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Neuanfang im Islek und auf der Schneifel

Neuanfang im Islek und auf der Schneifel

Jucken und Sellerich, die beiden Dörfer in den Verbandsgemeinden Arzfeld und Prüm, haben neue Ortsbürgermeister. Beide Wahlen waren notwendig geworden, weil die Vorgänger vergangenes Jahr gestorben waren (der TV berichtete). Wir haben mit Franz-Josef Metz und Herbert Meyer gesprochen.

Jucken/Sellerich. Zwei Neuwahlen aus traurigem Anlass: In Jucken und in Sellerich starben vergangenes Jahr die Ortsbürgermeister Alois Ludwig und Robert Trierweiler - deshalb bestimmten nun die Wähler ihre neuen Gemeindechefs (der TV berichtete).
In Jucken machte Franz-Josef Metz das Rennen, mit 88 Prozent der abgegebenen Stimmen setzte er sich deutlich gegen Karin Willwers durch. Als Erster Beigeordneter hatte er bereits seit Juli 2015 seinen erkrankten und im Oktober gestorbenen Vorgänger vertreten.
Schon seit 22 Jahren ist Metz - der Unternehmer hat einen Vertrieb für Fenster und Türen - im Gemeinderat, aber auch darüber hinaus engagiert er sich: Er ist Vorsitzender des Musikvereins Olmscheid-Jucken, dem er seit 29 Jahren angehört, für Special Olympics Rheinland-Pfalz ist er außerdem Familienbeauftragter. Als wir mit ihm telefonieren, sitzt er im Auto, auf dem Weg nach Koblenz: "Ich besuche die Sportgruppe der Lebenshilfe Prüm bei einem Bowlingturnier." Tochter Janine kam mit dem Down-Syndrom zur Welt, arbeitet im Euvea-Hotel Neuerburg und ist eine starke, erfolgreiche Schwimmerin.
Neue Gehwege geplant


Gemeinsam mit seiner Frau Elsa hat er außerdem noch Sohn Marvin - der arbeitet seit einem Jahr im Betrieb mit: Die Aussichten seien gut, dass er die Firma auch eines Tages übernehme, sagt der Vater. Und das aus eigenem Antrieb - "ich hab ihn nie gefragt oder gezwungen".
Und wie steht es um die Gemeinde? "Wir haben etliche Projekte am Start", sagt Metz, sie seien noch unter Alois Ludwig in Gang gebracht worden. Voriges Jahr lief die Flurbereinigung an, "wir haben in der gesamten Ortslage auf gut 1,8 Kilometern eine Gehweg-Erneuerung, nächste Woche ist die Einweisung der Baufirma."
An der Hauptstraße seien noch einige Verschönerungen geplant, bald beginne die Innensanierung des Bürgerhauses, und im Sommer "wollen wir das dann außen auf Vordermann bringen". Dürfte kein Problem sein: Metz erzählt, wie bereits voriges Jahr 37 Bürger die Außensanierung der alten Schule erledigt haben. Da sei einfach ein gutes Miteinander - "und das hat mich auch dazu bewogen, noch tiefer einzusteigen" - nämlich als Bürgermeister.
Ach so: Auch schön - unter den knapp 180 Einwohnern, sagt Metz, seien 32 Kinder bis 15 Jahre. "Das ist richtig viel!" Und passt alles irgendwie gut zur Bedeutung des Ortsnamens: Denn der, so steht es auf der Website der VG, "entstand aus dem althochdeutschen Wort ,jukan'". Und das bedeutet so viel wie "sprossen, wachsen". Gar nicht deutlich, sondern superknapp war das Wahlergebnis in Sellerich: Mit genau einer Stimme mehr setzte sich Herbert Meyer gegen Mitbewerberin Hedwig Zeimmes durch.
Spannender Wahlabend


Entsprechend spannend sei die Auszählung am Wahlabend gewesen, sagt der neue Gemeindechef: "Das war schon ein bisschen aufregend." Zwei Listen, die Wählergruppe Trierweiler und die Gruppe Schmitz, haben die Sellericher im Rat, Meyer gehört der zweiten an, Hedwig Zeimmes der anderen - und hat als Erste Beigeordnete im vergangenen halben Jahr auch die Bürgermeistervertetung übernommen. Das habe sie auch sehr gut gemacht, sagt Meyer, umso mehr habe ihn dann das Wahlergebnis überrascht.
Schon bei der vorigen Wahl habe man ihn darauf angesprochen, zu kandidieren, "aber da habe ich mich nicht breitschlagen lassen". Jetzt habe er dann doch "den Hut in den Ring geworfen und gesagt: Dann probieren wir das mal".
Hat hingehauen. Auch ihm ist ein gutes Miteinander wichtig in Sellerich und den Ortsteilen Sellericherhöhe, Hontheim und Herscheid, wo der 47-jährige Landwirt auch seinen Hof hat. Mit Frau Helma hat er die 15-jährige Tochter Patrizia, die in Bleialf zur Realschule plus geht.
Die Dorfgemeinschaft funktioniere, sagt Meyer, "auch vereinsmäßig ist alles intakt - das läuft". Meinungsverschiedenheiten, klar, die gebe es immer mal. Ihm gehe es darum, trotzdem immer Konsens zu erzielen.
Hat er sich noch andere Ziele gesetzt? Da will er sich nicht zu weit hinauslehnen: "Ich bin nicht der Typ, der sich groß da hinstellt", sagt er. Deshalb will er auch vor seiner Amtseinführung nicht aufs Foto. Das Wichtigste sei: "Offen und ehrlich miteinander sprechen, das andere ergibt sich dann."
Am Dienstag, 2. Februar, 18.30 Uhr, wird Franz-Josef Metz im Bürgerhaus vereidigt. Dann werden auch die Beigeordneten der Ortsgemeinde Jucken neu bestimmt. Der Termin für die Vereidigung in Sellerich steht noch nicht fest.