Nach Schließung der Grenzbrücke: Auf verbotenen Pfaden nach Echternach

Nach Schließung der Grenzbrücke: Auf verbotenen Pfaden nach Echternach

Nach einem Arbeitsunfall bleibt die Echternacher Grenzbrücke bis Ende des Jahres gesperrt. Tausende Pendler fahren jetzt durch Echternacherbrück, obwohl anders umgeleitet wird.

Ein blonder Junge wartet am Straßenrand. Ein Bein auf dem Boden, ein Bein auf dem Pedal seines Fahrrades. Er schaut nach links. Ein Auto fährt vorbei. Er schaut nach rechts. Ein Auto fährt vorbei. Ein Blick aufs Handy. Er schaut nach links. Ein Auto fährt vorbei. Er schaut nach rechts. Ein Auto fährt vorbei. Er schaut nach links. Ein Auto hält an und lässt ihn durch. Der Junge winkt dem Fahrer zum Dank, hebt sich auf den Sattel und tritt in die Pedale.
Über den Bürgersteig hat er jetzt freie Fahrt - anders sieht es auf der alten Sauerbrücke aus. Stoßstange an Stoßstange geht es nur Meter für Meter voran: Anfahren, ein Stückchen vor und wieder bremsen. Es ist 16 Uhr, Feierabendverkehr. Die Autos stauen sich bis ins Echternacher Stadtzentrum. Die meisten haben weiße Nummernschilder.

Es sind vor allem deutsche Pendler, die von der Arbeit in Luxemburg zurückkommen. Rund 10.000 überqueren hier täglich den Fluss. Normalerweise fließt der Verkehr über die große Grenzbrücke. Aber die ist seit einem tödlichen Arbeitsunfall gesperrt. Und sie wird es wohl noch eine Weile bleiben.

Auf der Internetseite der luxemburgischen Straßenbauverwaltung steht zwar, dass sie am 22. Dezember wieder freigegeben wird. Auf TV-Nachfrage sagt Behördensprecher Ralph Di Marco aber, dass das Bauwerk wohl noch bis Ende des Jahres zu bleibt. Mit der Standfestigkeit der Brücke habe das aber nichts zu tun, sagt Di Marco.

Das Gebäude aus Stahlbeton müsse auch nicht abgerissen und neu gebaut werden. Die Gerüchte, die in der Region die Runde machen, dementiert er. Der Übergang über die Sauer bleibe deshalb eine "route barré", weil die Untersuchungen des Unfalls noch nicht abgeschlossen seien (Siehe Info). Das bestätigt auch die Staatsanwaltschaft Diekirch.

Es sieht also so aus, als müssten sich die Bürger von Echternacherbrück an die neue Verkehrssituation gewöhnen. Für so manchen bleibt sie aber ein "Unding", wie es der erste Beigeordnete Ferdinand Ferring ausdrückt. "Die Sauerbrücke zu Fuß zu überqueren, geht kaum noch", sagt er, das sei bei all den Autos zu gefährlich. Eigentlich sollten sie gar nicht durch den Ortskern fahren, denn die Umleitung verläuft über Grevenmacher und Bollendorf. Aber das, so Ferring, sei wohl nicht zu vermeiden.

Was ihn aber vor allem ärgere, seien die Lastwagen, die über die Sauerbrücke bretterten. Das historische Bauwerk halte das wohl aus, meint Ferring, sei aber für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen eigentlich nicht ausgelegt, ergo gesperrt. Sattelschlepper müssten den Weg über Bollendorferbrück nehmen. Tun sie aber nicht.

"Was wir brauchen, ist eine Umleitung ab Bitburg", fordert Ferring. Die Lastwagen sollten nach Meinung des Gemeindepolitikers die Bundesstraße 51 entlang über Wasserbilligerbrück ins Großherzogtum fahren. Dann würden sie gar nicht erst an dem Dorf vorbeikommen.

Hintergrund
Der Unfall und das Projekt
Zwei Arbeiter einer deutschen Firma wurden am 6. September von einem Bauteil getroffen. Einer der beiden starb bei dem Unfall, der sich gegen 8.45 Uhr im Hohlraum, also im Inneren der Brücke, ereignete. Die zwei waren gerade dabei dort Stahlseile zu spannen, als sich das Teil löste.

Wie es dazu kommen konnte, bleibt weiter unklar. Die luxemburgische Staatsanwaltschaft und die Gewerbeinspektion ermitteln noch. Und so lange bleibt die Brücke dicht.

Das Bauwerk hätte zwei Wochen nach dem Vorfall fertig werden sollen. Im Frühjahr 2016 begann man mit einer umfangreichen Sanierung für rund vier Millionen Euro. Die Kosten teilen sich die Bundesrepublik und das Großherzogtum.

Kommentar
Umleitungen gibt es nicht umsonst

Niemand fährt gerne Umwege. Das ist klar. In diesem Fall spart der Umweg aber Zeit. Denn wer die längere Route über Bollendorf nimmt, muss nicht durch den Stau in Echternacherbrück.

Das sollten sich die Autofahrer überlegen, die die Straßen in dem Eifelort verstopfen. Die Planer können hier nicht mehr tun, als Umleitungen auszuweisen.

Das gilt auch für LKW. Die müssen runter von der Sauerbrücke. Noch hält das historische Bauwerk zwar Stand. Aber wer weiß wie lange noch? Nicht umsonst ist sie für solche Lasten nicht ausgelegt. Und nicht umsonst gibt es Umleitungen.

Es würde ja schon reichen, wenn sich jeder an die Straßenführung halten würde. Dann wäre es auch nicht nötig, die Sattelschlepper über Wasserbillig zu schicken. Im Moment aber könnte das die einzige Lösung für dieses Problem zu sein.

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