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Neue Ära für die alte Vennbahn

Neue Ära für die alte Vennbahn

Wo in alten Eisenbahnzeiten täglich bis zu 40 Dampfzüge donnerten, sollen bald Radfahrer und Wanderer ein Eifel-Ardennen-Erlebnis der besonderen Art genießen können. Voraussichtlich im Herbst wird die Vennbahn auf 125 Kilometern durchgehend befahrbar sein.

Berlin/Prüm. "Ich bin Vennbahn-Fan!" Aloysius Söhngen, Prümer Bürgermeister und Aufsichtsratschef der Eifel-Tourismus GmbH (ET), lässt keinen Zweifel daran, was er vom grenzüberschreitenden Tourismus-Großprojekt hält. Und auch nicht, was er davon erwartet: "Das macht die Eifel-Ardennen-Region noch attraktiver für Touristen", betonte er auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin immer wieder.
Bislang noch Stückwerk, soll die Vennbahn ab kommendem Herbst durchgehend befahrbar sein.
Mit ihren 125 Kilometern zwischen Aachen und Troisvierges in Nordluxemburg und durch das Hochmoor Hohes Venn verlaufend, wird sie der längste grenzüberschreitende Bahntrassenweg Europas sein. Und ein sehr familienfreundlicher dazu. Die höchste Steigung auf der größtenteils asphaltierten Strecke beträgt lediglich 1,7 Prozent - auch für weniger ambitionierte Radfahrer kinderleicht zu bewältigen.
Insgesamt rund 14,5 Millionen Euro betragen die Gesamtkosten für die Umwandlung der einstigen Bahnstrecke in einen Rad-/Wanderweg. Den Löwenanteil (5,6 Millionen Euro) zahlt die Wallonische Region Belgiens; knapp vier Millionen Euro kommen als Interreg-Projekt-Förderung von der Europäischen Union. Luxemburg ist mit knapp 1,5 Millionen Euro dabei. Den deutschen Anteil von 3,2 Millionen Euro tragen großteils das Land Nordrhein-Westfalen und die Städteregion Aachen. Die Eifel-Tourismus GmbH und die Tourismusagentur Ostbelgien steuern über ihr gemeinsames Eifel-Ardennen-Marketing knapp 190 000 Euro bei.
Weitere Förderer sind die Deutschsprachige Gemeinschaftschaft Belgiens und ihre Gemeinden an der Strecke mit zusammen knapp 170 000 Euro.
Während auf vielen anderen Teilstücken noch fleißig gearbeitet wird, sind einige bereits vollständig ausgebaut wie das bei St. Vith mit seinem Anschluss an den rund 40 Kilometer langen Eifel-Ardennen-Radweg zwischen Steinebrück und Prüm.
Neben Natur- und Geschichtserlebnis bietet die Vennbahn noch einen Mehrwert in Form von "Grenzlandflair": "Mehrheitlich wird an der Strecke zwar Deutsch gesprochen, zur Hälfte jedoch Französisch als Amtssprache verwendet und Wallonisch als romanischer Dialekt gepflegt - nicht zu vergessen das Lëtze buergesche", betont Sandra De Taeye, Tourismuschefin der belgischen Ostkantone. "Wir verstehen Grenze als Chance."
Und wer trotz Minimal-Steigung seine radfahrerischen Grenzen schnell erreicht sieht, für den hat Vennbahn-Projektleiter Dany Heck eine gute Nachricht: "Es wird 24 Verleihstationen entlang der Strecke geben."Extra

 ITB 2012 in Berlin: Aloysius Söhngen (Vizevorsitzender der Eifel-Tourismus GmbH, links), Sandra De Taeye (Direktorin des Verkehrsamtes der belgischen Ostkantone) und Projektleiter Dany Heck werben für den kurz vor der Fertigstellung stehenden Bahntrassenrad- und Wanderweg Vennbahn. TV-Foto: Roland Morgen
ITB 2012 in Berlin: Aloysius Söhngen (Vizevorsitzender der Eifel-Tourismus GmbH, links), Sandra De Taeye (Direktorin des Verkehrsamtes der belgischen Ostkantone) und Projektleiter Dany Heck werben für den kurz vor der Fertigstellung stehenden Bahntrassenrad- und Wanderweg Vennbahn. TV-Foto: Roland Morgen

Die Geschichte der Vennbahn zwischen Aachen-Rothe-Erde und Ulflingen (heute Troisvierges) begann in preußischer Zeit. 1882 legte Kaiser Wilhelm I. den Grundstein. 1889 war die 125 Kilometer lange Direktverbindung zwischen den Kohlerevieren um Aachen und den Hütten in Luxemburg und Lothringen fertiggestellt. Für die strukturschwachen Wirtschaftsräume Westeifel und Hohes Venn brachte die Bahnlinie Anschluss und neue Perspektiven: Arbeitsplätze in der Aachener Industrie waren nun schnell erreichbar. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Deutschland die seit 1815 preußischen Kreise Malmedy und Eupen an Belgien - und die Vennbahn mehr und mehr an Bedeutung, da zollrechtliche Bestimmungen den Warenverkehr hemmten. Dennoch fuhren bis in die 1980er Jahre Güterzüge auf der Strecke. 1990 wurde die touristische Nutzung eingeleitet. rm.