bekannt wurde, auf die Angebote gestürzt hätten. Das Werkangebot in Prüm zum Beispiel ist im Moment komplett ausgebucht. „Wir haben vier feste Gruppen mit je vier Kindern eingerichtet“, sagt Pauls.

Auch sonst habe es einen „riesigen Rücklauf“ auf die Nachrichten zur Wiedereröffnung gegeben, die das Haus an seine „Stammkunden“ geschickt hatte. „Die Kinder haben darauf gewartet, endlich wieder etwas zusammen zu machen“, sagt Pauls.

Auch Thorsten Hauer berichtet über eine große Freude bei den Menschen, die im „Normalfall“ jeden Tag das Haus der Jugend mit Leben füllen – die Kinder und Jugendlichen, die Mitarbeiter und die Ehrenamtler.

Allerdings müssen sich alle ein wenig umstellen. Denn die Corona-Auflagen führen dazu, dass Aktivitäten nur getrennt voneinander und in Kleingruppen – für die man sich vorher anmelden muss – stattfinden können. Alle Interessenten werden (falls noch Plätze frei sind) in Gruppen eingeteilt, damit sich Ansteckungen vermeiden und im Ernstfall Infektionsketten nachverfolgen lassen. Zwar seien, so Hauer, nach den Corona-Richtlinien offene Angebote erlaubt. Aber darauf verzichten die Bitburger wie auch die Prümer bisher.

Spontan, wie bisher üblich, könnten die Kinder und Jugendlichen also nicht vorbeikommen – in Prüm ist die Cafeteria geschlossen, in Bitburg ebenfalls. „Anders wäre uns das lieber“, sagt Jochen Pauls, „aber wir sind froh, dass wir etwas im Haus anbieten können.“

Dazu kommt, dass das räumliche Angebot begrenzt ist. Denn das Land hat von den Einrichtungen die Festlegung einer maximalen Zahl von Besuchern verlangt, die sich nach den örtlichen Gegebenheiten (Größe der Einrichtung, Anzahl der Räume, Quadratmeter pro Person, Ausstattung der sanitären Einrichtungen) richtet. Es dürfen sich also nicht unbegrenzt viele junge Leute gleichzeitig in den Gebäuden aufhalten können. Folge: Weniger junge Leute können betreut werden. In Prüm, sagt Jochen Pauls, seien das im Moment etwa 12 pro Tag – vor Corona sei die Zahl im Schnitt doppelt och hoch gewesen. Und in Bitburg ist das Haus auch viel leerer, als es die Mitarbeiter gewohnt sind. Denn es dürfe immer nur eine angemeldete Gruppe im Haus sein, da es aufgrund der baulichen Situation nicht möglich ist, dass sich die Gruppen nicht doch begegnen.

Die Begrenzung bei der Besucherzahl und bei der Raumkapazität hat zur Folge, dass es bei manchen Angeboten im Moment keine freien Plätze mehr gibt. Dennoch sagen Pauls und Hauer, seien noch einige Gruppen nicht voll; man könne sich also anmelden.

Und was haben die Mitarbeiter in Prüm und in Bitburg während der Schließung gemacht? „Wir haben aufgeräumt, renoviert, Masken genäht und Hinweisschilder gedruckt“, sagt Pauls. Zudem diente das Prümer Jugendhaus jeden Tag als Koordinierungsstelle der Aktion „Nachbarschaftshilfe“. Nun ist die Stelle nicht mehr täglich, sondern nur noch dienstags und donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr besetzt.

Die Bitburger Mitarbeiter hätten vom Home Office aus, so berichtet Hauer, „konzeptionell gearbeitet“. Zudem wurden ein Corona-Schutz. und Angebotskonzept ausgearbeitet. Um Eltern zu entlasten, gab und gibt es noch eine Notbetreuung und Hausaufgabenhilfe für Kinder. Die FSJ-ler bieten immer noch einen Einkaufsservice für Menschen an, die zu den Risikogruppen gehören.

 Und wie geht es jetzt weiter? Bis zu den Sommerferien laufen die Programme mit den festen Gruppen weiter wie gehabt. Danach beginnen die Ferienfreizeiten, die an beiden Häusern wegen der Corona-Auflagen nicht wie vorgesehen laufen können. Denn bis 31. August sind größere Veranstaltungen ja untersagt.

Daher haben beide Einrichtungen ihre Programme umgeplant: Da aufgrund der Corona-Auflagen jeweils weniger Kinder zugleich betreut werden können und mehr Raum benötigt wird, haben die Prümer ihre Freizeiten auf drei Wochen ausgedehnt und in die Markthalle verlegt. Auch in Bitburg haben die Mitarbeiter nochmal am Programm stricken müssen: Die Jugendfreizeit in den Niederlanden und das Zeltlager in Bettenfeld entfallen. Stattdessen gibt es Tagesangebote vor Ort – ohne Übernachtung.

Aber was ist die Erkenntnis aus dem Lockdown? „Dass der persönliche Kontakt nicht durch Online-Konferenzen und Online-Angebote ersetzt werden kann“, sagt Thorsten Hauer. Zu einer ähnlichen Bilanz kommt auch Jochen Pauls. Zwar gab es – wie auch in Bitburg – während des Lockdowns Online-Angebote. Doch die Resonanz, sagt Pauls, sei „nicht so gut“ gewesen. Sein Fazit: „Für Online-Angebote brauchen die Kinder und Jugendlichen uns nicht unbedingt.“